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Ramadan: Fasten in der Schulzeit: Hessens Justizministerin fordert Bestrafung der Eltern

CDU-Politikerin Eva Kühne-Hörmann fordert, dass das Fasten von schulpflichtigen Kindern im Ramadan gesetzlich untersagt und strafrechtlich verfolgt wird. Der Schutz des Kindeswohls sei in solchen Fällen nicht ausreichend abgesichert.

Muslimisches Mädchen sitzt am Tisch und schreibt/Eva Kühne-Hörmann

Hessens Justizministerin Eva Kühne-Hörmann, will Eltern bestrafen, die ihre schulpflichtigen Kinder zum Fasten zwingen (Symbolbild)

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Hessens Justizministerin Eva Kühne-Hörmann (CDU) will es gesetzlich verbieten lassen, dass Eltern ihre schulpflichtigen Kinder zum Fasten verpflichten. "Wer kleine Kinder dazu bringt, in der Zeit des Ramadans zu fasten, übt einen gesundheitsgefährdenden Einfluss auf diese Kinder aus", sagte sie der "Bild"-Zeitung. "Durch Eltern oder Dritte erzwungenes Kinderfasten sollte deshalb gesetzlich untersagt und strafrechtlich sanktioniert sein."

Eltern sollen mit bis zu drei Jahren Haft bestraft werden

Dem Bericht zufolge hatten sich mehrere Schulleitungen beklagt, dass das Fasten der muslimischen Schüler den Unterricht beeinflusse. Der Zeitung erklärte Kühne-Hörmann daraufhin, dass der Schutz des Kindeswohls an vielen Stellen im Strafgesetzbuch abgesichert sei, in solchen Fällen jedoch nicht ausreichend greife. Sie führte den Paragrafen 171 des Strafgesetzbuchs an, nach dem Eltern, die ihre Fürsorgepflicht verletzen, mit bis zu drei Jahren Haft oder einer Geldstrafe bestraft werden können. Denn noch sei der Schutz nicht genug, "um Kinder und Jugendliche vollumfänglich in ihrer ungestörten Entwicklung und freien Entfaltung ihrer Persönlichkeit zu schützen".

Grund für das Fasten ist der Monat des Ramadan, der am Montag für gläubige Muslime begonnen hat. In Deutschland sind in dieser Zeit geschätzt fünf Millionen Menschen zur Enthaltsamkeit aufgerufen. Von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang sollen sie den religiösen Regeln nach nicht essen oder trinken. Dieses Jahr fällt der Ramadan in eine Zeit, in der viele Schüler Prüfungen zu absolvieren haben.

Unkonzentriert, müde und hungrig

Dass Fasten nicht förderlich fürs Lernen ist, kann auch eine Lehrerin aus Hamburg bestätigen: "Einer meiner Nachhilfeschüler schreibt seine Prüfungen diese Woche, isst und trinkt den ganzen Tag nichts und stellt sich dann nachts um halb drei den Wecker, um zu essen. Lern- oder Konzentrationsförderlich ist das nicht." Sie betont aber auch, dass viele der Kinder freiwillig fasten. Und trotzdem – in der Schule sind sie dadurch oft unkonzentriert, müde und hungrig. Das sich etwas ändern muss, findet auch sie: "Entweder die Schüler und Familien selbst müssen irgendwas ändern, oder solche Prüfungen müssen abhängig vom Ramadan organisiert sein."

Ministerin will Paragrafen erweitern 

Kühne-Hörmanns Vorschlag ist es nun, den Paragrafen zu erweitern. "Eltern, die ihre Kinder in einer religiös fundamentalistischen Art und Weise erziehen, sollen sich künftig vor Gericht verantworten müssen", so die CDU-Politikerin. Gegen das strenge Fasten von Schulkindern hatte sich auch bereits vergangene Woche Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) ausgesprochen.

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Quelle: AFP / DPA / "Bild"

dpa/AFP/gho

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