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Polyamorie: Verheiratet, verlobt und zwei Partner: Diese Frau ist mit vier Männern zusammen

Mehrere Partner gleichzeitig zu haben, das klingt für viele unvorstellbar. Für Mary Crumpton aus England ist genau das ihr Lebensentwurf: Sie ist verheiratet, verlobt – und führt außerdem Beziehungen mit zwei weiteren Männern.

Von Linda Göttner

Mary Crumpton in der Mitte, neben ihr zwei ihrer Partner

Mary Crumpton, hier mit zweien ihrer Partner, führt Beziehungen mit vier Männern gleichzeitig

Nur mit einem Mann für den Rest ihres Lebens zusammenleben? Das käme für Mary Crumpton nicht in Frage. Zwar ist die Lehrerin und Therapeutin aus Chorlton, in der Nähe von Manchester, verheiratet mit dem 43-jährigen Tim, sie ist aber auch verliebt in John, Michael und James. Das sind nicht etwa ihre außerehelichen Affären – mit dem 53-jährigen John ist sie verlobt, mit dem 63-jährigen Michael und dem 73-jährigen James führt sie gleichwertige Beziehungen.

Mary lebt polyamourös, was bedeutet, dass sie nicht nur mehrere sexuelle Partner hat, sondern mehrere romantische Beziehungen gleichzeitig führt. Während für manche Menschen schon eine einzige Beziehung zu einer Herausforderung wird, kann sich Mary keinen monogamen Lebensstil mehr vorstellen. Dabei wuchs sie in einem traditionellen Elternhaus auf, hatte früher nie mehr als einen Partner und heiratete in ihren Zwanzigern zunächst ganz klassisch. 

Die Polyamorie machte Mary neugierig

Ihr Interesse an der Polyamorie wurde zufällig durch eine Begegnung in einem Pub geweckt. Dort traf sie eine Person, die mehr als einen Partner liebte. Das machte Mary neugierig. Sie wollte mehr darüber erfahren, wie solch ein Beziehungskonstrukt funktionieren kann. Auch ihr damaliger Ehemann, der ebenfalls dabei war, wurde neugierig. Zunächst änderte sich jedoch nichts, ihre Beziehung überdachten die beiden erst ein paar Jahre später.

2003 schlug Mary ihrem Ehemann vor, eine offene Beziehung zu führen. Es habe sie gereizt, sich selbst zu erlauben, mehr als einen Mann zu lieben, erzählte sie LADbible. Eine offene Beziehung bedeutete für die beiden dabei mehr als Sex mit anderen zu haben. Auch für ihren Mann war dieses Experiment mehr als nur ein sexuelles. Mary betont: "Für mich dreht sich alles um Liebe. Natürlich waren einige meiner Beziehungen sexuell. Aber Sex ist nicht die treibende Kraft für mich." Von ihrem Ehemann, mit dem sie die erste polyamouröse Erfahrung machte, trennte sie sich später. Beide leben seither aber nicht mehr monogam.

Für Mary entwickelte sich die Polyamorie zu einem für sie guten Lebensentwurf. Einen der , den sie zu Anfang ihrer polyamourösen Zeit traf, heiratete sie 2013 nach neunjähriger Partnerschaft. Auch John, mit dem sie seit 2011 zusammen ist, würde sie gerne ehelichen. Mehrfach verheiratet zu sein ist in Großbritannien jedoch nicht legal, weshalb die beiden auf eine kirchliche, unitarische Trauung ausweichen wollen.

Nicht mehr Streit als in normalen Beziehungen

Man könnte meinen, vier Partner würden das Konfliktpotenzial und die Spannungen in einer Beziehung vervierfachen. Für Mary sind diese Faktoren aber nicht größer als in einer normalen Partnerschaft. "Wie in jeder Beziehung können Unsicherheiten entstehen", sagt sie. Jedoch seien die fünf in ihrem Beziehungskonstrukt weniger eifersüchtig, weil alle offen damit umgehen, dass noch andere Partner im Spiel sind. Niemand würde lügen oder den anderen betrügen, wenn sowieso weitere Partner erlaubt sind. Manchmal kämen trotzdem Zweifel auf, ob ein neuer Mann vielleicht besser sein könnte als ein anderer. "Doch gute Kommunikation und Zusicherungen ermöglichen es, damit umzugehen", so Mary.

Solch eine Beziehungsform mag nicht immer auf Verständnis treffen. Marys Familie und die ihrer Partner hatten jedoch wenig Vorurteile. Ihnen ging es vor allem darum, sicherzustellen, dass alle mit dem polyamourösen Leben glücklich sind und niemand verletzt würde. Einige Menschen fragen Mary, ob sie einen Mann weniger lieben würde. Das erklärt sie mit einem Vergleich: "Vielleicht ist es ein bisschen so, wie wir unsere Kinder lieben – wenn ein Elternteil ein zweites Kind hat, bedeutet das nicht, dass es das erste Kind weniger liebt."

Es geht um wahre Liebe

Genauso empfindet Mary auch die romantische Liebe als unbegrenzt. Sie würde sich auf ganz natürlich Weise in andere Männer verlieben. Es geht dabei nicht nur darum, einen anderen Mann attraktiv zu finde, flüchtig verknallt zu sein, oder gar eine Affäre zu beginnen, sondern um wahre Liebe. 

Einen Haken an der Geschichte gibt es aber doch. "Das einzig Negative für mich ist, dass ich mich mit Menschen auseinandersetzen muss, die schlecht darüber urteilen. Aber zum Glück bin ich sehr dickhäutig. Und ich hoffe, dass meine Offenheit gegenüber Freunden und Lesern dabei hilft, die Polyamorie besser zu verstehen."


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