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Erinnerung an Zweiten Weltkrieg: 96-Jähriger lässt sich wieder einen Iro schneiden – beim ersten Mal wollte er die Nazis erschrecken

1944 wollte der US-Amerikaner Guy Whidden mit einem Irokesenschnitt in den Krieg ziehen. In der Corona-Pandemie hat er sich zum zweiten Mal für die Frisur entschieden und findet damit viele Nachahmer.

Guy Whidden ist 96 Jahre alt, er hat viel erlebt in dieser Zeit. Unter anderem war Whidden auch Soldat im Zweiten Weltkrieg, wo er als US-Amerikaner auf Seiten der Alliierten gegen Nazi-Deutschland kämpfte. Eine seiner prägendsten Erinnerungen an diese Zeit ist, dass er damals einen Irokesenschnitt trug, der den Deutschen Angst einjagen sollte.

Seitdem ist viel Zeit vergangen, der Iro ist längst einer seriösen Frisur gewichen. Doch inmitten der Covid-19-Pandemie hatte Guy Whidden eine Idee: Er wollte sich zum zweiten Mal in seinem Leben einen Iro schneiden lassen. Dafür gab es verschiedene Gründe. Erstens hatte Whidden aufgrund des Lockdowns Langeweile, zweitens waren die Friseure geschlossen, drittens wollte er auf diese Art und Weise seine gefallenen Kameraden aus dem Krieg die Ehre erweisen und viertens hoffte er, mit der Aktion etwas Freude in die vom Coronavirus gezeichnete Welt zu bringen, sagte er dem US-Sender CNN. Und so kam es, dass seine Enkeltochter mit der Haarschneidemaschine Hand anlegen musste.

1944 musste er sich den Iro wieder abrasieren

Nach knapp 20 Minuten hatte Whidden nur noch den Bürstenschnitt auf dem Kopf. "Ich fühle mich wie ein Jungspund", sagt er in dem Video, das seine Enkelin auf Youtube postete. Sein Fazit: "Es ist ganz gut geworden, nur ziemlich grau." 

1944 hatte Whidden zum ersten Mal die ungewöhnliche Frisur getragen. Als Fallschirmspringer sollte am D-Day über der Normandie abspringen. Davor ließ er sich den Kopf rasieren, um mit der Kriegerfrisur die Nazis zu erschrecken – zu der Zeit offenbar ein verbreitetes Ritual unter den Soldaten. Sein Vorgesetzter aber war von der Idee nicht begeistert und bestand darauf, dass Whidden sich den Kopf ganz kahl rasierte. So stürzte er sich damals ins Gefecht – und kam heil wieder aus dem Krieg in die Heimat zurück.

Diesmal ging es Whidden nicht darum, Angst zu verbreiten, sondern im Gegenteil darum, Menschen zum Lachen zu bringen. "Viele Menschen haben durch das Coronavirus große Probleme, manche haben Angst, manche sind besorgt", sagte er der lokalen Zeitung "Frederick News Post". "Ich dachte, ich würde einfach etwas Humor dazu beitragen."

Das ist ihm gelungen – und noch mehr. Denn neben der humoristischen Seite ist Whiddens Frisur auch ein Tribut an die Opfer des Zweiten Weltkriegs. Viele Angehörige des US-Militärs folgten seinem Beispiel und forderten andere auf, es ihnen gleichzutun. Die "Mohawk-Challenge" war geboren. Das sei nicht geplant gewesen, sagte Whidden zu CNN, er und seine Enkeltochter freuen sich aber dennoch über die große Resonanz.

Quellen: CNN / Fredrick News Post / Lydia Arshadi auf Youtube / Lydia Arshadi auf Facebook

epp

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