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J. Peirano: Der geheime Code der Liebe: Alle Männer wollen lieber jüngere Frauen - wie soll ich damit umgehen?

Manchmal scheitert die Liebe an den hohen Ansprüchen. Bei Beate ist das nicht das Problem: Sie sucht schlicht einen sympathischen, etwa gleichaltrigen Mann. Einen ganz normalen. Doch leider scheinen die etwas ganz anderes zu wollen.

Die Männer in Beates Alter suchen eher nach jüngeren Frauen (Symbolbild)

Die Männer in Beates Alter suchen eher nach jüngeren Frauen (Symbolbild)

Getty Images

Liebe Frau Peirano,

Ich, 54, angestellt in einem Verlag, finde es wahnsinnig schwer, einen Partner zu finden. Ich bin seit 5 Jahren Single und mal mehr, mal weniger auf der Suche. Auf meiner Arbeit sind keine passenden Männer, entweder sind sie viel jünger oder vergeben. Bei meinen Interessen lerne ich keine kennen. Ich mache Yoga (99% Frauen), interessiere mich für Goldschmieden und habe mehrere Kurse besucht.

Was mich am meisten frustriert, ist, dass ich mich zu alt fühle oder so gesehen werde. Die Männer in meinem Alter suchen eine Frau Anfang 40. Als wäre eine Frau mit Mitte 50 zu nichts gut. Und die Männer, die eine Frau in meinem Alter suchen, sind 15 Jahre älter. 70! Das kann ich mir wieder nicht vorstellen.

Überhaupt finde ich die Kontaktanzeigen in Zeitschriften, selbst in seriösen Zeitungen wie "Die Zeit", erniedrigend und deprimierend. Es gibt viele Frauen in meinem Alter, die sich nach Nähe, Liebe und einem Partner auf Augenhöhe sehnen. Selbst attraktive, erfolgreiche Frauen inserieren viele Male, was ja heißt, dass sie keinen Erfolg hatten. Die Männer in meinem Alter suchen entweder noch eine Frau in den Dreißigern, um schnell noch eine Familie zu gründen. Oder sie sind gebunden und suchen eine Frau für SM oder heimliche Treffen ohne Verpflichtungen. Online ist es noch trister.

Ich habe mit anderen Frauen in meinem Alter gesprochen, und es ist überall das Gleiche. Wenn man normal aussieht, hat man einfach KEINE Chance. 

Ich suche doch nichts Besonderes! Ich suche einfach nur einen sympathischen, ungefähr gleichaltrigen Mann, der einfach normal und unkompliziert ist. So wie ich auch. Ist das denn zu viel verlangt? 

Vor zwei Jahren habe ich übrigens einen Tanzkurs belegt. Da war es genau das Gleiche. Es kamen viele Paare. Die wenigen freien Männer waren entweder etwas sonderbar und sozial gestört, oder sie haben sich gleich auf die attraktiven, jüngeren Frauen gestürzt. Ich hatte das Gefühl, dass sie mit mir Pflichttänzchen getanzt haben, wenn man den Tanzpartner wechseln musste.

Nach all dem habe ich wirklich gestrichen die Nase voll von der Partnersuche. Die Männer, die mich interessieren würden, haben kein Interesse an mir. Es ist sicher auch ein gesellschaftliches Thema, dass die Männer bei der Partnersuche die deutlich besseren Karten haben. 

Ich wollte das einfach mal loswerden, weil es mich so deprimiert. Und natürlich habe ich die Hoffnung, dass Sie vielleicht doch eine Idee haben, wie ich es anders anstellen kann.

Viele Grüße, Beate M.

Liebe Beate M.,

Ich kann voll und ganz nachfühlen, dass Sie von der Partnersuche ernüchtert und frustriert sind. Sie sind bei weitem nicht die Einzige, die diese Gefühle hat! Viele Frauen sind vereinsamt, verzweifelt und deprimiert über ihr unfreiwilliges Single-Dasein. Sie haben das Gefühl, bei all der weiblichen Konkurrenz nicht zu genügen, und sie haben Angst, ewig alleine zu bleiben. Eine beängstigende Vorstellung!

Es hat sich in den letzten Jahrzehnten nachweislich verstärkt, dass Männer im Durchschnitt weitaus jüngere Frauen suchen, als das früher der Fall war. In der Generation Ihrer Eltern hielten viele Ehen länger, sodass den Frauen mit Mitte 50 die Partnersuche erspart blieb. Sie hatten ja ihren Mann, der ebenfalls Mitte 50 oder etwas älter war. Man wurde gemeinsam alt.  Heutzutage steigen die Ansprüche und jeder möchte einen möglichst optimalen Partner. Und aufgrund der lockeren Moral kann jeder auch tun und lassen, was er möchte, ohne gesellschaftlich sanktioniert zu werden. So ist es für 50-jährige Männer heute keinesfalls ehrenrührig, wenn sie eine Partnerin nach der anderen haben, die locker deren Tochter sein könnte. Im Gegenteil, viele Männer werden bejubelt, wenn sie sich mit einer attraktiven, jungen Partnerin schmücken können.

Wenn Sie sich eingehender mit der gesellschaftlichen Veränderung (und für die Frauen: Verschlechterung) der Partnersuche beschäftigen wollen, empfehle ich Ihnen zwei Bücher. "Warum Liebe weh tut" von der Soziologin Eva Illouz und "Die Schule der Frauen" von Iris Radisch. Aber Achtung: Die Lektüre streut noch einmal Salz auf Ihre Wunden!

