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Geburtsfotografie: Professionell ins Bild gesetzt: der einzigartige Moment, in dem ein Kind das Licht der Welt erblickt

Momente des Triumphs, der Erleichterung, des stillen Glücks – in vielen Ländern dokumentieren Geburtsfotografinnen den Weg von neuen kleinen Menschen in die Welt.

Von Anika Geisler und Doris Schneyink

Geburt: der Moment, in dem ein Kind das Licht der Welt erblickt

Das Bild von der Geburt ihres Sohnes Zander im November 2018 sei "sehr bedeutsam für die Familie", sagt die Australierin Claire Arslanoski. Der Augenblick zeige für sie Ende und Beginn – das Ende einer traurigen Zeit nach mehreren Fehlgeburten und den Beginn einer Zeit, in der ihre Träume wahr geworden seien. Auch ihr Mann, ihre Mutter und ihre Tochter sind auf dem Foto zu sehen. Es gewann den Wettbewerb "Image of the year" 2019 der International Association of Professional Birth Photographers.

Fünf Stunden dauerte die Geburt ihres kleinen Bruders, und Nelle war fast die ganze Zeit dabei. Sie badete mit Mama und Papa in der riesigen Wanne in der Klinik im belgischen Ostende. Auch Oma kam ins Wasser und las ihr aus einem Bilderbuch vor. Zwischendurch aß Nelle Popcorn. Ihre Eltern, Mieke und Joris, hatten ihr gesagt, dass Mama ein Baby bekommen würde und dass sie es im Wasser auf die Welt bringen wolle, weil es dann nicht so wehtut. Als ihre Mutter schließlich in die kleine, durchsichtige Geburtswanne ging, weil die Presswehen einsetzten, feuerte Nelle sie an: "Drücken, Mama, drücken!" Und dann sah sie zum ersten Mal Cisse – ein winziges, zerknautschtes Wesen, das im Wasser schwamm.

Möglichst schmerzfreie Geburt

Für die belgische Geburtsfotografin Marijke Thoen, die diesen magischen Moment festgehalten hat, war die Entbindung von Cisse eine ganz besondere. "Die Familie ist sehr eng miteinander verbunden", sagt sie. Miekes Vater begleitete die Geburt als Gynäkologe, ihre Mutter als Doula, als nichtmedizinische Geburtshelferin. Thouen veröffentlichte das Foto mit Einwilligung der Familie in den sozialen Netzwerken. "Auf Facebook und Instagram wurde es mehrfach gelöscht, weil es den Plattformbetreibern zu explizit war", sagt Thoen. Sie empfand das als Zensur und wehrte sich. Der Fall machte Schlagzeilen, und Thoen erhielt viel Unterstützung. "Ich finde, Geburtsfotografie und die Geburten selbst sollten viel normaler sein in unseren Gesellschaften."

"Gucken Sie mal, wer da ist!", sagt der Arzt, als er im April 2018 in Rio de Janeiro, Brasilien, nach einem Kaiserschnitt das Baby über das OP-Tuch hebt. Die Eltern Flavia und Bernardo lachen und weinen. Sie haben noch keinen Namen für einen Jungen. Drei Tage lang heißt ihr Sohn Tom nur "er".

"Gucken Sie mal, wer da ist!", sagt der Arzt, als er im April 2018 in Rio de Janeiro, Brasilien, nach einem Kaiserschnitt das Baby über das OP-Tuch hebt. Die Eltern Flavia und Bernardo lachen und weinen. Sie haben noch keinen Namen für einen Jungen. Drei Tage lang heißt ihr Sohn Tom nur "er".

An jedem Tag des Jahres kommen rund 380.000 Babys auf die Welt. In westlichen Industrienationen überwiegend in Kreißsälen, fast jedes dritte Kind in Deutschland wird inzwischen per Kaiserschnitt geboren. Längst nicht jeder Eingriff erfolgt aus medizinischen Gründen. Viele Frauen fürchten die Risiken einer spontanen Entbindung, sie wünschen sich eine geplante, sichere, möglichst schmerzfreie Geburt.

