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Forsa-Studie: Eltern - der anstrengendste Job der Welt

Welche Erwartungen haben Eltern an sich und was belastet sie?, wollte die Zeitschrift "Eltern" wissen. Die Umfrage zeigt, dass sich Eltern den meisten Stress mit den Ansprüchen an sich selbst machen.

Von Susanne Baller

Die meisten Kinder können sich keine besseren Eltern vorstellen als ihre eigenen

Die meisten Kinder können sich keine besseren Eltern vorstellen als ihre eigenen

Ganz schön selbstkritisch klingen die Ergebnisse einer Forsa-Studie für die Zeitschrift "Eltern". Die Erwartungen, die Mütter und Väter an sich selbst haben, sind enorm - und dadurch auch der Druck, den sie sich machen. 50 Prozent der befragten Mütter sagen, weder ihr Beruf oder Arbeitszeitregelungen, noch Freunde oder Verwandte stressten sie besonders, sondern die eigenen Ansprüche. 41 Prozent der Väter geht es ebenso. Von den hohen Erwartungen an sich selbst ist vor allem die Altersgruppe der 30- bis 39-Jährigen betroffen, bei ihnen sind es 74 Prozent, die sagen "Ich habe sehr hohe Ansprüche an mich selbst, setze mich unter Druck". Dabei wäre das gar nicht nötig: Die Befragung von 700 Kindern zwischen sechs und zwölf Jahren durch iconkids&youth für "Eltern Family" ergab, dass 92 Prozent von ihnen finden, dass ihre Eltern die besten Eltern sind, die sie sich vorstellen können. Was für ein Lob!

Am stärksten leiden Frauen unter den Anforderungen an sich selbst. Ein Grund dafür könnte sein, dass sich viele von ihnen grundsätzlich für die Erziehung zuständig fühlen und auch dafür, dass es dem Kind gut geht. Während 32 Prozent der Mütter das so sehen, halten 85 Prozent der Väter beide Elternteile gleichermaßen dafür verantwortlich. Da stellt sich die Frage, ob das Ergebnis "Maternal Gatekeeping" bestätigt, das von Soziologen so getaufte Phänomen, Mütter würden bestimmte Aufgaben und Pflichten einfach an sich reißen, oder ob die Frauen auf ihren Alltag geschaut und schlicht die mangelnde Beteiligung der Väter diagnostiziert haben. Denn bei der Frage nach der Realität kommt Folgendes heraus: 62 Prozent der Mütter und nur 3 Prozent der Väter halten sich für hauptverantwortlich für Erziehung und Kindeswohl.

Endlich locker lassen können

Eine Ursache für die Belastung sehen 59 Prozent der Eltern darin, dass die Anforderungen und Erwartungen heute höher sind als früher. Gesellschaftliche Veränderungen sowie Veränderungen in der Erziehung halten sie für die entscheidenden Gründe (62 und 43 Prozent). Nur 10 Prozent führen es auf die Schwierigkeit der Vereinbarkeit von Familie und Beruf zurück - ein erstaunliches Resultat, wenn man sich an die Ergebnisse des Mikrozensus von 2011 erinnert, in denen es hieß, dass "die Vereinbarkeit von Familie und Beruf insbesondere für Frauen eine besondere Herausforderung darstellt".

Auch bei einer Trennung entfällt die Hauptlast der Erziehung auf die Mütter: Von den befragten Kindern leben 100 Prozent die meiste Zeit bei ihnen. Dennoch sagen 66 Prozent: "Meine Eltern haben sich getrennt, aber für mich sind sie trotzdem da." Die Prioritäten, die Kinder setzen, klingen herzerwärmend: 91 Prozent finden es wichtig, dass Eltern "Kindern Dinge immer gut erklären können und Rat wissen, wenn Kinder Fragen haben", 85 Prozent wissen es zu schätzen, dass

"Eltern oft lustig sind und mit ihren Kindern viel Quatsch machen"

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Eindeutig unzufrieden fallen die Befragungsergebnisse in puncto Familienpolitik aus: 57 Prozent der Eltern sind der Ansicht, dass sie nicht dazu beiträgt, den Familienalltag zu erleichtern - und die Hitliste bei drei Wünschen an eine gute Fee führt "Mehr finanzielle Hilfe durch den Staat" an. Der zweite Wunsch allerdings entlarvt wieder das, was sich die Eltern selbst vorwerfen und gern loswerden würden: die eigenen Ansprüche. Denn 38 Prozent wünschen sich "Mehr innere Ausgeglichenheit, Lockerheit und Gelassenheit".

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