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J. Peirano: Der geheime Code der Liebe: Mein Partner ist verantwortungslos und uneinsichtig – daher streiten wir endlos

Ständig muss Hanna ihrem Freund erklären, warum sein Verhalten nicht in Ordnung ist. Doch der will das einfach nicht einsehen. Wie kann sie ihn erreichen, statt immer nur zu streiten?

Eine konstruktive Streitkultur ist für viele Paare eine Herausforderung (Symbolbild)

Eine konstruktive Streitkultur ist für viele Paare eine Herausforderung (Symbolbild)

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Liebe Frau Dr. Peirano,

Mein Freund und ich haben manchmal heftigen Streit. Er kann es nicht leiden, wenn ich mal sauer werde, auch wenn ich Recht habe. Er kann manchmal sehr verantwortungslos sein und sieht es nicht ein, wenn ich ihm das vorhalte.

Ein Beispiel: Wir hatten seine einjährige Nichte für ein Wochenende zu Besuch da. Ich bin abends ausgegangen, er hat "aufgepasst". Als ich wieder kam, lag die Kleine schreiend in ihrem Bett, die Windel voll, und mein Freund lag im Nebenzimmer und schlief. Ich war total sauer, dass er sich nicht um sie gekümmert hat. Und natürlich mache ich mir große Sorgen, wie es wohl sein wird, wenn wir mal ein Kind haben (ich bin 32 und wir verhüten nicht mehr).  

Bin ich dann für alles zuständig? Kann ich ihm vertrauen? Denn die Geschichte ging so aus, dass ich mitten in der Nacht nach Hause kam, die Kleine gewickelt habe, ihr eine Flasche gemacht habe und das ganze Bett neu bezogen haben, weil die volle Windel ausgelaufen war.

Am nächsten Morgen habe ich meinem Freund die Meinung gesagt, und dabei eben auch gesagt, dass ich nicht denke, dass er reif genug ist, um Vater zu werden, dass er egoistisch ist und einen Tunnelblick hat und noch ein paar andere Sachen. Ich habe ihm dann gesagt, dass er jetzt als Ausgleich für die letzte Nacht dran ist, sich um die Kleine und um mich zu kümmern. Das finde ich auch angebracht, denn er hat sich nicht einmal entschuldigt, dass ich alles in Ordnung bringen musste.

Mein Freund ist dann selbst sauer geworden und hat mir gesagt, dass ich überreagiere und alles an ihm auslasse. Er kann meinen Ton nicht mehr hören und kann sich vorstellen, dass wir uns trennen, wenn ich so mit ihm umgehe.

Wir haben uns dann noch länger gestritten und waren beide ganz schon erschrocken darüber. Nach ein paar Tagen haben wir uns vertragen. Es passiert aber häufiger, dass es bei uns eskaliert. Deshalb wollte ich mal fragen, was wir machen können.

Viele Grüße und danke,

Hanna G.

Liebe Hanna G.,

Ich finde es gut, dass Sie sich Gedanken darüber machen, wie Sie besser (also konstruktiver) miteinander streiten können. Und es ist sehr hilfreich für mich, dass Sie Ihren letzten Streit recht detailliert beschrieben haben, so dass ich mir ein Bild machen kann, was schief läuft.

 Ich kann vom Inhalt her gut verstehen, dass Sie verärgert waren, weil Ihr Freund seine Nichte allein gelassen hat und Ihnen ungefragt die Verantwortung dafür aufgebürdet hat, sich um sie zu kümmern. Ebenso kann ich verstehen, dass Sie sich Sorgen machen, wie die Rollenverteilung sein würde, wenn Sie beide ein gemeinsames Kind haben.

Doch beim Streiten macht der Ton die Musik. Ich sehe hier einige Handgranaten in der Kommunikation, die dafür sorgen, dass der andere (in diesem Fall Ihr Partner) die Kritik nicht annehmen kann, sondern sich entwertet fühlt.

Ich gebe Ihnen deshalb ein paar konkrete Tipps, die den Ton deutlich besser und konstruktiver machen.

