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Aufgewachsen in der DDR: Wir Stasi-Kinder

Wie wächst man auf, wenn die Eltern Spione sind - Mitarbeiter der DDR-Staatssicherheit? Sieben von Zehntausenden von Stasi-Kindern erzählen im stern über ein Leben voller Misstrauen und Verrat.

Von Ruth Hoffmann

Die DDR ist seit knapp einer Generation Geschichte - doch zahllose Menschen schleppen bis heute ein dunkles Erbe mit sich herum: Sie sind die Kinder von Stasi-Mitarbeitern. Zehntausende von ihnen können erst jetzt über ihr Leben in Elternhäusern sprechen, in denen Misstrauen und Verrat zum Alltag gehörten.

Im neuen stern und bei stern.de kommen sie zu Wort: Zum Beispiel Stefan Herbrich, der über die Arbeit seines Vaters nicht sprechen durfte. Und Lena Krüger (Bild oben), die ein "Leben wie bei der Armee führte", weil gleich beide Eltern beim Geheimdienst waren.

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Thomas Raufeisen

sollte nur mal eben den kranken Opa in der DDR besuchen - und musste dort sechs Jahre leben.

Bernd Roth

ging selbst zur Stasi und

Karin Becker

heiratete nicht ganz freiwillig in die Stasi ein.

Bernd Roth - ging selbst zur Stasi

Der 61-Jährige ist in Thüringen aufgewachsen, direkt neben dem Stahlwerk Maxhütte. Seine Mutter war in der "Postkontrolle" des MfS, sein Vater Volkspolizist. Mit 21 wurde Bernd ebenfalls Stasi-Offizier.

"Meine Kindheit war schön, aber je älter ich wurde, desto mehr und mehr habe ich mich für mein ärmliches Elternhaus geschämt: Wir lebten beengt mit meinen Großeltern - zu sechst in vier Zimmern, mit Plumpsklo vor der Tür, und auf dem Gemüsebeet lag der Ruß aus den Hochöfen. Mein Opa war überzeugter Kommunist. Er erzählte mir schon als Kind, dass 'drüben' Alt-Nazis an der Macht seien. Schon allein deswegen stand ich mit ganzem Herzen hinter der DDR.

Ich wäre gern Arzt geworden, aber während in der Dorfschule noch alles gut lief, bin ich auf der Erweiterten Oberschule einfach nicht mehr mitgekommen. Vielleicht hatte meine Mutter Angst um meine Zukunft, als sie mich mit 16 meinem späteren Führungsoffizier vorstellte. Der meinte, Schule sei zweitrangig - man hätte andere Pläne mit mir. Das war natürlich Balsam auf meine Seele. Er hat mir zugehört und mir das Gefühl gegeben, wichtig zu sein. Dafür war ich ihm dankbar und habe fleißig berichtet. Als ich auf meinen besten Kumpel angesetzt wurde, ist mir das allerdings ganz schön schwer gefallen, aber ich hab es gemacht. So war's halt: dafür oder dagegen. Später habe ich erfahren, dass es nur ein Test war: Die Stasi wollte sehen, wie weit ich gehen würde.

Nachdem ich IM, also inoffizieller Mitarbeiter, geworden war, hat mir zuhause niemand mehr reingeredet. Ich konnte Musik aus dem Westen hören, lange Haare und lässige Klamotten tragen, wie es mir passte, weil es zu meiner Tarnung in der Künstlerszene gehörte. Nur das Händchenhalten mit der Pfarrerstochter hat man mir verboten; das ging ihnen zu weit. Mit 21 kam dann der Pakt, dem ich so lange entgegen gefiebert hatte: Ich wurde in den hauptamtlichen Dienst übernommen. Meine Karriere in der Bezirksverwaltung Gera verlief steil. Ich war Überzeugungstäter, auch wenn mir immer mal wieder Zweifel kamen. Heute bereue ich es, einem Unrechtsregime gedient zu haben."

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Karin Becker* - "zwangsverheiratet" mit der Stasi

Die 46-Jährige ist in Berlin aufgewachsen. Ihr Vater gehörte zum engsten Kreis um Stasi-Chef Erich Mielke, ihre Mutter war Sekretärin in seiner Abteilung.