Fotografinnen wie Marijke Thoen möchten das Vertrauen von Frauen in ihre eigene Gebärkraft wieder stärken. Viele Bilder zeigen, wie eine fachkundige Begleitung, die Sicherheit und Vertrauen schafft, den Frauen hilft, die Schmerzen zu ertragen.

Die Internationale Vereinigung professioneller Geburtsfotografen (IAPBP) wurde 2010 von einer US-Amerikanerin gegründet, selbst vierfache Mutter. Inzwischen gibt es in 42 Ländern mehr als 1200 Mitglieder – in Deutschland sind es sieben, unter anderem in Freiburg, Kaiserslautern, Jena und Hamburg. Bis zu weit über 1000 Euro kostet die fotografische Erinnerung an die intensiven Momente voller Emotionen, voller Schmerz, Kraft und Erleichterung, voller Stolz und Liebe.

Als die Ärzte im niederländischen Leiden bei einem Notkaiserschnitt im Juli 2018 das Baby aus Nathalies Bauch holen, ist die Fruchtblase nicht geplatzt. Durch das Fruchtwasser schimmert der Kopf des Kindes. "Als ich den Gesichtsausdruck meines Partners sah, war mir klar, dass etwas Erstaunliches vorgehen musste", sagt die Mutter des Mädchens. Das seltene Phänomen wird "Glückshaube" genannt.

Als die Ärzte im niederländischen Leiden bei einem Notkaiserschnitt im Juli 2018 das Baby aus Nathalies Bauch holen, ist die Fruchtblase nicht geplatzt. Durch das Fruchtwasser schimmert der Kopf des Kindes. "Als ich den Gesichtsausdruck meines Partners sah, war mir klar, dass etwas Erstaunliches vorgehen musste", sagt die Mutter des Mädchens. Das seltene Phänomen wird "Glückshaube" genannt.

Belle Verdiglione arbeitet als Geburtsfotografin im australischen Perth, sie selbst hat zwei Kinder, das erste kam per Kaiserschnitt auf die Welt. "Beim zweiten rieten mir die Ärzte wieder zu einem Kaiserschnitt, aber ich wollte das nicht." Es wurde eine Hausgeburt. Ihren Beruf empfindet Verdiglione als besondere Herausforderung: "Du wirst nachts aus dem Bett geklingelt, das Licht in den Kreißsälen ist schrecklich, aber ich muss sehr zurückhaltend sein mit dem Blitzlicht, um die Frauen nicht zu stören, überall wuseln Helfer herum, ich werde müde und hungrig, aber ich muss wach bleiben und performen."

Extreme Gefühle

Seit acht Jahren arbeitet Verdiglione in diesem ungewöhnlichen Beruf, der sie immer wieder mit extremen Gefühlen konfrontiert. So baten eine Frau und ihr Mann sie, bei der Entbindung dabei zu sein – ein Frühchen, 23. Woche. "Die Eltern wussten, dass es nicht mehr lebte, aber sie wollten so gern ein Foto von ihrem Kind haben." Auch dass eine Mutter den Anblick der Geburtsfotos nicht ertragen kann, hat Belle Verdiglione erlebt, wenn auch nur einmal. "Die Frau wäre bei der Geburt aufgrund von Komplikationen beinahe gestorben, die Erinnerung an diese Stunden war für sie schwer auszuhalten."

Claire Arslanoski hingegen, die Mutter, die den kleinen Zander auf die Welt brachte und mit deren Foto Verdiglione den Wettbewerb der IAPBP 2019 gewann, ist glücklich über die Bilder. "Wir können es kaum erwarten, bis Zander so alt ist, dass wir sie ihm zeigen können – und ihm die wunderschöne Geschichte erzählen, wie er auf die Welt gekommen ist."

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