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Umfrage auf Facebook: Wie kann Schule besser werden? Unsere Leser haben da einige Vorschläge

Viel wird darüber diskutiert, wie das deutsche Schulsystem und damit auch die Schüler fit für die Zukunft gemacht werden können. Wir haben unsere Leser gefragt, was sie stört und was verbessert werden sollte.

Schule stehen mit Smileys vor der Tafel

Was ist gut, was ist schlecht, was könnte besser sein? Im Bildungssystem haben viele Dinge keinen lächelnden Smiley verdient.

Getty Images

Schlechte Erinnerungen an seine Schulzeit – zumindest in Teilen – hat fast jeder. Das liegt nicht nur am frühen Aufstehen, Hausaufgaben und Klassenarbeiten, sondern oft auch daran, dass das System Schule Schwächen hat. Immer wieder wird Kritik am Bildungssystem laut. Es gäbe den Schülern nicht die optimalen Voraussetzungen zum Lernen und bereite sie nicht genug auf das Leben nach der Schule vor. 

Das sehen auch viele unserer Leser so. Auf unserer Facebook-Seite haben wir gefragt: "Was stört euch und was sollte verbessert werden?" Und eine Menge Leser haben geantwortet. Ihre Kritik und ihre Vorschläge könnten auch für manchen Bildungspolitiker als Inspiration dienen. Hier sammeln wir die wichtigsten Meinungen.

Was läuft gut? Was läuft schlecht? Habt ihr Ideen, was sich ändern sollte?

Gepostet von stern am Donnerstag, 4. April 2019

User fordern einheitliches Bildungssystem

Einer der größten Kritikpunkte unserer Facebook-User: der Bildungsföderalismus in Deutschland. Da Bildung Ländersache ist, unterscheiden sich die Schulsysteme in allen 16 Bundesländern voneinander. Das macht nicht nur die Vergleichbarkeit schwierig, sondern wird vor allem dann zum Problem, wenn ein Schüler von einem Bundesland ins andere wechselt. "Es kann nicht sein, dass jedes Bundesland sein eigenes Süppchen kocht", sagt Ines R. – ihr Kommentar bekam mit 517 Likes die größte Resonanz. Auch viele andere User fordern ein einheitliches Bildungssystem in der Bundesrepublik.

Auch inhaltlich nehmen unsere Leser Schwächen in den Lehrplänen wahr. "Weniger Fachwissen, mehr Allgemeinwissen", fordert Fianna C. und bekam dafür 245 Likes. "Fachwissen kann während der Berufsausbildung und des Studiums vermittelt werden." Der gleiche Tenor findet sich in anderen Kommentaren: Zu oft lernten die Schüler eben doch für die Schule und nicht für das Leben, bemängeln die User. Sie wünschen sich, dass die Schüler konsequenter auf die Herausforderungen vorbereitet werden, die tatsächlich auf sie als Erwachsene warten. "Was nützt es, wenn ich die unglaublichsten Gleichungen lösen, aber nicht meine Steuererklärung machen kann?", fragt Marcell D.

Schüler sollten im Unterricht besser auf das Leben vorbereitet werden

Vivi N. wünscht sich Lehrinhalte wie "Überweisungsträger ausfüllen". Und Hannes G. hat schon ganz konkrete Vorstellungen für Schulfächer, die er gern im Stundenplan sehen würde: "1. Sexualkunde, mit allem was dazu gehört, 2. Umwelt und Naturschutz, 3. Kochen und Selbstversorgung, 4. Umgang mit Geld." Auch der Kommentar von Saskia B. erhielt mit 356 Likes viel Zustimmung. Sie spricht sich dafür aus, konfessionsgebundenen Religionsunterricht abzuschaffen und "durch Ethik, umfassende Allgemeinbildung über alle Religionen" zu ersetzen: "Konfessionsgebundener Religionsunterricht gehört in die jeweilige Kirche, nicht in die staatlichen Schulen.“ 

Natürlich ist auch die Schulform ein Thema. Wie kann es gelingen, die Schwächeren zu fördern, die Stärkeren nicht zu unterfordern und möglichst individuell auf die Schüler einzugehen? Sandra schlägt vor: "Alle gehen auf die selbe Schule bis zur siebten oder achten Klasse. Danach entscheidet sich, wer den Quali macht, die mittlere Reife oder weiter bis zum Abitur. Funktioniert in anderen Ländern hervorragend."

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Basti H. wünscht sich aus eigener Erfahrung, dass mehr auf die Stärken und Schwächen der Kinder eingegangen werden möge und sich die Inhalte eher an deren Neigungen orientieren: "Ich hab's gehasst, diverse Fächer machen zu müssen, die mich nicht interessiert haben. Es war jedes Mal die reinste Qual. Entsprechend war das Lernen und die Leistung im jeweiligen Fach –die Fächer, welche einem mehr lagen, waren dann natürlich bzgl. Leistung sowie Motivation ganz oben. Motivation, Anreiz, Interesse – das Wichtigste für erfolgreiche Schule." Amina B. will, dass "man Kinder als Individuen sieht und nicht, dass alle vor dem Lehrer gleich sein müssen und funktionieren müssen".

Lehrer und Social Media? "Meine Tochter lacht sich tot"

An Ideen, um nicht nur die Qualität des Unterrichts, sondern auch die Rahmenbedingungen in den Schulen besser zu machen, mangelt es unseren Lesern nicht. Der Schulbeginn um neun Uhr wird ebenso von einigen Usern vorgeschlagen wie warmes Mittagessen für alle, Wasserspender auf den Fluren und eine bessere technische Ausrüstung. "Schulbücher sollten digitalisiert werden. Jetzt sind wir mit der Technik so weit, trotzdem wird der Schulranzen mit schweren Büchern gepackt“, meint zum Beispiel Jasmin L. Frank S. fordert eine höhere Social-Media-Kompetenz bei den Lehrern: "Meine Tochter ist 14 und lacht sich tot", schreibt er.

Viele dieser Dinge werden von Bildungspolitikern, Schulleitungen und Lehrern schon angegangen, auch wenn es noch viel zu tun gibt. Doch auch die Maßnahmen, die schon ergriffen wurden, treffen nicht bei allen auf Gegenliebe. Sara H. zum Beispiel würde gern den Trend zu Ganztagsschulen zurückdrehen. Sie beobachtet, dass die Freizeit ihres Kindes darunter ebenso leidet wie das Verhältnis zwischen Eltern und Kind: "Hobbys fallen während der Woche komplett flach, mein Kind wird gezwungen, in der Schule zu essen, ob es nun schmeckt, hochwertig ist oder auch einfach nur, ob wir das denn persönlich wollen! Und freiwillige Schulen sind so rar gesät, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis wir alle gezwungen sind, unsere Kinder acht Stunden in die Schule zu schicken und sie zu Hause nur noch vier Stunden sehen zu können, bevor Bettzeit ist."

Die Titelgeschichte des neuen stern: Ein Traum von Schule. Die beste Investition in die Zukunft Deutschlands: So werden unsere Kinder schlau.

epp

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