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Petition in NRW: Eltern wehren sich gegen Zwangseinschulung von Fünfjährigen - wie denken Sie darüber?

Ist eine Einschulung mit fünf Jahren eine Chance oder eine Überforderung für ein Kind? Darüber gehen die Meinungen auseinander. In Nordrhein-Westfalen fordern Eltern nun eine Änderung des Schulgesetzes, um mehr Entscheidungsfreiheit bei dieser Frage zu haben.

Schule NRW

Erstklässler in einer Schule in Düsseldorf (Symbolbild)

Picture Alliance

In Nordrhein-Westfalen hat eine Mutter Anfang Februar eine Petition gegen die gesetzlichen Regelungen bei der Einschulung von Kindern aufgesetzt. Stand Mittwochvormittag wurde diese bereits von rund 26.400 Menschen unterzeichnet und rund 9700 Mal kommentiert.

Der Hintergrund: Im bevölkerungsreichsten Bundesland werden grundsätzlich alle Kinder, die bis zum 30. September sechs Jahre alt werden, zum 1. August desselben Jahres schulpflichtig.  Wer sein zur Einschulung erst fünfjähriges Kind im Zweifel aber lieber noch ein Jahr im Kindergarten sehen würde, weil er es noch nicht als schulreif ansieht, kann dies nicht frei entscheiden. Eine Zurückstellung ist laut geltendem Schulgesetz in NRW "nur aus erheblichen gesundheitlichen Gründen" möglich. Die Eltern sind zwar anzuhören, die Entscheidung trifft allerdings die Schulleitung auf der Basis eines schulärztlichen Gutachtens. 

Bayern und Niedersachsen richteten einen Zeitkorridor für Eltern ein

Gegen diese ihrer Ansicht nach zu starren Regeln setzen sich Initiatoren und Befürworter der Petition nun ein. "Diese Kinder sind in der Schule oftmals schlichtweg überfordert und erleben möglicherweise unnötige schulische Misserfolge, da sie zwar eventuell schulpflichtig sind, nicht aber unbedingt auch schulreif", heißt es in dem Ersuchen. 

Die Unterzeichner fordern, dass der Stichtag um drei Monate nach vorn gelegt wird und ein Zeitkorridor nach niedersächsischem Vorbild eingerichtet wird, indem die Eltern selbst über die Einschulung entscheiden können. In Niedersachsen liegt der Stichtag zwar ebenfalls bei Ende September, das Land räumt den Eltern jedoch ein Veto-Recht ein. Vollendet ein Kind das sechste Lebensjahr zwischen dem 1. Juli und dem 30. September, können die Erziehungsberechtigten den Schulstart um ein Jahr verschieben. Sie müssen sich allerdings bis zum 1. Mai des fraglichen Jahres entscheiden. Auch Bayern hat dieses Korridor-Modell gerade eingeführt – nachdem auch dort eine entsprechende Petition von rund 20.000 Menschen unterzeichnet worden war. 

Schule mit fünf - Chance oder Überforderung? Was denken Sie?

In vielen Bundesländern liegt der Stichtag weiter vorn

In vielen Bundesländern liegt der Stichtag für die Einschulung ohnehin weiter vorn: In Bremen, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, dem Saarland, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein fällt er auf den 30. Juni, in Hamburg auf den 1. Juli. Thüringen hat den 1. August benannt, Rheinland Pfalz den 31. August. 

In Baden-Württemberg, Bayern, Berlin, Brandenburg und Niedersachsen (mit den beschriebenen Ausnahmen) liegt der Stichtag wie in NRW auf dem 30. September. In allen Bundesländern gibt es andersherum unter bestimmten Voraussetzungen die Möglichkeit, sein Kind auch dann bereits einzuschulen, wenn der sechste Geburtstag erst hinter dem Stichtag liegt. 

Die Laufzeit der Petition in NRW beträgt noch rund fünf Monate. Wie der WDR berichtet, müssen für Debatte im Landesparlament insgesamt 29.000 Unterschriften zusammenkommen.

Quellen: Bildungsserver, Schulministerium NRW, Open Petition, WDR, BR

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