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J. Peirano: Der geheime Code der Liebe Meine Frau hat seit der Schwangerschaft 23 Kilo zugenommen und ich begehre sie nicht mehr

Die fehlende Begierde ist in Beziehungen schnell ein Problem (Symbolbild)
Die fehlende Begierde ist in Beziehungen schnell ein Problem (Symbolbild)
© PixelsEffect / Getty Images
Ein Kind zu bekommen, bringt viele Paare näher zusammen. Aber nicht unbedingt sexuell. Das musste auch Stefan feststellen. Weil seine Frau dadurch stark zugenommen hat, fühlt er sich nicht mehr zu ihr hingezogen. Wie sollen die beiden damit umgehen?

Liebe Frau Peirano,

es klingt vielleicht sehr oberflächlich, aber mich beschäftigt wirklich, dass meine Frau seit ihrer Schwangerschaft vor drei Jahren 23 Kilos zugelegt hat.  Und es werden immer mehr Kilos, teils aus Naschen und Frustessen, teils weil sie nicht mehr zum Sport geht.

Meine Frau leidet selbst unter ihrem Aussehen und zieht sich deswegen auch nicht mehr so an wie früher. Ich habe sie als eine schlanke, attraktive und selbstbewusste Frau kennen gelernt, die gerne auch mal einen kurzen Rock mit Stiefeln oder einen tiefen Ausschnitt getragen hat. Heute verhüllt sie sich eher, und ich erkenne sie kaum wieder. Sie fühlt sich in ihrem Körper selbst nicht wohl und ihr Selbstbewusstsein ist wie weggeblasen.

Wir haben schon oft über das Thema gesprochen und ich komme mir schlecht vor, weil ich ihr auch noch Druck mache. Sie selbst leidet schon genug. Aber ich finde sie nun mal einfach nicht mehr erotisch, sie ist ein völlig anderer Frauentyp als vorher. Ich weiß nicht, wie andere Männer ihre Frauen noch begehren, wenn die so zugenommen haben. Ich habe kein sexuelles Verlangen nach meiner Frau und wir haben dementsprechend auch selten Sex. Das fällt ihr natürlich auch auf und sie fühlt sich ungeliebt.

Ich erwische mich immer öfter dabei, dass ich auf der Straße schlanken Frauen hinterherschaue und auch von ihnen phantasiere. 

Ich kann mir im Moment keine andere Lösung vorstellen als dass sie abnimmt, und genau das schafft sie seit Jahren nicht und wird immer frustrierter und trauriger, wenn ich sie mal vorsichtig darauf anspreche.

Was können Sie uns raten?

Viele Grüße,

Stefan H.

Lieber Stefan H.,

Sie beschreiben, dass Ihre Frau sich durch die Schwangerschaft und die Gewichtszunahme sehr verändert hat. Es klingt durch, dass Sie die Frau, in die Sie sich mal verliebt haben, kaum wieder erkennen. Und das liegt einerseits an dem veränderten Aussehen und Kleidungsstil, andererseits aber an dem angeknacksten Selbstbewusstsein, also an etwas Innerlichem.

Und ich glaube, dass es für Ihre Beziehung wichtig wäre, wenn Sie jetzt gemeinsam nach den Ursachen für die Unzufriedenheit und nach Veränderungsmöglichkeiten schauen. Wissen Sie, bzw. weiß Ihre Frau, was sich innerlich für sie verändert hat, seit sie ein Kind hat?  Wie geht es ihr als Mutter? Was hat sich außer der Geburt des Kindes in ihrem Leben noch verändert? Gab es irgendwelche Verluste, ist z.B. ein naher Mensch gestorben oder hat sie Ihren Beruf aufgegeben? Es hört sich so an, als wenn Ihre Frau sich nicht nur in ihrem Körper, sondern auch in ihrem Leben nicht mehr so richtig wohl fühlt.

Sicher spielt es auch eine entscheidende Rolle, dass Ihre Frau spürt, dass Sie sie nicht mehr begehren und sich die alte Version Ihrer Frau vor der Schwangerschaft zurück wünschen. Das ist auch in Ordnung, nur ich denke, dass Ihre Frau sich unwohl und unter Druck gesetzt fühlt, wenn Sie zu deutlich verlangen, dass sie etwas verändert, was sie (noch) nicht verändern kann. Dadurch erzeugen Sie Widerstand, und das hilft weder Ihnen noch Ihrer Frau.

Ich habe nämlich den Eindruck, dass die Probleme tiefer liegen und Ihre Frau in ihrem Leben unzufrieden ist und deshalb nicht die Kraft aufbringt, sich wieder in eine Form zu bringen, in der sie selbst sich schöner findet.

In der Hypnotherapie gibt es zwei Übungen, die ich bei Übergewicht gerne einsetze. Die erste Übung kann man auch im Wachzustand einzusetzen. Sie dient dazu, den Ursachen für das übermäßige Essen auf den Grund zu gehen. Man stellt sich dabei vor, das Essen (insbesondere das süße und fettige) würde für sich Werbung machen.  Am besten setzt der Ratsuchende (in dem Fall Ihre Frau) sich auf einen Stuhl und nimmt die Rolle des problematischen Nahrungsmittels ein, z.B. einer Tüte Chips oder einer Packung Süßigkeiten. Und die Tüte Chips oder die Süßigkeiten erzählen dann, was sie alles Gutes bieten und wie sie helfen: Ich mach dich glücklich, ich tröste dich, ich lenke dich von deinen Sorgen ab. Durch diese Übung kommt man schneller darauf, was die Ursachen für das Naschen sind.

Die zweite Übung geht am besten in Trance. Vielleicht kann Ihre Frau ja eine Hypnotherapeutin speziell für diese Übung aufsuchen. Es geht darum, sich erst einmal vorstellen, wie man mit seinem Körper umgeht (z.B. zu viel essen, zu süß oder zu fettig essen, keinen Sport treiben). In einem zweiten Schritt stellt man sich den Körper als Kind vor und schaut dann, wie es dem Kind geht. Meistens werden durch diese Übung lebensgeschichtliche Ursachen deutlich, z.B. Vernachlässigung durch die Eltern (die Eltern gehen aus und lassen das Kind mit einer Tüte Süßigkeiten vor dem Fernseher zurück).

Wenn die Ursachen geklärt sind, kann man sich auch an die Lösung machen. Meistens klappt es sonst nämlich nicht.  Würden Sie Ihre Frau in dem Vorhaben, schlanker und fitter zu werden, unterstützen? Dabei geht es ja um zwei Faktoren: Essen und Bewegung. Wer kümmert sich in Ihrer Familie ums Essen, und wie gesund essen Sie beide? Kennt Ihre Frau sich mit gesunder Ernährung aus und ist sie bereit, sich mehr darum zu kümmern?

Als Einstieg in das Thema kann ich das Buch: "Der Ernährungskompass" von Bas Kast sehr empfehlen. Dort steht auf gut verständliche und unterhaltsame Art, wie eine optimale Ernährung aussieht und warum bestimmte Nahrungsmittel dem Körper schaden.

Und der zweite Punkt: Wie ist es mit Bewegung? Gehen Sie beide zusammen spazieren, fahren Sie Fahrrad oder gehen Sie zusammen zum Sport? Ich kann mir vorstellen, dass es für Ihre Frau einfacher wäre, wenn Sie gemeinsam einen gesünderen Lebensstil einführen.

Ich wünsche Ihnen, dass Sie gemeinsam einen positiven und vitalen Weg finden! 

Herzliche Grüße,

Julia Peirano


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