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Großbritannien 93-Jährige betreut Sohn in der Corona-Pandemie: "An manchen Tagen bin ich erschöpft"

Fußgängerzone in Cardiff während der Corona-Pandemie
Fußgängerzone in Cardiff während der Corona-Pandemie
© Ben Birchall / Picture Alliance
Eine 93-jährige Waliserin hat von ihrer Zeit in der Corona-Krise berichtet, in der sie sich um ihren 66-jährigen, psychisch und physisch beeinträchtigten Sohn kümmern musste. Während des Lockdowns seien sie "genervt" gewesen.

Barbara MacArthur lebt in der walisischen Hauptstadt Cardiff, ist 93 Jahre alt und hat einen Sohn, der 66 ist, Howard. MacArthur war früher Polizistin und Sozialarbeiterin, letzteres ist sie immer noch ein wenig, denn ihr Sohn ist beeinträchtigt. Howard hat körperliche Behinderungen und seine psychischen Einschränkungen führen dazu, dass er sich nicht selbst versorgen kann. Ausgerechnet während des Corona-Lockdowns kam noch hinzu, dass er sich von einer Blutvergiftung erholen musste. Seine Mutter hatte alle Hände voll zu tun.

Der Lockdown war für MacArthur bisher die härteste Zeit in der Corona-Krise, ihr Sohn und sie seien "genervt" gewesen, berichtet die BBC. Denn was in normalen Zeiten kein Problem ist, darauf war während des Lockdowns nicht unbedingt Verlass. Um Howard kümmert sich normalerweise ein Sozialarbeiter und Essen auf Rädern versorgt die Familie. Der Stadtrat von Cardiff kontaktiert zwar Menschen und organisiert Hilfe, wenn sie welche brauchen. Aber MacArthur erklärt: "Ich nehme an, wir haben den Eindruck vermittelt, dass es uns gut ging, was zum Teil wohl unsere Schuld war. Wir haben offenbar eine gute Miene aufgesetzt." Das rächte sich: "An manchen Tagen bin ich erschöpft. Aber wir sind okay. Wir haben das Fernsehen und den Computer."

"Ich glaube, wir sind noch besser dran als andere"

Doch zu Beginn des Lockdowns konnte MacArthur nicht mehr online einkaufen – sämtliche Lieferfenster waren bei allen Supermärkten ausgebucht. Doch ihr örtliches Parlamentsmitglied kümmerte sich darum: Sie machte die Supermarktchefs auf MacArthur aufmerksam und sorgte dafür, dass die alte Dame und ihr Sohn Lebensmittel bestellen konnten.

"Ich glaube, wir sind noch besser dran als andere", sagt MacArthur. "Die Tatsache, dass wir Autisten sind, bedeutet, dass wir Einzelgänger und am liebsten alleine sind. Und natürlich schreibe ich meine dummen Briefe." Einer der Briefe, die MacArthur geschrieben hat, veröffentlichte der britische "Guardian". MacArthur hatte sich über das mangelhafte Pflegesystem beschwert – über Twitter bekam sie daraufhin prompt Hilfsangebote.

Falls eine zweite Corona-Welle käme, "wissen wir, das wir das auf die ein oder andere Art hinkriegen", sagt MacArthur. Ein Ratssprecher aus Cardiff erklärte, man "habe unermüdlich daran gearbeitet, hilfsbedürftige Menschen in der ganzen Stadt während der Pandemie zu unterstützen".

Quelle:BBC

bal

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