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Nachricht an die Eltern: Schweinefleischverbot an der Schule? Wilde Diskussion nach harmlosem Brief von Lehrern

An einer Schule im Schweizer Kanton Aargau luden Lehrer die Kinder zum gemeinsamen Frühstück ein, um den Abschluss des Schuljahres zu feiern. Aus Rücksicht auf muslimische Kinder wurde darum gebeten, auf Schweinefleisch zu verzichten – und die Diskussion begann.

Eine kleine Schulklasse mit Kindern aus verschiedenen Ländern

In vielen Schulklassen lernen Kinder verschiedener Herkunft und Religion gemeinsam.

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An einer Schule in der Schweizer Gemeinde Strengelbach, im Kanton Aargau, sorgt ein Brief für Diskussionen. Das Lehrerkollegium schreibt darin die Eltern an, freut sich über das ereignisreiche und erfologreiche Schuljahr, die tolle Klassenfahrt, gemeinsame Bastelaktionen. Zudem wird über die Zeugnisvergabe informiert und zur Feier des Schuljahresabschlusses ein Frühstück in der Klasse angekündigt.

Soweit, so harmlos. Was es da zu diskutieren gibt? Eine kleine Bitte am Ende des Absatzes zum gemeinsamen Frühstück. Die Lehrer bitten die Eltern, ihren Kindern etwas mitzugeben, das sie zum gemeinschaftlichen Essen mit in die Schule bringen. Brot, Getränke, "Gemüsestängli", Käse oder Fleisch werden vorgeschlagen. Hinter das Wort "Fleisch" ist in Klammern abgedruckt: "Bitte kein Schweienfleisch, damit alle davon essen können". Denn auch muslimische Kinder besuchen die Schule. (Der "Blick"zeigte ein Bild des Original-Briefes, um den es geht.)

Verbot? Wo ist hier ein Verbot?

Für die rechtskonservative Schweizer Partei SVP Grund genug, sich über ein "Schweinefleischverbot" zu empören. "Das geht gar nicht. Jetzt müssen wir ganz klar sagen: Das müssen wir national klären", fordert etwa der Schweizer Nationalrat Andreas Glarner (SVP) in der Zeitung "Blick". Er echauffierte sich, offenbar nach seiner eigenen Wurst-Präferenz, über das angebliche "Cervelat-Verbot".

Was er übersieht: Ein Verbot gibt es in der Schweiz nicht. Auch nicht an der betreffenden Schule. Im Elternbrief ist lediglich eine Bitte abgedruckt, eine Bitte um Rücksicht, damit sich keines der Kinder ausgeschlossen fühlen muss.

Schulpflege-Präsident Roger Lussi, der für die Gemeinde zuständig ist, äußerte sich irritiert zu den Kommentaren der rechtskonservativen Partei. "Da wird aus einer Mücke ein Elefant gemacht", urteilt er. "Wir würden es schätzen, wenn man sich bei uns erkundigt, wie die Sachlage wirklich ist." Ein Cervelat-Verbot gebe es nämlich schlicht nicht.

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wt

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