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C. Tauzher: Die Pubertäterin Hilfe! Die Teenagerin will ihren Geburtstag feiern! Bei uns zu Hause!

Feiernde Jugendliche
"Essen? Wir brauchen nichts zum Essen, wir haben doch was zum Trinken!"
© Georgijevic / Getty Images
Die Teenagerin wird 16 Jahre alt. Erst will sie nicht zu Hause feiern, dann doch – und zwar schon in wenigen Tagen. Christiane Tauzher erinnert sich an ihre eigene Jugend und an wüste Geschichten von anderen Jugendpartys. Sie fragt sich: Wie cool will sie als Mutter sein?

Als ich die Teenagerin Mitte August fragte, ob sie an ihrem 16. Geburtstag ein kleines Fest machen wolle, wollte sie nicht. "Ich gehe lieber aus und zahle eine Runde", sagte sie und klang dabei sehr erhaben. Dass ich unfroh über diese Entscheidung war, konnte ich nicht behaupten. Die Erzählungen der Wombi von anderen Partys, auf denen die Einrichtung kaputt ging, chinesische Vasen mit Kloschüssel verwechselt wurden und prächtige Hortensienbeete unter ätzenden Magensaft-Fontänen verendeten, waren mir bestens im Gedächtnis geblieben.

"Gut", bekräftigte ich "also keine Party." Die Wombi nickte und das Thema schien vom Tisch.

Wochen später, an einem Dienstag, drei Tage vor ihrem Geburtstag, dann die Wende: "Ich habe es mir anders überlegt", verkündete die Wombi, "für Freitag habe ich ein paar Leute eingeladen." Sie stand Kaugummi kauend vor mir, und ich starrte eine Sekunde zu lange auf die Zwiebel in meiner Hand. Mehrere Fragen poppten gleichzeitig auf. Dazu weinte ich ein bisschen. "So schlimm wird es nicht", beruhigte mich die Wombi, "ich verspreche dir ..." Jetzt erst bemerkte sie die Zwiebel. "Ach so", meinte sie lapidar, "du schneidest Zwiebel. Und ich dachte schon ..." Sie lachte. Mir liefen die Tränen weiter aus den Augen und daran war nicht allein die Zwiebel schuld.

"Wieso jetzt plötzlich doch?", fragte ich.

Achselzucken. "So!"

"Aha", sagte ich, "und wie hast du dir das vorgestellt?"

"Na, Party eben – so alt bist du jetzt auch noch nicht, dass du dich nicht mehr erinnern kannst, wie Party geht."

"Ähem", krächzte ich. 

"Es kommen ein paar Freunde von mir, wir trinken bisschen was, hören Musik, vielleicht tanzen wir und dann gehen alle wieder nachhause."

"Und wo sind wir in der Zeit?", fragte ich.

"Weg! Nicht da!"

"Ihr wollt das Haus für euch alleine haben?"

"Genau das!"

Ich setzte mich weit weg von der Zwiebel auf einen Küchenstuhl. "Ich glaube", sagte ich, "das ist mir nicht recht."

Die Wombi schnaubte ausgiebig wie ein Pferd, das als einziges nicht auf die Koppel gelassen wurde und dazu verdammt war, im muffigen Stall stehen zu bleiben.

"Schau", sagte ich, "hätte ich es früher gewusst, dass du eine Party machen möchtest, hätte ich mich um ein geeignetes Lokal umgeschaut. Aber jetzt, in drei Tagen, ist das etwas schwierig."

Sei doch mal cool!

Kopfschütteln bei der Wombi. "Bitte kannst einmal, ein einziges Mal, cool sein? Niemand geht in ein Lokal. Das ist total unpersönlich."

Mein Blick schweifte durch die Küche, über den kleinen Schaukelstuhl meines Sohnes, die Stehlampe, den Obstkorb aus Italien, die Tonschale, die die Wombi in der Volkschule getöpfert hatte und in der wir unser Kleingeld aufbewahren. Würde all das nach der Party noch heil sein? Wollte ich fremde Wombis in meinem Haus haben? Nein! 

"Ich finde, das ist keine gute Idee", sagte ich mit kräftiger Stimme.

"Das ist so typisch", sagte die Wombi und stampfte wütend aus der Küche.

Abends kochte sie den Olaf ein. Sie werde nur einmal 16, sie würden das Haus nur zum aufs-Klo-Gehen betreten, sie würden nicht sehr laut sein, niemand würde sich betrinken oder gar übergeben. Kurzum: Der Olaf ließ sich auf ihre Seite ziehen.

Ich stand alleine auf der anderen. "Es wird schon nix passieren", sagte er, "wir sind coole Eltern."

Na, gut. Ich war cool. Ich sagte Ja zur Party, auf der nichts kaputt gehen würde und auf der niemand auf meinen Velourteppich speiben (österreichisch für übergeben, d. Red.) würde. Die Wombi fiel mir um den Hals. "Danke, Danke, Danke!", jubelte sie und noch während sie um meinen Hals hing, tippte sie die frohe Nachricht in ihr Smartphone, um alle auf den neuesten Stand zu bringen.

"Okay", sagte ich, "wir machen es aber ordentlich. Eine Party bedeutet Arbeit für den Gastgeber." Die Wombi nickte und machte den Anschein, als sei ihr das klar gewesen.

"Was soll es denn zu essen geben?", fragte ich naiv. Der Gesichtsausdruck der Wombi schwankte zwischen Verwunderung und Fassungslosigkeit?

"Essen?", fragte sie, "was meinst du mit Essen? Wir brauchen alles, aber kein Essen."

Christiane, sagte ich mir, bleib coooooool.

"Okay, über "Alles" müssen wir uns näher unterhalten" ...

FORTSETZUNG FOLGT


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