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Nach Machtübernahme Afghanische Schuljungen streiken – weil die Taliban den Mädchen die Rückkehr zur Schule verbieten wollen

Afghanische Schuljungen in ihrem Klassenraum
Afghanische Schuljungen in ihrem Klassenraum
© Sanaullah Seiam / Picture Alliance
In Afghanistan öffnen die Schulen wieder – nachdem die Taliban die Macht übernommen und das Land quasi auf den Kopf gestellt haben. Die neuen Herrscher wollen allerdings nur Jungen wieder in den Klassenräumen sehen.

Nach fast einem Monat, in dem der massive Umbruch nach der Machtübernahme der Taliban in Afghanistan für Chaos und Angst in den Straßen sorgte, öffnen dort nun wieder die Schulen. Doch die Welt ist in diesen Wochen eine andere geworden – die Taliban forderten zwar die Jungen des Landes auf, wieder an die Schulen zurückzukehren, Mädchen wollen die streng religiösen neuen Herrscher aber höchstens noch in der Grundschule sehen.

Womit die Taliban aber sicher nicht gerechnet hätten: Das lassen sich die Kinder und Jugendlichen nicht einfach gefallen. Fast zwanzig Jahre lang war der Schulbesuch nun in Afghanistan für Mädchen erlaubt, es gab vielerorts gemischte Klassen, für die Schüler:innen ist das gemeinsame Lernen normal geworden. Die Jungen können und wollen nicht verstehen, dass ihre Klassenkameradinnen in der Schule plötzlich nicht mehr erwünscht sind. Deshalb weigern sich viele von ihnen, einfach wieder die Schule zu besuchen, als wäre nichts passiert – ein Schulstreik für die Rückkehr der Mädchen.

Die Jugendlichen wehren sich gegen das Verbot

Im amerikanischen "Wall Street Journal" berichtet ein Junge namens Rohullah: "Ich bin heute nicht zur Schule gegangen, um meinen Protest gegen die Taliban zu zeigen. Sie verbieten Mädchen, zum Unterricht zu kommen. Frauen machen die Hälfte unserer Gesellschaft aus. Das zeigt, dass die Taliban sich nicht geändert haben. Ich gehe nicht eher wieder hin, bis auch die Mädchen wieder zur Schule dürfen." Auch in den sozialen Medien drücken viele Jugendliche ihren Missfallen aus, posten Fotos, Videos und Nachrichten mit dem Hashtag #wedontgotoschoolwithoutoursisters ("Ohne unsere Schwestern gehen wir nicht in die Schule").

Die Taliban hatten sich nach dem Rückzug der amerikanischen und europäischen Streitkräfte anfangs noch liberal gezeigt und versprochen, weniger konservativ regieren zu wollen als in der Zeit vor 2001. Doch diese Versprechen scheinen nach und nach allesamt zu platzen. Nicht nur dürfen Mädchen nicht wieder in die Schule, auch erwachsene Frauen dürfen aktuell nicht arbeiten. Die Taliban versichern, sie würden beides derzeit lediglich aus Sicherheitsgründen nicht erlauben, Experten sehen darin jedoch nur eine Taktik, die Frauen, Mädchen und Kritiker solange hinzuhalten, bis das Thema im Westen nicht mehr auf so großes Interesse stößt. Dass Mädchen wieder wie gewohnt die weiterführenden Schulen besuchen dürfen, daran glaubt aktuell kaum jemand.

Quellen: "Upworthy""Wall Street Journal",  Twitter

wt

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