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Aktion für syrische Kinder: Frierender Junge bewegt Passanten in Oslo

Zitternd und bibbernd sitzt ein Junge mitten im Winter ohne Jacke an einer Osloer Bushaltestelle. Norwegens SOS-Kinderdörfer wollen wissen, ob jemand hilft - und fangen bewegende Momente ein.

Von Ulrike Drevenstedt

Ein 11-jähriger Junge sitzt allein an einer Bushaltestelle. Ohne Jacke, mitten im Winter und friert. Neben ihm: wartende Menschen, dick eingemummelt mit Jacke, Schal und Mütze. Eine Kampagne von Norwegens SOS-Kinderdörfern zeigt, wie Passanten in Oslo auf den frierenden Jungen reagieren. Dabei entstehen rührende Bilder.

In dem Experiment mit versteckter Kamera ist zu sehen, dass viele Passanten den Jungen ansprechen. Die Meisten bieten dem 11-Jährigen Schal, Handschuhe oder sogar Jacke an, um hinterher selbst im T-Shirt an der Bushaltestelle zu sitzen. Große Hilfsbereitschaft! Ähnlich wie Johannes im kalten Oslo, leiden den SOS-Kinderdörfern Norwegen zufolge tausende vertriebene Kinder im Krisengebiet in Syrien Kälte – nur, dass ihnen keiner hilft. Mit der ungewöhnlichen Aktion wollen die Kinderdörfer auf die Not syrischer Kinder aufmerksam machen.

Johannes wird zum viralen Hit

An zwei aufeinanderfolgenden Tagen setzte sich der 11-jährige Johannes, der freiwillig an dem Projekt teilgenommen hatte und sich dabei laut SOS-Kinderdörfer nicht in Gefahr befunden hatte, immer wieder für die Videoaufnahmen an die Bushaltestelle. Er war überrascht, wie viele ihm halfen. Der Zeitung "Die Abendpost" sagte er, dass nur drei von den Dutzenden an der Bushaltestelle ihm nicht geholfen hätte. Dort seien so viele nette Menschen gewesen.

"Die Leute sollten sich genauso sehr um syrische Kinder kümmern wie um diesen Jungen", sagt die Kommunikationschefin der SOS-Kinderdörfer Norwegen, Synne Rønning, im Interview mit den Online-Nachrichtenmagazin "The Local". Mehr Bewusstsein für die Not der syrischen Kinder ist jedenfalls erst einmal geschaffen: Das Video des frierenden Kindes ist innerhalb eines Tages zum viralen Internethit geworden: mehr als 1,5 Millionen User haben sich die Szenen bereits angeschaut.

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