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Love From Hell: Männermagnet "Asi-Look": Die magische Wirkung der Jogginghose

Gänzlich werden wir wohl nie ergründen, weshalb sich manche Menschen wie Magneten anziehen oder abstoßen, denn mitunter fährt das andere Geschlecht auf ziemlich merkwürdige Dinge ab. Zum Beispiel Jogginghosen.

Schlabberlook kann auch sexy sein

Schlabberlook kann auch sexy sein

Getty Images

Am Tag der Deutschen Einheit wurde beim Sektfrühstück in meinem größtenteils stark verkaterten Freundeskreis hitzig über sexual attraction diskutiert. Die meisten von uns hatten durchzechte Nächte hinter sich, in denen sich auch die ein oder andere Kontaktaufnahme mit dem anderen Geschlecht ergeben hatte. 

Mit Lachsbrötchen im Mund prahlte meine Freundin Susi, 39, damit, dass sie am Abend zuvor beim Kneipen-Hopping auf der Reeperbahn, angeblich so oft wie noch nie zuvor in ihrem Leben von heißen Typen angebaggert worden wäre. Interessant fand ich ihre Erklärung dazu. "Es war die Jogginghose. Das schwöre ich euch. Die hat die Männer ganz wuschig gemacht!" Es war nämlich so gewesen, dass Susi gar nicht hatte ausgehen wollen und schon mit Wärmflasche auf dem Sofa gelegen hatte, als ein paar Freunde mit reichlich Bier im Gepäck bei ihr klingelten. "Als wir entschieden hatten, doch noch loszuziehen, war ich schon zu besoffen, um mich noch groß zu stylen."

Schlabberlook macht sexy

Großes Gelächter am Tisch, der nächste Sektkorken knallte. Anstoßen auf Susis "Asi-Look". "Jetzt mal im Ernst, Leute", japste Susi. "Immer, wenn ich mich auftakele, traut sich keiner an mich ran. Ist doch logisch, die Männer denken dann – bei der Granate hab ich eh keine Chance!" Herrlich, an Selbstbewusstsein hatte es Susi echt noch nie gemangelt. Ich merkte amüsiert an, dass fremde Männer doch tatsächlich keine Chance bei ihr hätten, denn immerhin sei sie doch mit Karsten liiert. Der saß übrigens auch am Tisch. Kopfschüttelnd.

Susi winkte eilig ab. "Ich will ja auch gar keinen abschleppen. Mich interessiert das Thema vielmehr aus soziologischer Sicht." Sie räusperte sich. "Ich mein doch bloß: Wenn ich so wie gestern in alten Turnschuhen und Jogginghose vor die Tür gehe, sehen die Männer gleich: Das ist nicht so ne Tussi. Und das finden die geil."

Der gesamte Freundeskreis nickte amüsiert. Es war schließlich bekannt, dass nicht alle Herren auf tonnenweise Schminke und Stöckelschuhe abfuhren. Außerdem kannte ich die Magie des Schlabberlooks selbst. WENN mich mal jemand in "freier Wildbahn" ansprach, dann meistens in Momenten, in denen ich absolut nicht darauf vorbereitet war. Zum Beispiel ungeschminkt in Gummistiefeln beim Tiefkühlpizza-Kauf an der Aral-Tanke. Nahbar, natürlich, nett - offenbar nice to have.

Susi informierte uns noch darüber, dass sie ausgerechnet in der Absturz-Alki-Kaschemme (und einstigen Stammkneipe von Serienmörder Fritz Honka), dem Goldenen Handschuh, besonders positive Resonanz erhalten hatte. "Ich kam mir vor wie Jennifer Lopez. Ich wurde angesprochen, eingeladen und es hagelte Komplimente", freute sie sich und biss beherzt in ihre Brötchenhälfte. "Einer hat sogar explizit meine Jogginghose gelobt. Dadurch würde ich so eine Laissez-faire-Haltung versprühen, hat er gesagt, das fände er sexy."

Stolz lehnte sie sich auf ihrem Stuhl zurück und lächelte selbstzufrieden. Karsten massierte sich die Schläfen und goss sich nochmal Sekt nach. Mein Kumpel Michi prustete los. "Goldener Handschuh? Jennifer Lopez? Alter, Susi, das ist doch kein Wunder, dass du in dem Schuppen zwischen all den Säberalmas herausstichst. Alles andere wäre ja wohl auch eine BELEIDIGUNG. Allerdings wette ich, dass du selbst auch voll warst wie zehn Matrosen."

Susi zeigte ihm den Mittelfinger und stocherte beleidigt in ihrem Rührei. "Ach, du hast doch keine Ahnung. Das waren alles richtig schöne Männer." Wieder wurde gekichert.

"Ich dachte, wer Jogginghosen trägt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren", warf ich noch ein. "Sagt zumindest Karl Lagerfeld."

"Der ist tot", kläffte Susi. "Jetzt gelten neue Gesetze."

Mein Freund, der sich gerade seinen fünften Kaffee eingegossen und noch nicht viel gesagt hatte, nickte plötzlich. "Sie hat Recht", sagte er leise und musterte mich. "Ich mag dich in Jogginghosen auch am liebsten. Du bist immer soviel unterwegs. Wenn du Jogginghosen trägst, weiß ich, dass wir es uns zu Hause gemütlich machen können. Das mag ich." Daraufhin erhoben wir alle erneut unsere Gläser. Cheers – to the "Asi-Look".

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