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Love From Hell: Pimp my Pussy: Der neue Intim-Chirurgie-Boom

Wenn der Kapitalismus und unsere neue Eitelkeit, befeuert durch die sozialen Medien, aufeinander prallen, entstehen haufenweise neue Gaga-Trends. Auch unterhalb der Gürtellinie.

Von Henriette Hell

Unterkörper einer Frau in Unterwäsche

Was passiert, wenn der Kapitalismus und unsere neue, völlig überzogene (Insta-)Eitelkeit aufeinanderprallen, erkennt man besonders gut an unserer Sucht nach Bildbearbeitungs-Apps: Zuerst pimpen wir uns mithilfe von Verschönerungs- und Bildbearbeitungs-Apps wie FaceTune (eine der meistverkauften Apps aller Zeiten) auf Kardashian-Niveau und im nächsten Schritt wollen wir auch im wahren Leben so aussehen wie auf unseren Selfies. Schönheitschirurgen berichten, dass immer mehr junge Leute mit dem Wunsch zu ihnen kommen, sich optisch ihrem gemorphten Profilbildern anzunähern, weil sie sich schon gar nicht mehr "pur" unter Leute trauen ...

Das betrifft neuerdings auch unser "Allerheiligstes". Durch oberflächliche, irreführende mediale Einflüsse wächst die Unsicherheit vieler Frauen darüber, was „normal“ und „schön“ ist. In ihren Köpfen hat sich durch die Medialisierung von Sexualität das Idealbild einer straffen, haarlosen Vulva festgesetzt. Sie wissen gar nicht, wie unterschiedlich Vulven aussehen können und das auch "untenrum" Diversität wunderschön sein kann. Klitorismantelstraffungen oder Vulvalippenverkleinerungen (beides ab ca. 2.400 Euro) gehören für Schönheits-Chirurgen mittlerweile zum Alltagsgeschäft und auch Anal-Bleechings zu den Standart-Beauty-Treatments. Dinge, von denen unsere Eltern-Generation wohl nicht einmal zu träumen gewagt hätte ... Harmlos, aber mindestens genauso gaga: sogenannte "Vaginal Spas".

Vagina-Schönheits-Trend kommt aus den USA

Der Trend kommt aus den USA, ist mittlerweile auch bei uns angekommen. Dort kann frau sich für viel Geld untenrum, ähm, verwöhnen lassen. Zum Beispiel mit einem "Vaginal Steaming". Heißer Dampf soll unter anderem die Durchblutung ankurbeln und so für bessere Orgasmen sorgen. Gwyneth Paltrow schwört drauf. Aber die verkauft auf ihrem Lifestyle-Portal auch Jade-Eier für 60 Dollar, die frau sich vaginal einführen soll, um ihre sexuellen Energien auf, äh, Kurs zu bringen. Kurzum: Schnickschnack. Aber solange es das Wohlbefinden ankurbelt - bitte.

Apropos Body Positivity. Habt ihr mitbekommen, dass die große "Victoria's Secret" Fashion Show für dieses Jahr abgeblasen wurde? Richtig so! Viel zu lange durfte das Dessouslabel ungestraft Magermodels als "Engel" inszenieren und damit zum weiblichen Idealbild erklären. Mittlerweile aber sinken die Umsätze kontinuierlich, die Aktie ist im Keller.

Klar, Sexiness wird heute anders definiert. Das haben wir starken, authentischen Aktivistinnen zu verdanken, die sich für einen liebevollen, authentischen Umgang mit dem weiblichen Körper einsetzen oder Blogger wie Toyah Diebel, die Klischee-Instagrammer wie Kylie Jenner oder Heidi Klum mit schrägen Parodien ad absurdum führen.

Sogar die Wahl zur "Miss Germany" soll in diesem Jahr weg von der reinen Fleischbeschau, hin zum Persönlichkeitswettbewerb. Immer mehr Unternehmen engagieren zunehmend diverse, "unperfekte" Testimonials. Das ist eigentlich gut, trotzdem habe ich auch manchmal das Gefühl, dass einige Kampagnen nicht aus Überzeugung sondern purer Berechnung entstanden sind. Body Positivity ist gerade der heiße Scheiß. Und damit ein Muss, wenn man Geld verdienen will. Oder sein Image aufpolieren will.

Aber eigentlich egal, solange es dem guten Zweck dient und junge Menschen davor bewahrt, den falschen, gesundheitsgefährdenden Idealen hinterherzuhecheln.

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