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J. Peirano: Der geheime Code der Liebe: Mein Mann und ich hatten häufig Dreier - bis ich mich in einen von ihnen verliebte

Jenny und ihr Mann genießen es beide, sich andere Männer zu ihnen ins Bett zu holen. Doch als sie die Regeln bricht und sich verliebt, wird es kompliziert. Wie soll sich Jenny entscheiden?

Ihre Beziehung ist für Jenny nicht mehr dieselbe, seit sie einem der Bett-Partner zu nahe kam (Symbolbild)

Ihre Beziehung ist für Jenny nicht mehr dieselbe, seit sie einem der Bett-Partner zu nahe kam (Symbolbild)

Hallo Frau Peirano,

ich bin 32, mein Mann 42, wir sind seit neun Jahren zusammen. Wir betreiben ein Fitness-Center. Wir sind sexuell sehr aufgeschlossen, teilweise auch SM-affin. Vor ungefähr vier Jahren deutete eine Mitarbeiterin an, dass sie uns anziehend findet und uns "privat" Gesellschaft leisten könnte. Wir holten sie dazu und ich hatte Spaß mit ihr.  

Als mein Mann dann auch mit ihr intim wurde, war es krass für mich zu sehen, wie mein Mann das gleiche mit ihr tat wie mit mir. Die gleichen Küsse, die gleichen Berührungen, die gleichen Bewegungen und Stellungen… Er sah mir zwar in die Augen, während er in ihr war,  aber es war hart und ich musste mich zwingen, nicht aus dem Raum zu gehen.

Ich habe vorher auch Sex zu dritt gehabt, aber nie mit einem Partner oder einer Partnerin (ich bin bisexuell) zusammen, sondern eher mit lockeren Begegnungen. Mein Mann merkte meinen Widerwillen und holte beim nächsten Mal dann einen anderen Mann dazu. Das gefiel mir viel besser. Meinen Mann erregt es sehr, mir beim Sex mit anderen Männern zuzusehen, und er bat mich, mich auch mit diesen Männern alleine zu treffen, ihm aber danach alles zu erzählen oder es heimlich zu filmen für ihn. Das war auch kein Problem. Ich fühlte mich sehr begehrt als Frau, hatte meinen Mann als dominanten Partner und konnte mich gleichzeitig mit anderen Männern ausleben, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben. Schließlich wollte mein Mann das ja, und wenn ich Filme ablieferte oder ihn heimlich anrief, damit er mithören konnte, war alles ok. 

Was ich schwierig fand, war die Dominanz meines Mannes. Er war immer dominant gewesen, und ich war sehr jung, als wir zusammen kamen. Aber je älter ich wurde, desto mehr wollte ich auch selbst entscheiden. Immer war ER es, der die anderen Männer aussuchte. ER instruierte mich, was ich unbedingt mit den anderen Männern ausprobieren sollte. Er verbot mir, mit einer anderen Frau zu schlafen. Und es war seine Bedingung, dass er davon wissen wollte und am liebsten eine heimliche Filmaufnahme bekommen wollte. Ich fühlte mich ein bisschen wie seine Marionette. Aber trotzdem überwog das gute Gefühl, sexuelle Freiheiten zu haben, von denen andere Frauen nur träumen können.

Es verbreitete sich in unseren Kreisen, was wir so machten, und Kunden sprachen uns darauf an. Einer, Dominique, veränderte dann alles. Es harmonierte im Bett so gut, dass wir über ein Jahr eine Dreierbeziehung hatten. Mein Mann steht nicht auf Männer, Dominique auch nicht. Es ging alles über mich. Sie wechselten sich dabei ab, mich zu befriedigen, und sahen sich dabei dazu, manchmal auch gemeinsam. Für mich das absolute Paradies.

Mein Mann ist kräftig und muskulös, hat eine Glatze und ist behaart. Dominique ist schlank und feingliedrig, hat lange schwarze Haare und dunkle Haut. Ich wurde von beiden verwöhnt und hatte den Eindruck, dass sie insgeheim auch konkurrierten, wer mich besser befriedigen konnte. Das war eindeutig Dominique. Wir harmonierten unglaublich.

 Ich entwickelte dann auch Gefühle für Dominique und wollte ihn alleine treffen. Mein Mann untersagte mir das. Dominique und ich fingen an, uns zu schreiben, das war eine Ebene, die mit meinem Mann überhaupt nicht klappte. Er ist eher ein stiller Macher. Dominique ist sensibel, fantasievoll und ein Mann der schönen Worte.

Kurzum, die Anziehung war so groß, dass wir uns heimlich trafen, und uns beide ineinander verliebten. Ich war völlig verwirrt und konnte mir nicht mehr vorstellen, weiter mit meinem Mann und Dominique zusammen zu kommen. Dominique hat eine Frau und eine dreijährige Tochter. Seine Frau weiß von nichts, obwohl sie auch Kundin bei uns ist. Und vor drei Monaten brach Dominique unter dem Druck zusammen und beendete die Geschichte mit mir und meinem Mann endgültig. Er und seine Frau kündigten die Mitgliedschaft in unserem Studio. Dominique wechselte die Handynummer und verbot mir, mit ihm Kontakt aufzunehmen. Er will seine Familie schützen.

