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J. Peirano: Der geheime Code der Liebe: "Ich bin verliebt und wäre gerne mit ihm zusammen - aber er will keine Beziehung"

Lara ist verliebt in Jakob. Sie verbringen Zeit zusammen, er ist aufmerksam - aber dann sagte er plötzlich, dass er keine Beziehung wolle. Lara ist irritiert und traut sich nicht, ihn zu konfrontieren. Was kann sie in dieser Situation tun?

Unglücklich verliebt

Sie will eine Beziehung, er will sich nicht binden.

Liebe Frau Peirano,

ich (22) habe vor drei Monaten einen guten Mann kennen gelernt (Jakob). Wir treffen uns ungefähr zweimal die Woche, auch am Wochenende mal einen halben oder ganzen Tag. Es läuft eigentlich bisher alles sehr entspannt. Wir können gut miteinander reden, und wenn wir uns nicht sehen, meldet er sich fast jeden Tag bei mir. Er schreibt sehr süße und interessierte Nachrichten. Ich habe Gefühle für ihn und möchte mit ihm zusammen sein. Das merkwürdige ist, dass er bisher nichts gesagt hat, was in die Richtung geht. Also er hat keine Pläne gemacht, zusammen Urlaub zu machen (wir hätten beide in drei Monaten Ferien), nie gesagt, dass er in mich verliebt ist oder dass wir zusammen sind. Das macht mir schon irgendwie Kopfzerbrechen. Ich bin aber ziemlich sicher, dass er keine andere Freundin hat. Neulich hat er mir beiläufig beim Abschied gesagt, dass er im Moment nichts Festes (oder nichts Ernstes) möchte. Ich war in dem Moment wie vor den Kopf gestoßen, musste aber leider los.


Seitdem lässt mich die Frage nicht los, warum er das gesagt hat. Ich hatte nämlich das Gefühl, dass wir schon zusammen sind oder auf dem besten Weg dahin.
Ich traue mir jetzt nicht, ihn zu fragen, was er meint, weil ich nichts kaputt machen will und ihm auch nicht zeigen will, dass ich eigentlich eine Beziehung will. Er könnte es dann beenden. Ich weiß, das klingt jetzt etwas dumm, aber ich bin etwas unsicher.
Was kann ich machen?
Viele Grüße,

Lara B.

Liebe Lara B.,

es ist in der Tat sehr widersprüchlich, was Jakob Ihnen signalisiert. Man spricht ja nicht nur mit Worten, sondern auch mit Verhaltensweisen, Gestik und Mimik. Er geht mit Ihnen ins Bett, meldet sich fast jeden Tag und zeigt deutliches Interesse an ihn - das klingt schon nach einer Beziehung, wenn Sie beide bisher auch nicht offen darüber gesprochen haben, wie die "Spielregeln" sind. Und da er bei seinem Verhalten nicht von Anfang an deutlich gesagt hat, dass er keine feste Beziehung will, ist es verständlich, dass Sie jetzt verwirrt sind.


Eines ist klar: Jakob fühlt sich zu Ihnen hingezogen. Und auf der anderen Seite hat er Angst, sich vollständig auf Sie einzulassen. Deshalb lässt er sich auch ein Hintertürchen auf und sagt, er wolle "nichts Ernstes". Fast alle Menschen haben Beziehungsängste, sie kommen nur in sehr unterschiedlichen Formen daher. Die Ängste haben oft mit den Erfahrungen zu tun, die jemand in der Kindheit mit nahen Bezugspersonen gemacht hat. Jemand, der von einem Elternteil verlassen wurde, kann als Erwachsener Angst haben, vom Partner verlassen zu werden und neigt zum Klammern. Ein anderer, der von ängstlichen Eltern eingeengt wurde, befürchtet vielleicht, von einem Partner in seiner Freiheit eingeschränkt zu werden. Wenn die Eltern sich ständig gestritten haben, kann das dazu führen, dass man sich selbst auf ungünstige Weise streitet und deshalb in vergangenen Beziehungen heftige Streitereien erlebt hat. Möglicherweise hat jemand sich auch schon mal von Problemen anderer Menschen belastet oder erdrückt gefühlt und möchte das nicht wieder erleben.

Natürlich liegt die Ursache für Beziehungsängste nicht nur in der Kindheit, sondern auch in vergangenen Beziehungen. War die Ex-Freundin extrem eifersüchtig, möchte man nie wieder kontrolliert und zu Unrecht beschuldigt werden. Hat er Ex-Mann einen mit Sorgen und Aufgaben alleine gelassen, befürchtet man, dass auch der neue Partner nicht verlässlich ist.

Auch Jakob hat sein Päckchen an Beziehungsängsten, sonst würde er sich jetzt voll und ganz in diese schöne Erfahrung mit Ihnen begeben. Die Frage ist nur: Was für Ängste hat er? Und haben diese Ängste mit Ihnen zu tun? Sie könnten ja auch eine Projektion sein.


Es wäre z.B. möglich, dass er große Angst hat, eingeengt zu werden. Wenn Sie eine Frau sind, die ganz gerne alleine etwas unternimmt oder ihre Freundinnen trifft, dann begrüßen Sie es sicher, wenn jeder von Ihnen persönlichen Freiraum hat. Seine Angst wäre also unberechtigt.

Bevor wir weiter spekulieren, was mit Jakob sein könnte, wäre es ganz wichtig, dass Sie mit Jakob sprechen und ihn fragen, was er mit der Bemerkung, er möchte „nichts Ernstes bzw. nichts Festes“ gemeint hat. Fragen Sie ihn nach möglichst konkreten Beispielen dafür, was er möchte bzw. nicht möchte. Angenommen, er sagt, er möchte nicht vereinnahmt werden. Was heißt das genau? Dürfen Sie ihn nicht jeden Tag anrufen? Oder möchte er nicht automatisch jedes Wochenende mit Ihnen verbringen, sondern möchte selbst entscheiden, wann und wie lange er sie treffen möchte? Oder möchte er Sie nur sporadisch treffen, wenn er gerade Zeit hat?


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Möglicherweise bedeutet die Aussage: "nichts Festes" für ihn auch, dass er sich sexuelle Erfahrungen mit anderen Frauen vorstellen kann. Es wäre wichtig, ihn auch danach zu fragen.

Sie können sich ja nur entscheiden, was Sie wollen, wenn die Spielregeln offen auf dem Tisch liegen. Jetzt ist ein Teil – nämlich Jakobs Zweifel und Ängste – noch vor Ihnen verborgen. Und die müssen Sie kennen, sonst sind sie wie eine unentschärfte Bombe, die irgendwann losgeht.


Ihre Situation ist vergleichbar mit der einer Frau, die in einer Firma erst mal engagiert arbeitet, weil die Aufgabe sie interessiert. Nach einiger Zeit fällt ihr auf, dass über ihr Gehalt, die Arbeitszeiten und die Aufgabenbereiche noch nicht gesprochen wurde. Sie muss jetzt also erst einmal klären, ob die Rahmenbedingungen ihr gefallen. Ansonsten hat sie ein ernsthaftes Problem und muss entweder enttäuscht gehen, um bessere Bedingungen kämpfen oder zähneknirschend akzeptieren, was ihr geboten wurde.

Ich hoffe, dass Sie mit Jakob ein gutes, klärendes Gespräch führen können. Und vielleicht können Sie ja nächstes Mal sicherheitshalber früher die Spielregeln besprechen, bevor Sie sich verletzlich machen.

Herzliche Grüße, Julia Peirano

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