HOME

27.500 Dollar im Monat: Lebensuntauglich - hier lernen junge Erwachsene Aufstehen und Haarewaschen

Für verpeilte Millenials gibt es das Yellowbrick-Institut. Hier werden Youngstern in letzter Sekunde elementare Kulturtechniken wie Saubermachen, Aufstehen und Kochen beigebracht. Das kostet 27.500 Dollar im Monat.

Ein Werbe-Flyer des Instituts 

Ein Werbe-Flyer des Instituts 

Das Yellowbrick.-Institut befindet sich in Illinois. Dort widmet man sich den Kids, die nicht erwachsen werden. Ihre Eltern haben Angst, ihre lebensuntüchtigen Millenials allein in die böse Welt zu entlassen. Das ist ein Syndrom, das man in den USA als Problem einer ganzen Generation ansieht: Die Unfähigkeit, aus der Kindheit herauszutreten und einen Weg einzuschlagen, der sie zu einem ernstzunehmenden, funktionsfähigen Erwachsenen macht. Genau diese Problemlage hat auch Hannah aus Lena Dunhams TV-Serie "Girls" weltweit berühmt gemacht. In den USA werden diese jungen Leute auch gern "Snowflakes" genannt – weil Schneeflocken nicht allzu lange in freier Wildbahn überstehen können. 

Am Beispiel von Yellowbrick illustriert eine große Reportage auf dem Portal "Fusion" eine ganze Branche von nicht staatlich regulierten Therapiezentren, die besorgten Eltern zur Hilfe eilen. (Fusion - Welcome to Yellowbrick, a ‘rehab’ for stuck millennials that attempts to turn them into adults )

Eine später Kindergarten 

Profis sollen dort für viel Geld nachholen, was vorher versäumt worden ist. Ein Monat in Yellowbrick kostet 27.500 Dollar. Das Institut ist nach der Straße aus dem weltberühmten Kinderbuch "Der Zauberer von Oz" benannt. Die Patienten sind zwischen 18 und 30 Jahre alt. Bis zu 16 Personen können in dem Yellowbrick-Gebäude unterkommen. Sie leben je zu dritt oder viert in einem Appartement. So sollen sie Selbstständigkeit lernen. Allerdings stets unter Anleitung des Personals. Helfer, die darauf geschult sind, ihren Patienten beizubringen, sich langsam mehr zuzutrauen. Sie sollen Dinge wie einen Einkauf schließlich irgendwann selbst in die Hand zu nehmen.

Das hört sich sehr nach einem späten Kindergarten für die verwöhnte Smartphone-Generation an, und ist es auch. Für die meisten Patienten ist es für einen normalen Kindergarten allerdings zu spät. Irgendwann in der Jugend drifteten sie ab und verweigerten sich den Anforderungen der Wirklichkeit, wie etwa der Schule. Damals reagierten die Eltern nicht angemessen, irgendwann wurden aus den Leistungsverweigerern dann Härtefälle.

Den meisten Patienten fehlte es vielleicht ursprünglich nur an Antrieb und Disziplin. Aber als die Kindheit unwiderruflich vorbei war, führte die Diskrepanz zwischen einem echten Erwachsenenleben und der eigenen Existenz dann zu Blockaden und Ängsten. Nichtige Anlässe führen zu extremen Reaktionen. Ein Patient versuchte sich umzubringen, als er seinen Aushilfsjob verlor. Essstörungen, Stimmungsschwankungen und lähmende Angst begleiten die Patienten.

Das Einüben eines normalen Tagesablaufs und die psychische Stabilisierung durch Yoga und Meditation gehören zum anerkannten Teil der Therapie von Yellowbrick. Hier sorgen allein die hohen Kosten von 27.500 Dollar im Monat für Aufsehen. Unorthodoxe neurologische Theorien und die Behandlung mit "Gehirn-Vitaminen" sind dagegen umstritten. Diese Therapiehäuser leben von verzweifelten Eltern. Offiziell nehmen sie keine medizinische Behandlung vor und da keine Krankenkasse die Kosten übernimmt, handelt es sich um eine einzige therapeutische Grauzone.

Knigge bei Tisch


Unterschiedliche Bewertungen 

Ehemalige Bewohner äußern sich sehr unterschiedlich, über den Erfolg von Yellowbrick. Ben hat über ein Jahr in der Einrichtung verbracht und sagt in seiner Bewertung, er verdanke sein ganzes Leben Yellowbrick. Von einem selbstmordgefährdeten, aggressiven und unsicheren jungen Mann habe er sich zu einer selbstständigen Person entwickelt, die ihr Leben in die Hand nehme. Er ist zutiefst dankbar.

Ex-Patient Hannah nennt die Einrichtung einen großen Schwindel. "Dr V. wird so viel Geld von deiner Familie nehmen, wie er nur bekommen kann. Dafür wird er behaupten, dass du keine Fortschritte machst. Nur um mehr Geld zu machen. Wenn deine Leute dann kein Geld mehr haben, schmeißt er dich einfach raus." 

Themen in diesem Artikel

Wissenscommunity