  1. Nicht ausufern! Wenn Sie etwas zu kritisieren haben, versuchen Sie, das Problemverhalten möglichst eng zu umkreisen. In diesem Fall heißt das: Ich bin sauer, weil du nachts nicht aufgestanden bist und dich nicht um deine Nichte gekümmert hast. 
  2. Nicht interpretieren: Kritisieren Sie möglichst nur ein konkretes Verhalten in einer bestimmten Situation (du hast dich letzte Nacht nicht um deine Nichte gekümmert) und schließen Sie nicht auf bestimmte Charakterzüge. Sagen Sie nicht, warum er sich aus Ihrer Sicht nicht um seine Nichte gekümmert hat. Weil er egoistisch ist, weil ihm andere Menschen egal sind, weil er faul ist, weil er einfach inkompetent ist oder irgend etwas anderes Schlechtes. So eine Zuschreibung von schlechten Eigenschaften hört kein Mensch gern. Es ist sehr verletzend, auch wenn es unterschwellig geschieht.    
  3. Nicht die Zukunft voraus sagen: Wenn etwas heute schief geht, wäre es gut, dem Partner nicht zu signalisieren, dass er sich nicht ändern, sondern seinen Fehler dauernd wiederholen wird. Sätze wie: "Wird das immer so weitergehen?" "Es ist immer das Gleiche mit dir" Oder "wie wird es sein, wenn wir erst mal ein Kind haben" implizieren, dass Ihr Partner keine Bereitschaft hat, sich zu verändern.
    Und man kann den Schluss ziehen, dass er eben von Grund auf egoistisch ist und zu faul, um dieses Verhalten zu verändern. Solche unausgesprochenen Unterstellungen machen das Gegenüber so richtig wütend, und er wird alles tun, um sich zu verteidigen. Und schon ist es vorbei damit, dass er sich fragt, warum er sich so verhalten hat und wie er es verändern kann. 
  4. Problemverhalten schildern und dann Luft holen: Wenn Sie gleich mit Ihrer (aus der Wut heraus verständlichen) Sicht der Lage anfangen und Ihren Partner beschuldigen, in die Zukunft schauen und Ihre Zukunft in Frage stellen, lässt er die Rollläden herunter und geht in die Verteidigung oder den Gegenangriff. Besser wäre es, ruhig zu sagen: Als ich gestern nach Hause gekommen bin, fand ich die Kleine schreiend und mit einer vollen Windel in ihrem dreckigen Bett. Das tat mir wirklich leid für sie! Ich wollte dich nicht wecken und habe alles sauber gemacht, sie gewickelt und beruhigt. Das fand ich wirklich ärgerlich, da ich total müde nach Hause gekommen bin. Was war denn los mit dir? (Und jetzt Luft holen)
  5. Erklärungen gelten lassen: Ihr Partner hat jetzt die Chance, sich selbst zu kritisieren. Zum Beispiel: "O nein, das tut mir leid! Ich bin einfach eingeschlafen und habe nichts mehr gehört." Seien Sie offen für seine Erklärungen und versetzen Sie sich mal in seine Lage. Könnte es sein, dass er nur einen kleinen Fehler gemacht hat? Oder dass es ihm nicht gut ging? Können Sie sich vorstellen, dass sein Fehler auch Ihnen hätte passieren können?
  6. Ihm die Lösungsvorschläge überlassen: Fragen Sie ihn, wie er es in Zukunft anstellen könnte, dass er sich kümmern kann, wenn er auf ein Kind aufpasst. Wenn seine Lösung vernünftig ist, braucht es keinen Streit zu geben. Wenn seine Lösung zeigt, dass er nicht verantwortungsbewusst ist, hilft es auch nichts, mit ihm zu streiten. Es wäre hilfreicher, wenn Sie sich seine Einstellung merken und sich in Ruhe fragen, ob Sie ihn für den richtigen Vater Ihrer Kinder halten.


Sie merken, dass in Ihren Bemerkungen aufgrund Ihrer Wut viel Dynamit eingebaut war. Ihr Partner hat sich angegriffen gefühlt und seinerseits mit Trennung gedroht, was den Streit weiter angefacht hat. Er hätte natürlich auch ruhig bleiben können und sagen können: Lass uns mal bei der Sache bleiben. Dein Ton gefällt mir nicht. Ich weiß aber auch, dass ich Mist gebaut habe, weil ich eingeschlafen bin. 

Aber wenn Sie gleich bei der Eröffnung eines Konflikts partnerschaftlich und ruhig bleiben, haben Sie viel größere Chancen, das zu erreichen, was Sie wollen. Sie wollten doch eine Klärung und ein Aha-Erlebnis für Ihren Partner erreichen, möglicherweise eine Entschuldigung und Wiedergutmachung für Ihren nächtlichen Einsatz. Behalten Sie das im Auge!

Vielleicht noch ein konkreter Tipp: Viele Menschen haben das Gefühl, dass Ihre Wut sie dazu berechtigt, auszurasten und den Partner anzugreifen. Es führt jedoch oft dazu, dass Porzellan zerschlagen und Vertrauen zerstört wird. 

Letztlich wünschen Sie sich doch einen Partner, der Ihnen helfen möchte und der auf Sie hört, gerade wenn Sie ein Kind haben. Diese Einstellung fördern Sie nur, wenn Sie sich partnerschaftlich verhalten und zu Ihrem Partner halten, auch wenn Sie wütend sind. 

Unterstellen Sie ihm vielleicht doch mal gute Eigenschaften. Das könnte so aussehen: Ich war ganz erschrocken, dass du dich nicht gekümmert hast. Was war denn los? So kenne ich dich ja gar nicht. Dann fühlt er sich gewertschätzt und kann nachdenken, warum es zu diesem Ausrutscher kam und wie er das wieder gut machen kann.

Es ist also gut, wenn Sie sich nicht von Ihren Gefühlen (insbesondere Wut und Ärger) leiten lassen, sondern von Ihren Werten. Und die Werte sind bestimmt, in der Partnerschaft Vertrauen aufzubauen und ein gutes Team zu sein. Wenn Sie allerdings zu wütend sind, um gleich zu reden, sollten Sie die Wut erst einmal verrauchen lassen und dann das Gespräch suchen.

Vielleicht können Sie sich ein Buch zum Thema gewaltfreie Kommunikation kaufen oder gemeinsam ein Training für Paare besuchen. Das wäre bestimmt eine gute Prävention gegen weitere Eskalationen. Alleine ist es für Paare oft schwierig, aus solchen eingefahrenen Mustern herauszukommen, weil jeder bereits fürchtet, was als nächstes gesagt wird, und dementsprechend heftiger kämpft.

Herzliche Grüße, Julia Peirano

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