HOME

Stern Logo Stern-Stimmen

Love from Hell: Schluss mit PMS-Shaming! Warum die miese Laune vor den Tagen in Wahrheit eine Superkraft ist

Mag sein, dass wir in der Zeit vor unseren Tagen manchmal nervliche und körperliche Wracks sind. Tatsache ist aber, dass diese Überempfindlichkeit in Wahrheit eine Art weibliche Superkraft ist, die uns dabei helfen kann, ein glücklicherer Mensch zu werden.

PMS sorgt in vielen Beziehungen für Streit. Dabei sollten sich die Frauen dafür nicht schämen (Symbolbild)

PMS sorgt in vielen Beziehungen für Streit. Dabei sollten sich die Frauen dafür nicht schämen (Symbolbild)

Getty Images

Natürlich nervt es, wenn wir in den Tagen vor unseren Tagen unter Bauchschmerzen, Kopfweh, Heißhungerattacken oder Pickeln leiden und merken, dass Leistungsfähigkeit und Lebensfreude nachlassen. Trotzdem sollten wir aufhören, die PMS-Phase zu verteufeln, weil wir jetzt so sensibel und feinfühlig sind wie zu keinem anderen Zeitpunkt in unserem Zyklus. Mehr noch: Unsere emotionale Intelligenz ist auf ihrem Höhepunkt und lässt uns somit außergewöhnlich kluge Entscheidungen zu treffen.

Fakt ist nämlich, dass jene Dinge, vermeintliche Kleinigkeiten, über die wir uns jetzt verstärkt aufregen, oft tatsächlich reale Gründe sind, um unzufrieden oder traurig zu sein. Bloß können wir sie sonst besser verdrängen. Etwa, wenn der Partner unaufmerksam oder abweisend ist, wenn wir uns über Unordnung oder Lärm aufregen oder keine Lust haben, uns mit einer bestimmten Person zu treffen. In der PMS-Phase sind wir schlichtweg nicht mehr kompromissbereit und mehr bei uns denn je. Der Grund dafür ist ein bestimmtes Hormon, welches die New Yorker Psychotherapeutin und Buchautorin Julie Holland ("Moody Bitches") sehr treffend als das "Wie du willst, Liebling"-Hormon bezeichnet – weil es uns anpassungsfähig macht, besser drauf sein lässt und durch das wir versuchen, andere zufrieden zu stellen. Sobald jedoch der Östrogen-Spiegel sinkt, ist es, als würde uns jemand die rosarote "Ist mir doch egal"-Brille von der Nase nehmen. Wir sehen die Dinge plötzlich klarer und rasten – mitunter völlig zurecht – gerne mal aus:

"Welchen Sinn hat es eigentlich, dass ich täglich acht Stunden im Büro auf meinem Hintern hocke? Ich muss das Klima retten, etwas Sinnvolles mit meiner Zeit anfangen – und zwar sofort! Hilfe, ich bin mit einem egozentrischen Arsch zusammen. Heute setze ich ihm ein Ultimatum! Meine Kollegin kann mich mal. Nazis raus! Wer wagt es JETZT an der Tür zu klingeln? Nein, ich werde NICHT schon wieder die zehn Zalando-Pakete meiner bescheuerten Nachbarin annehmen. Nie wieder! Schokolade. Viel. Sofort."

Diese vermeintlich völlig irrationale Unzufriedenheit, die sich bei uns einstellt, ist keinen blanke Hysterie, meine Damen – sondern ein Hinweis darauf, dass etwas nicht stimmt und wir mal prüfen sollten, welche Veränderung in unserem Leben uns glücklich machen würde.

Oft verspüre ich in meiner PMS-Zeit das große Bedürfnis zu verreisen, auszuwandern, abzuhauen. Raus aus dem Alltag. Wohl ein Zeichen dafür, dass ich mir mal wieder eine kreative Auszeit oder Ruhepause gönnen sollte. Schon häufig habe ich in exakt dieser Phase spontan Reisen gebucht oder Urlaubsanträge rausgehauen. Und es nie bereut.

"Lessing beschrieb (…) bereits Anfang der 60er-Jahre die Ambivalenz der Frauen während der Menstruation. Sie merken, dass sie plötzlich irrational werden, aber gleichzeitig ihrer Intuition mehr vertrauen", schreibt die Journalistin Heike Kleen in ihrem Ratgeber "Das Tage- Buch". Darüber hinaus lässt die Journalistin auch eine sehr interessante Theorie des Evolutionsforschers Michael Gillings von der Macquarie University Australien nicht unerwähnt, nach welcher Frauen in der PMS-Phase deshalb so zickig werden, um Männer zu vergraulen, die es nicht geschafft haben, sie zu schwängern – damit die Bahn frei ist für neues, fruchtbareres Material. Ich finde, das macht durchaus Sinn. Die Männer sollten unsere Launen also ruhig mal etwas persönlicher nehmen.

Im Klartext: Die PMS-Phase ist ein ziemlich abgefahrener Trip in unser innerstes Selbst. Wir sollten sie als eine Quelle der Kraft und Inspiration betrachten, in der wir uns viel Ruhe gönnen und tief in uns hineinhorchen sollten.

Themen in diesem Artikel

Wissenscommunity