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Tierschützer üben Kritik Kontrovers diskutiertes Schulprojekt: Achtklässler ziehen Kalb auf, um es zu schlachten

Kalb
In Hamburg ziehen Schüler derzeit ein Bullenkalb auf (Symbolbild)
© Hartmut Schmidt / Picture Alliance
Schüler haben in Hamburg im Rahmen eines Projektes ein Kalb aufgezogen. Am Ende soll seine Schlachtung stehen. Tierschützer wollen den jungen Stier retten, die Schüler verteidigen ihre Handeln. 

Hinweis: Dieser Artikel erschien zuerst an dieser Stelle auf RTL.de

Ein ungewöhnliches Schulprojekt sorgt für heiße Gemüter. Die Schüler des Walddörfer Gymnasiums in Hamburg retteten letztes Jahr ein Kälbchen vor der Schlachtung, tauften es auf den Namen Goofy und kümmerten sich von da an um den kleinen Stier. Nun soll Goofy doch geschlachtet werden – so wie es im Schulprojekt immer vorgesehen war. Auch Tierschützer sind bereits auf das Experiment aufmerksam geworden und versuchen nun alles, um die Schlachtung zu verhindern.

Die Schüler kennen Goofy seit seiner Geburt

Die Achtklässler hatten Goofys Geburt im Sommer 2019 bei einer Klassenfahrt nach Tirol auf einem Bauernhof miterlebt, wie das "Heimatecho" berichtet. Als sie erfuhren, dass das kleine Stierkalb kurz nach der Geburt geschlachtet werden werden sollte – wie es bei männlichen Kälbern in Milchviehbetrieben oft vorkommt – beschlossen sie gemeinschaftlich, es vor dem jähen Tod zu bewahren. Sie bewirkten, dass das Tier im Museumsdorf Volksdorf ein neues Zuhause fand und tauften es auf den Namen Goofy. Die Umsiedelung sollte jedoch nur ein Happy End auf Zeit darstellen.

Im Frühjahr 2021 soll der Stier geschlachtet werden

Mittlerweile ist aus Kalb Goofy schon ein junger Stier geworden. Die Schüler hatten sich in den vergangenen Monaten kümmerten sich liebevoll um das Tier – so wie zuvor mit dem Museumsdorf vereinbart. Dieses nahm das Kälbchen nur unter der Bedingung auf, dass die Schüler zuvor ein Konzept erarbeiteten, wie es mit Goofy weitergehen soll. Denn das Museumsdorf Volksdorf möchte realistisch darstellen, wie das bäuerliche Leben in vergangenen Zeiten funktionierte – inklusive der Schlachtung von Tieren.

"Wir haben akzeptiert, dass zur Arbeit im Museumsdorf auch unangenehme Aufgaben gehören", erzählt Schülerin Anna dem "Heimatecho". Und so sei vereinbart worden, dass Goofy mit eineinhalb Jahren geschlachtet werden soll. Das wäre im Frühjahr 2021. Dann soll es den Schülern sogar möglich sein, nach der Schlachtung bei der Zerlegung des Tieres zu helfen.

Tierschützer bieten neues Zuhause für Goofy an

Die Tierschützer des "Hof Butenland" wollen das nicht zulassen. Sie haben der Schule angeboten, Goofy auf ihrem Hof einen Platz bis zu seinem (natürlichen) Lebensende zu gewähren. "Wenn dahinter der Gedanke steckt, dass die Tötung dazugehört, warum muss man sie an einem Tier zelebrieren, das ein Gesicht erhalten und einen festen Platz auf einem Lebenshof zugesichert bekommen hat?", kritisieren die Tierschützer das Projekt in einem Post auf Facebook. Für einen realistischen Blick auf das tägliche Tierleid sei schließlich auch ein Besuch in einem beliebigen Schlachthof ausreichend. Sogar eine Online-Petition mit dem Titel "Goofy soll leben!" wurde bereits gestartet, die bislang fast 9.000 Unterschriften erhalten hat.

Schüler lehnen ab

Bislang planen die Schüler, sich an ihre Abmachung mit dem Museumsdorf Volksdorf zu halten. "Wir würden uns selbst anlügen, wenn wir dieses eine Tier retten, nur weil wir eine Bindung zu ihm aufgebaut und ihm einen Namen gegeben haben", erklärt einer der Gymnasiasten dem "Heimatecho". Bei dem Projekt gehe es darum, "eine Würde im Produkt Fleisch zu entdecken", fügt ein anderer hinzu.

RTL.de

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