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Schlafmangel unter Teenagern: Unterricht erst um 10 Uhr? Britisches Parlament diskutiert Petition einer Schülerin

Eine Schülerin hat es mit einer Petition geschafft, dass das britische Parlament einen späteren Unterrichtsbeginn in Erwägung zieht. Wissenschaftler fordern schon lange ein Umdenken.

Ein Schüler schläft im Unterricht ein

Teenager leiden oft unter Schlafmangel – das führt zu Konzentrationsproblemen in der Schule

Getty Images

Sollte der Schulunterricht erst später beginnen? Über diese Frage diskutierte jetzt das Parlament in Großbritannien. Auslöser dafür war die Petition einer Schülerin: Sie plädierte online dafür, dass die Schule jeden Tag erst um zehn Uhr beginnen solle. "Teenager sind so müde, weil sie so früh aufstehen müssen, um zur Schule zu gehen. Die Regierung sollte die Schulen dazu verpflichten, später mit dem Unterricht zu beginnen – das würde auch zu einer höheren Produktivität führen", begründete sie ihr Anliegen. 

Mehr als 180.000 Menschen unterstützen auf der offiziellen Petitionsseite des britischen Parlaments diesen Vorschlag. Das führte nun dazu, dass das Thema im House of Commons auf die Tagesordnung kam. Auch einige Abgeordnete sprachen sich in einer ersten, unverbindlichen Diskussion für einen späteren Unterrichtsbeginn aus. "Es gibt gute wissenschaftliche Gründe, über eine Änderung nachzudenken", sagte laut der britischen Seite "TES" der Labour-Politiker Daniel Zeichner und verwies auf entsprechende Studien aus Singapur und Kanada. Außerdem zitierte er Eltern, mit denen er gesprochen habe und die ihm gesagt hätten, ihr Kind um 6.30 Uhr zum Aufstehen zu bewegen, sei so schwierig, wie einen Toten zum Leben zu erwecken. 

Viele Schüler leiden unter Schlafmangel

Tatsächlich sprechen sich einige Wissenschaftler für einen späteren Unterrichtsbeginn aus. Sie argumentieren mit dem Biorhythmus von Teenagern, der sich in der Pubertät stark von dem Erwachsener unterscheidet. Das Forschungszentrum Demografischer Wandel der Frankfurt University of Applied Sciences berichtet, dass Schlafmangel gerade unter älteren Schülern in Deutschland stark verbreitet sei und zu Konzentrationsproblemen in der Schule führe. Verschiedene Schlafforscher empfehlen einen Unterrichtsbeginn um neun Uhr. Auch in Deutschland wird deshalb immer wieder über eine Verschiebung der Unterrichtszeiten diskutiert. So probieren bereits einige Schulen in Hamburg das Modell aus – die Erfahrungen sind positiv.

Die Pro-Argumente beziehen sich dabei nicht nur auf die innere Uhr und die Gesundheit der Schulkinder. Würde die Schule nicht schon am Morgen, sondern erst im Laufe des Vormittags beginnen, könnte das auch den Straßenverkehr und den öffentlichen Nahverkehr in der Rush Hour entlasten. Für Lehrer wäre es wohl einfacher, eine Betreuung für ihre Kleinkinder zu finden, argumentieren Befürworter. Sogar auf die Wirtschaft könnte ein späterer Unterrichtsbeginn einen positiven Effekt haben. Eine makroökonomische Untersuchung des amerikanischen Thinktanks "RAND Corporation" ergab 2017, dass der US-Staatshaushalt innerhalb von zwei Jahren 8,6 Milliarden Dollar einsparen könnte, wenn der Unterrichtsbeginn auf 8.30 Uhr verlegt würde. 

Gegner der Idee verweisen darauf, dass viele Schüler dann im Winter im Dunkeln nach Hause gehen müssten. Eltern hätten Nachteile, weil sie – da ihre eigene Arbeit früher beginnt – weniger Zeit mit ihren Kindern verbringen könnten. Bei der Diskussion im britischen Parlament gaben Abgeordnete außerdem zu bedenken, dass ein Unterrichtsbeginn um zehn Uhr die Teenies unzureichend auf das Berufsleben vorbereite – dort startet der Arbeitstag meist schon früher.

Quellen: "TES" / "Manchester Evening News" / DPA / "Hamburger Abendblatt" / "Later school start times in the U.S. – an economic analysis" (RAND Corporation) 

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