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Anstands-Debatte: Darf man in der Öffentlichkeit für Vibratoren werben?

"Multiple Orgasmen für nur 79,90 Euro": Mit großen Plakatwänden wirbt der Sexspielzeughändler Amorelie für einen Pärchenvibrator. Für einen Kolumnisten bei der "BZ, ein Albtraum. Er findet: "Das macht man nicht".

Anzeige für einen Vibrator

Über dieses Plakat stolperte Schupelius in Berlin

Amorelie verkauft Sexspielzeug und Dessous im Internet. Es gibt die Firma erst seit gut zwei Jahren, trotzdem ist der Onlinehandel bereits sehr erfolgreich. Mit Werbespots im Fernsehen und Anzeigen in Magazinen, wurde die Werbetrommel von Beginn an sehr intensiv gerührt - besonders wenn man bedenkt, was für ein privates Glück dort verkauft wird. Doch die neuste Werbestrategie des Unternehmens ist für manch einen ein Ärgernis. Schuld daran: prominent platzierte Plakatwände.

Gunnar Schupelius, Kolumnist der Berliner Zeitung "BZ", sah sich einem solchen Plakat auf seinem Weg durch Berlin gegenüber. Darauf wird für den Paarvibrator We-Vibe 4 geworben, der - glaubt man dem Werbeversprechen - für multiple Orgasmen sorgt. "Erst konnte ich das Produkt gar nicht zuordnen: Ich dachte an einen Kopfhörer oder Salatbesteck", beschreibt Schupelius seine erste Begegnung mit dem We-Vibe. Als im klar wurde, was er da wirklich vor sich hat, war er alles andere als begeistert. "Es stört mich. Was stört mich? Dass mir Sex aufgedrängt wird, sehr heftig, sehr massiv. Und dann auch noch mechanisch, aus Plastik, als Lustmaschine. Das bedrängt mich", schreibt er in seiner Kolumnne.

"Das macht man nicht"

Es ist das erste Mal, dass Amorelie mit Plakatwänden wirbt. Seit dem letzten Wochenende stehen sie in der Hauptstadt - und auch nur dort. Reaktionen auf die Plakate blieben bisher aus, wie die Pressestelle gegenüber dem stern angibt - abgesehen natürlich von Gunnar Schupelius. Für den Konzern scheint die Werbeoffensive zu funktionieren: Laut Amorelie.de wurde der We-Vibe in den letzten 24 Stunden 104 Mal verkauft.

Schupelius geht die Werbung zu weit. "Früher gab es dieses Gefühl, in der bürgerlichen Welt. 'Das macht man nicht', höre ich noch meine Mutter sagen und meine Großmutter. Es bedurfte keiner weiteren Begründung. Mit diesem Satz waren die Grenzen des guten Geschmacks und der Anständigkeit markiert. Das Vibrator-Plakat überschreitet diese Grenzen. Es ist absurd, surrealistisch, ein Albtraum. Sind wir sittlich so verwirrt, dass wir nicht mehr wissen, was in die Öffentlichkeit gehört und was nicht?", fragt der Kolumnist am Ende seines Textes. 

Bei einer Umfrage unter dem Artikel zeichnet sich eine leichte Mehrheit für sexuelle Offenheit und die Amorelie-Werbung ab. Der Onlinehändler will mit seinen Kampagnen bewusst für eine Enttabuisierung von Sexspielzeug sorgen. "Es darf für billige T-Shirts geworben werden, aber für die schönste Nebensache der Welt nicht? Wir glauben, dass ein glückliches Liebesleben und eine gesunde Sexualität zu einem erfüllten Leben dazugehören und finden auch nicht, dass dies ein Tabu darstellt oder in die dunkle Ecke gedrängt gehört", schreibt Amorelie zur Idee hinter den Plakaten. 

vim
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