Trotz dieser gesellschaftlichen Entwicklung hilft es Ihnen aber nicht, Ihre Erfahrungen zu sehr zu verallgemeinern. Das entmutigt und deprimiert.  Machen Sie sich lieber folgendes klar: Auch wenn viele durchschnittlich attraktive Frauen mit Mitte 50 es schwer finden, einen gleichaltrigen, sympathischen Partner zu finden, so muss das ja nicht für alle Frauen gelten. Sie suchen ja nur einen einzigen Mann, und den wird es geben.

Wenn Sie etwas suchen, ist es wichtig, möglichst genaue Vorstellungen davon zu haben. Bei Google suchen Sie ja auch einen "Damenpullover, Größe M, anthrazit, Baumwollgemisch, neu, V-Ausschnitt" anstatt einfach einen "Pullover". Genau so konkret müssten Ihre Vorstellungen von einem passenden Mann sein. 

Vielleicht stellen Sie sich mal den Mann in jeglicher Hinsicht genau vor. Sicher gibt es in Ihrem Leben Vorbilder, aus denen Sie sich einen passenden Mann "zusammensetzen" können, z.B. Ihren Bruder, den Mann Ihrer besten Freundin, Ihren Kollegen… An oberster Stelle sollte stehen, dass dieser Mann eine Frau mit Lebenserfahrung auf Augenhöhe sucht und SIE haben möchte (und keine deutlich jüngere Frau).

Als zweiten Punkt überlegen Sie bitte, was Ihre eigenen Stärken und Vorzüge sind. Wie würden Sie sich beschreiben, und was bringen Sie in eine Beziehung ein (z.B. Humor, Zuverlässigkeit, Großherzigkeit, ein liebevolles Wesen, Interesse am Reisen…)?

Und als drittes wäre es gut, eine klare Vision von der Partnerschaft und vom gemeinsamen Leben zu entwickeln. Dabei ist mir aufgefallen, dass Sie überwiegend Interessen haben, die fest in weiblicher Hand sind und für die Männer sich in der Regel nicht besonders interessieren (vom Tanzen mal abgesehen). Suchen Sie doch noch einmal nach Hobbies, Ritualen oder Aktivitäten in Ihrem Leben, die Sie auch mit einem Mann (bzw, dem oben skizzierten Mann) teilen könnten. Denn ansonsten liegt die Frage auf der Hand: Wie wollen Sie einen Mann kennen lernen und worüber wollen Sie Verbindungen mit ihm schaffen?

Ein erster Anhaltspunkt: Sie sind ja eher eine Generalistin als eine Spezialistin. Generalisten sind für vieles offen, gehen gern mal ins Kino, in Restaurants oder ins Theater, aber sie haben weder ein fanatisches Interessen noch sind sie auf bestimmte Dinge festgelegt. Spezialisten hingegen haben ein sehr stark geprägtes Leben. Sie gehen nicht in irgendeinen Film, sondern z.B. in asiatische Kampfkunstfilme. Sie hören nicht irgendwelche Rock/Pop/Klassik, sondern kennen sich mit einer bestimmten Musikrichtung aus. Sie gehen nicht etwas spazieren oder ganz gern mal wandern, sondern gezielt auf Hochtouren über 4.000 Meter.

Wenn Sie diese Punkte klar umzeichnet haben, wird auch deutlicher, wo Sie einen Partner finden können.

Es ist für Spezialisten naheliegend, ihren Partner genau dort zu finden, wo sie sich gerne aufhalten, nämlich in einer Vorlesung über Astrophysik, einer Gletschertour oder in einem barocken Kammerkonzert. Für Sie als Generalistin ist es nicht ganz so eindeutig, dafür aber offener. Sie können diesen Mann an allen Orten kennen lernen, an denen Sie sich wohlfühlen. Zum Beispiel auf der Feier Ihrer Lieblingskollegin, in Ihrer bevorzugten Buchhandlung oder bei einem Kochkurs in Ihrem Stammrestaurant. Sie können auch Ihrem Schicksal etwas nachhelfen, indem Sie Männer geschickt ansprechen. In der Weinabteilung des Supermarkts könnten Sie einen netten Mann um Hilfe bei der Weinauswahl bitten, beim Warten auf das Boarding am Gate könnten Sie über die Stadt sprechen, in die Sie fliegen.

Ganz wichtig ist es, dass Sie sich auch ohne Partner wohl fühlen und das Gefühl haben, ein vollständiges Leben zu haben. Dann werden Sie attraktiv für Männer, denn Gelassenheit und Glück wirken wie Magneten. Das klappt sogar bei meiner Katze: Wenn ich unbedingt will, dass sie zu mir kommt und sie locke und anstarre, denkt sie nicht im Traum daran, in meine Nähe zu kommen. Wenn ich sie aber ignoriere und mich mit etwas anderem beschäftige, dauert es keine zwei Minuten, und sie kommt zu mir und verlangt meine volle Aufmerksamkeit (genau das, was ich wollte). 

Ich wünsche Ihnen, dass Sie lockerer und mit mehr Freude leben können und dann auch einen Mann finden, mit dem Sie Ihr Leben teilen können.

Herzliche Grüße,

Julia Peirano

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