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Twitter-Umfrage Traumatische Lehrersätze: "Du siehst nur schlau aus"

Schülerin blickt traurig nach unten
Manche Sätze eines Lehrers begleiten Schüler ein Leben lang
© seb_ra / Getty Images
Fast jeder hat ein Erlebnis aus der Schule, das er mit sich herumschleppt – und oft hat es mit Lehrern zu tun. Eine Umfrage auf Twitter zeigt: Verletzende Sätze von Lehrern hinterlassen Traumata, mit denen Schüler lange zu kämpfen haben.

Schule soll fürs Leben prägen – allzu oft tut sie das allerdings in negativer Weise. Mobbing, schlechte Noten oder Leistungsdruck sorgen dafür, dass viele Menschen ihre Schulzeiten nicht in guter Erinnerung behalten. Leider können auch Lehrer das oft nicht verhindern. Im Gegenteil: Manche Lehrkräfte an Schulen oder Universitäten tragen dazu bei, dass ihre Schüler nicht nur die Lust am Lernen, sondern auch ihr Selbstwertgefühl verlieren.

Fast jeder kann sich an solche Erlebnisse erinnern. Das beweist auch eine Umfrage der Kunsthistorikerin und Twitter-Userin Erin L. Thompson. Thompson, die am John-Jay-College in New York arbeitet, erinnert sich selbst an eine solche Szene. Ein Dozent habe ihr einmal nach einer falschen Antwort entgegengehalten: "Schnell, aber falsch – wie immer." Der Satz habe sich in ihr Gehirn "eingebrannt", schreibt Thompson, und sie wollte von ihren Followern wissen, ob die ähnliche Sätze hören musste.

Herablassende Aussagen statt Motivation und Ermutigung

Traumatische Aussagen von Lehrern – das Phänomen ist weit verbreitet, wenn man sich die Antworten der User anschaut. Viele haben Erfahrungen mit Lehrenden gemacht, die nicht ermutigend oder motivierend auftraten, sondern sich eher herablassend gegenüber ihren Schülern verhielten. Eine Frau berichtet, ein Lehrer habe ihr vorausgesagt, sie werde "als Loser enden". Einen anderen hat als Teenager der Satz "Irgendwann musst du anfangen, auf dein Äußeres zu achten" besonders verletzt.

Für junge Menschen ist es extrem frustrierend, wenn Erwachsene ihnen das Gefühl vermitteln, sie seien nicht genug, um ihre Träume zu verwirklichen. Das haben viele der Twitter-User in der Schule erlebt. Einer Schülerin wurde von ihrer Lehrerin gesagt: "Du siehst nur schlau aus." Manchmal höre sie immer noch diese Stimme in ihrem Kopf, schreibt sie.

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Manche Sätze hinterlassen Verletzungen für ein ganzes Leben

Das Gefühl, am liebsten im Boden versinken zu wollen, kennt einer der User aus der sechsten Klasse. Damals, so erinnert er sich, habe er eine schwere Zeit zu Hause gehabt, und eine unvollständige Hausaufgabe abgegeben. Daraufhin habe der Lehrer ihn aufgefordert, sein Heft in den Müll zu werfen – vor der ganzen Klasse. Ähnliches ist einer heute 69-Jährigen im Kunstunterricht passiert. Ihre Lehrerin warf eines ihrer Bilder in den Müll. "Bis heute habe ich nie wieder gezeichnet oder gemalt", schreibt die Frau.

So können unbedachte Sätze von Lehrern traumatische Folgen haben, die ein Leben lang andauern. Viele Schüler vergessen diese Aussagen nicht, sie werden Teil ihrer Persönlichkeit. Aber auch, wenn die Verletzung bleibt, berichten viele davon, wie herablassende Äußerungen von Lehrern sie umso mehr dazu angespornt haben, ihre Ziele zu erreichen. Es den Lehrern zu beweisen, sei immer wieder eine große Motivation gewesen – auch noch viele Jahre nach der Schulzeit. "Alles, wofür du gut genug sein wirst, ist Burger zu braten", hat ein Mann als Schüler von seiner Klassenlehrerin gehört. Jahre später veröffentlichte er sein eigenes Kochbuch, ein Bestseller. Seiner Lehrerin schickte er ein signiertes Exemplar – und bedankte sich bei ihr für den Karriere-Tipp.

Quelle: Erin L. Thompson auf Twitter

epp

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