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Nach George Floyds Tod: "Ich habe Angst, nicht nach Hause zu kommen": Nachbarschaft begleitet Mann auf Spaziergang 

Shawn Dromgoole hat Angst, weil er schwarz ist. Nach George Floyds Tod traut sich der Amerikaner nicht mehr, sein Haus in Nashville zu verlassen – bis sich seine Nachbarn mit ihm solidarisieren.

USA: Proteste gegen Rassismus

"Make America Great Again"

Selten wirkte Donald Trumps Wahl-Slogan zynischer als dieser Tage. Die USA sind gespaltener als jemals zuvor. Das zeigt sich in den landesweiten Massenprotesten. Die Wut über soziale Ungerechtigkeit, Polizeigewalt und Rassismus war nie verschwunden, auch nicht unter Barrack Obama. Sie war verdeckt vom Schatten, den das wirtschaftliche Wachstum warf. Doch Covid-19 und George Floyds Tod haben die Missstände wieder ans Licht gebracht. Nun scheinen die Proteste und Ausschreitungen das Bild der Nation zu prägen.

Dabei zeigt sich vielerorts auch die Anteilnahme und Solidarität der Menschen, wie der Fall von Shawn Dromgoole belegt. Bei ihm lösten die Geschehnisse der vergangenen Tage Angst aus. Dromgoole ist schwarz. Er lebt seit seiner Geburt in Nashville, eine Großstadt im Süden des US-Bundesstaates Tennessee. Er ist ein großgewachsener Mann mit zärtlicher Stimme und rundlicher Figur. Auf den ersten Blick niemand, der sich fürchten muss. Und doch beschleicht ihn seit dem Tod von George Floyd dieses Gefühl. Er hat Angst, sein Haus zu verlassen. Angst, dass ihm das gleiche widerfahren könnte – wie George Floyd und so vielen anderen Afroamerikanern, die in der Vergangenheit Opfer von rassistisch motivierter und polizeilicher Gewalt wurden.

Nachbarn solidarisieren sich mit Shawn Dromgoole

Seine Gefühlswelt beschreibt er in einem Facebook-Posting: "Gestern wollte ich in meiner Nachbarschaft herumlaufen, aber die Angst, nicht lebend zu meiner Familie zurückzukehren, hielt mich auf meiner Veranda." Und weiter: "Heute wollte ich wieder gehen und schaffte es wieder nicht von der Veranda. Dann rief ich meine Mutter Lynetra an und sie sagte, sie würde mitgehen."

Er teilt seine Gedanken auch auf der App Nextdoor. Das ist ein soziales Netzwerk für die Nachbarschaft. Dort reagiert die Nutzer sofort. Innerhalb kurzer Zeit melden sich Dutzende Menschen, die mit ihm spazieren gehen wollen, erzählt er dem amerikanischen Nachrichtensender CBS News.

Am vergangenen Donnerstag begleiten ihn dann insgesamt 75 Menschen bei seinem Spaziergang. Der 29-Jährige ist von der Solidarität sichtlich gerührt. "Ich bin so überwältigt", sagt er in einem Facebook-Live-Video mit Tränen in den Augen. "Danke, ich habe die besten Nachbarn der Welt." Für Donnerstag hat Dromgoole nun zu einem weiteren Nachbarschaftsspaziergang aufgerufen. Er wünscht sich, dass noch mehr Leute kommen.

Quellen: Facebook / CBS

rpw

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