Mein Mann ahnt vielleicht, was mit mir los ist, aber er überspielt es. Er hat schon zwei weitere Männer als Ersatz für Dominique gefunden, aber mir ist die Lust vergangen. Ich sehne mich nach Dominique, nach seinem Körper, seinen Händen, seinen Augen und seinen Worten. Wenn ich ihn nicht für mich haben kann, würde ich auch wieder mit ihm und meinem Mann weiter machen wollen, aber ohne ihn hat Sex für mich keinen Reiz. Ich war noch nie lustlos, aber jetzt möchte ich keine Berührung und keinen Kuss, von Sex nicht zu reden. Dominique  hat mich gefragt, was ICH will, während mein Mann mir immer sagt, was ich für IHN tun soll. Mir hat die Geschichte die Augen geöffnet, dass mein Mann mich auch benutzt, um seine sexuellen Fantasien zu befriedigen. Ich habe keine Lust mehr, da mitzuspielen und mir von ihm die Männer aussuchen zu lassen, mit denen ich Sex habe, damit er zugucken kann.

Ich denke darüber nach, mich von meinem Mann zu trennen, aber das ist nicht so einfach. Zum einen haben wir das Studio zusammen. Zum anderen bin ich auch nicht für eine normale Standard-Sexualität zu haben mit einem festen Partner und Sex nach dem Abendfilm. In der Hinsicht war mein Mann schon gut, da er kaum Grenzen kennt und meine Offenheit sehr schätzt. Aber die Gefühle für meinen Mann sind einfach erkaltet, er nervt mich sogar. Das liegt bestimmt auch daran, dass ich Dominique nicht aus meinem Kopf kriege. Aber meine Gefühle werden nicht weniger, und ich weiß nicht, was ich dagegen tun kann, weil ich ihn ja nicht kontaktieren darf.

Viele Grüße

Jenny T.

Liebe Jenny T.,

Es hört sich für mich so an, als wenn Sie mit dem Feuer gespielt und sich dabei die Finger verbrannt haben. Sie sind anscheinend sehr experimentierfreudig und in hohem Maße offen für neue Erfahrungen. Sie legen wenig Wert auf Sicherheit und scheuen vor eingefahrenen Routinen zurück. Deshalb haben Sie auch schon viele Dinge ausprobiert, an die sich andere Menschen nicht herantrauen würden.

Sie haben dadurch ihre Abenteuerlust und ihre sexuelle Lust befriedigen können, viel Abwechslung gehabt und Ihre Grenzen testen können. Zum Teil haben Sie dadurch sehr positive Erfahrungen gemacht, wie z.B. in der Zeit, in der Sie mit Dominique und Ihrem Mann eine sexuell sehr intensive Phase hatten. Aber natürlich kann man auch tief fallen, wenn man sich hoch hinauswagt. Das verliert man ja gerne mal aus dem Augen, aber genau das scheint Ihnen im Moment passiert zu sein. Sie konnten Ihre Gefühle für Dominique nicht unter Kontrolle halten - wie bisher zu den anderen Männern - sondern haben sich mit Haut und Haaren in ihn verliebt. Und diese Verliebtheit hat Ihre Beziehung zu Ihrem Mann in einem anderen Licht erscheinen lassen. Das geschieht oft, denn sich zu verlieben verschiebt die Grenzen in einer Beziehung. Vorher haben Sie und Ihr Mann die Spielregeln aufgestellt, bzw. Ihr Mann scheint sie aufgestellt zu haben, aber Sie haben sich damit einverstanden erklärt. 

Durch die Beziehung zu Dominique haben Sie Sehnsüchte und Bedürfnisse entwickelt, die sich auf ihn bezogen. Sie wollten mit ihm alleine sein, ohne dass Ihr Mann dabei ist. Und das haben Sie auch gemacht, gegen die Absprachen, die Sie mit Ihrem Mann hatten. Sie haben Dominique alleine getroffen und so eine Schutzwand um Sie beide errichtet, damit Ihr Mann ausgeschlossen wurde.

Das passiert sehr oft in Dreiecks-Beziehungen, und es ist sehr wichtig, sich dessen bewusst zu sein und fein zu erspüren, was für Konsequenzen es für einen selbst und die ursprüngliche Partnerschaft hat. Und jetzt hat sich noch etwas verändert: Sie haben sich mit Dominique eingeschlossen, Ihren Mann ausgeschlossen - und nun ist Dominique gegangen und hat den Kontakt zu Ihnen komplett abgebrochen, wohl um sich selbst und seine Familie nicht weiter zu gefährden. Sie stehen jetzt wirklich alleine da, denn zwischen Ihrem Mann und Ihnen haben Sie eine Wand errichtet, die Sie beide innerlich voneinander trennt.

Was glauben Sie denn, was passieren würde, wenn Sie mit Ihrem Mann über Ihre Gefühle sprechen würden? Vor allem über den Teil, der zwischen Ihnen beiden steht? Wenn Sie ihm sagen würden, dass Sie zwar zu sexuellen Experimenten bereit sind, aber gerne mitbestimmen würden, was Sie machen? Wenn Sie sich genau überlegen würden, was Sie mögen und was nicht und Ihrem Mann das erzählen? Und ihm vielleicht auch sagen, was Sie an Dominique so anziehend fanden und was Sie sich in Ihrer Beziehung wünschen?

Ich kann mir vorstellen, dass es schwer wird, Ihren Mann, der ja eine sehr dominante Seite hat, damit zu konfrontieren, denn das bringt ja die Art, wie Sie bisher miteinander umgegangen sind, ins Wanken. Aber genau das wäre aus meiner Sicht jetzt auch wichtig, um herauszufinden, ob Sie beide genug Gefühle füreinander und genug Potenzial haben, um eine Beziehung zu führen, in der Sie beide sich wohl fühlen. Und Beziehungen ändern sich mit der Zeit, sie brauchen immer mal wieder ein Update, wenn man sich selbst auch entwickelt. 

Ich denke, dass Sie dabei näher an Ihre eigenen Gefühle und Bedürfnisse heranrücken und sich Ihrem Mann auch anders nähern können, wenn Sie die Mauer des Schweigens abreißen, die zwischen Ihnen steht.

Viele Grüße

Julia Peirano

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