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J. Peirano: Der geheime Code der Liebe: "Alle sagen, ich soll mich nicht bei ihm melden - aber wie kann ich uns sonst retten?"

Andrea hat Yannis auf einem Workshop kennengelernt. Alles lief super, doch dann wurde er distanziert. Sie schrieb Julia Peirano. Jetzt wendet sie sich erneut an die Therapeutin, denn sie will die Beziehung retten. Teil 2 einer schwierigen Liebesgeschichte.

Anrufen oder besser nicht?

Willst gelten, mach dich selten - aber kann man so eine Beziehung retten?

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+++ Lesen Sie hier den ersten Teil von Andrea und Yannis +++

Liebe Frau Peirano,

Ich bin es noch einmal. Sie haben mir letzte Woche erklärt, warum Yannis sich von mir zurückgezogen hat und so abgekühlt ist. Das hat mir auch sehr geholfen, weil ich jetzt nicht mehr verärgert über ihn bin. Eigentlich tut es mir auch leid, dass ich mich so unsicher und drängend verhalten habe.
Mir liegt aber sehr viel an ihm, und ich möchte meinen Fehler sehr gerne reparieren. Gibt es eine Chance für uns beide? Wie soll ich mich verhalten? Wenn ich mich nicht mehr melde, wie es meine Freundinnen mir raten, habe ich Angst, alles völlig kaputt zu machen. Wie soll er das verstehen?

Herzliche Grüße,

Andrea G.


 Liebe Andrea G.,

eigentlich ist es schön, wenn man gerade am Anfang einer Beziehung frei und ungezwungen miteinander sprechen, schreiben und auf andere Arten Gefühle zeigen kann. Letzte Woche habe ich die Vermutung geäußert, dass Sie allerdings zu aktiv und zu angespannt waren und dadurch Yannis bedrängt haben, so dass er erst einmal wie gelähmt ist. Diese Erfahrung ist für ihn selbst natürlich unangenehm (auch wenn ihm das möglicherweise nicht so bewusst ist), und er wird erst einmal Abstand brauchen.

Es ist also wichtig, dass Sie ihm zeigen, dass Sie die Botschaft verstanden haben und sein Tempo nicht nur respektieren, sondern es selbst aufgreifen. Warum sollten Sie in einem Moment, wo es für Sie so schief läuft, auch um jeden Preis eine feste Beziehung mit Yannis wollen? Gehen Sie selbst doch lieber einen Schritt zurück in die unverbindliche, verspielte Anfangsphase, und schauen Sie von dort aus, ob es sich gut anfühlt, weiter zu gehen. Denn genau dieses Bauchgefühl ist Ihnen verloren gegangen: Sie haben zwar gemerkt, dass es an der einen oder anderen Stelle nicht rund lief, aber Sie haben sich nicht zurück gelehnt und Yannis machen lassen, sondern selbst Nähe gesucht. So ein Verhalten sollten Sie Ihrer Selbstachtung zuliebe in Zukunft möglichst nicht mehr zeigen. Sondern die Regel beherzigen: Wenn es nicht gut läuft und der andere nicht darüber reden möchte, lehne ich mich erst mal zurück.

Sie müssen jetzt zwei wichtige Dinge tun:

1. Sich voll und ganz auf Ihr eigenes Leben konzentrieren und aufhören, sich um Yannis zu drehen. Das wird in den ersten Tagen sicher schwer, weil Sie schon eine Abhängigkeit entwickelt haben. Aber je mehr Schönes Sie sich vornehmen und je öfter sie Ihr eigenes Wohlbefinden im Auge haben, desto besser wird es gelingen. Erinnern Sie sich bitte daran, dass Sie noch vor wenigen Monaten auch ohne Yannis ein ausgefülltes Leben hatten.
Treffen Sie sich wieder bewusst mit Freunden, nehmen Sie eigene Projekte in Angriff (ob Garten liebevoll bepflanzen, Kurzreisen unternehmen, im Beruf neue Herausforderungen annehmen),gehen Sie ins Kino oder Theater oder fordern Sie sich sportlich heraus. Alles, was Ihnen gut tut und Ihnen Kraft gibt, ist jetzt gefragt!

2. Greifen Sie den jetzigen unverbindlichen Modus auf, den Yannis vorgibt. Geben Sie ihm Raum. Wenn er sich meldet, können sie antworten, aber mit mindestens einem Tag Abstand. Fragen Sie ihn nicht, wie er sich fühlt, sondern signalisieren Sie ihm, dass Sie gerade ein sehr erfülltes Leben haben (ab und zu ein Bild auf Instagram oder Facebook kann diesen Eindruck untermauern). Legen Sie jeden Versuch ab, ihn zu beeindrucken oder ihm zu gefallen.
Nur so geben Sie ihm die Chance, Sehnsucht nach Ihnen zu empfinden und sich von selbst zu melden. Den wenn Sie ihm wichtig sind, wird er merken, dass Sie ihm entgleiten, und das wird ihm nicht gefallen. Wenn er sich dann um Sie bemüht,sollten Sie gelassen und spielerisch bleiben, herzlich und ohne Vorwürfe mit ihm umgehen. Und sprechen Sie auf keinen Fall mit ihm über die tiefer liegenden Gründe wie z.B. Ihre Enttäuschungen. Das würde Öl ins Feuer seiner Zweifel und Blockaden gießen!

Das gleiche gilt auch für Ihr nächstes Wiedersehen auf dem Workshop. Tanken Sie vorher Kraft, damit es Ihnen körperlich und seelisch richtig gut geht. Entwickelt Sie gegenüber Yannis eine Haltung, die sagt: "Wir haben eine gute Basis. Aber ich bin selbst noch nicht sicher, ob diese Beziehung das richtige für mich ist. Das möchte ich mir in Ruhe angucken."
Wenn Sie das bei Ihrem nächsten Treffen ausstrahlen und entspannt und locker mit ihm umgehen, können Sie die Weichen stellen, damit beide sich besser fühlen.

Nach einigen Wochen wird sich herauskristallisieren, ob Yannis ernsthaftes Interesse an Ihnen hat. Der Workshop wird dabei sicher eine große Rolle spielen. Wenn Yannis allerdings nicht zu Ihnen zurück kommt, waren seine Gefühle nicht beständig genug für eine tragfähige Beziehung. Dann ist es sicher besser, wenn Sie das zu einem so frühen Zeitpunkt herausgefunden haben.

Sie können sehr viel Souveränität und Stabilität gewinnen, wenn Sie sich jetzt wieder in Ihre eigene Achse begeben und sich mit viel Freude und Liebe um ihr eigenes Leben kümmern. Und in Zukunft wäre es wichtig, dass Sie beherzigen, sich eher etwas zurück zu lehnen und abzuwarten, wenn Ihr Bauchgefühl Ihnen signalisiert, dass Ihr Partner sich distanziert. Nur dann verlieren Sie nie Ihr Gleichgewicht.

Herzliche Grüße, Julia Peirano

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