"Mein Bruder und ich waren meist allein, weil unsere Eltern so viel im Dienst waren, manchmal sogar nachts. Die wenige Zeit, die wir als Familie hatten, habe ich aber in schöner Erinnerung. Die Harmonie hielt allerdings nur so lange, wie ich keine Fragen stellte und mich nur mit Leuten traf, die mein Vater genehmigt hatte. Wir Kinder sollten im Sinne der Partei funktionieren - die Drohung, dass die Eltern sich sonst von uns lossagen würden, stand immer im Raum.

Mein Bruder entsprach perfekt den Erwartungen und ist später auch zum MfS gegangen. Ich war immer etwas verträumt, das haben mir meine Eltern oft vorgeworfen. Es war ihnen wohl unheimlich, weil sie es nicht kontrollieren konnten. Wer ich wirklich war, hat sie nie interessiert. Nach dem Abi wollte ich so schnell wie möglich weg von zu Hause. Da tauchte 'zufällig' ein junger Stasi-Offizier auf und machte mir den Hof. Er wusste alles über mich und sagte, er sei für die Sicherheit meines Vaters verantwortlich. Es war klar, dass ich nicht ablehnen konnte. Die Hochzeitsfeier haben meine Eltern dann zum Großereignis unter Kollegen gemacht.

Mit meinem Mann war ich nicht glücklich, aber wegen unserer kleinen Tochter habe ich mich erst 1990 getraut, mich scheiden zu lassen. Für meinen Vater war das Verrat. Als ich dann auch noch mit jemandem zusammenkam, der in der DDR als Andersdenkender inhaftiert war, gehörte ich endgültig nicht mehr zur Familie: Mein Ex und mein Vater haben uns jahrelang bedroht und mit den bewährten Methoden der Zersetzung feindselig bekämpft. Selbst meine Tochter haben sie dazu gebracht, uns auszuspionieren und meinen Freund zu verleumden. Irgendwann hat er den Druck nicht mehr ausgehalten. 2009 hat er sich das Leben genommen. Ich habe heute eine neue Familie, bin noch einmal Mutter geworden. Jetzt bestimmen Zuwendung, Vertrauen und Liebe mein Leben - so wie ich es mir immer gewünscht habe."

*Name geändert

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Thomas Raufeisen - gefangen in der DDR

Der 51-Jährige ist in Hannover aufgewachsen. Sein Vater war Geophysiker bei der Preussag - und Stasi-Offizier. Doch das erfuhren der damals 16-jährige Thomas und sein zwei Jahre älterer Bruder Michael erst an jenem verhängnisvollen 22. Januar 1979 ...

"Mein Vater sagte, wir müssten schnell in die DDR, dem Opa ginge es schlecht. Wir haben uns nichts dabei gedacht; die Großeltern besuchten wir regelmäßig auf Usedom. Auf einem Rastplatz hat sich mein Vater noch mit jemandem getroffen - angeblich wegen der Visa. Wir sind dann in Eichwalde abgestiegen: in einem Gästehaus der Stasi, wie sich später herausstellte. Erst da hat mein Vater uns erzählt, dass die Reise in Wirklichkeit eine Flucht war: Er sei Stasi-Spion und hätte durch einen Verrat kurz vor der Verhaftung gestanden. Wir würden uns jetzt mithilfe des MfS ein neues Leben in der DDR aufbauen.

Mein Bruder und ich saßen da wie vom Donner gerührt. Plötzlich war er ein Fremder für uns. Meine Mutter weinte. Sie hatte von seiner Arbeit gewusst, aber immer gehofft, dass er eines Tages aussteigt. Natürlich wollten wir auf keinen Fall in der DDR bleiben und haben ihm bittere Vorwürfe gemacht. 'Hannover seht ihr wieder, wenn es sozialistisch geworden ist', sagten unsere 'Betreuer' von der Stasi.

Mein Vater hat schnell gemerkt, dass die Flucht ein Riesenfehler war. Immer wieder hat er vergeblich beim MfS darum gebeten, dass man ihn entlässt und er mit uns in die BRD zurückkehren kann. Michael durfte nach elf Monaten schließlich ausreisen, aber wir anderen saßen in der Falle. Wir haben alles Mögliche versucht, um rauszukommen. Die Stasi war uns immer auf den Fersen, und schließlich wurden wir verhaftet. Nach einem Jahr U-Haft in Hohenschönhausen gab's dann das Urteil wegen Republikflucht und 'landesverräterischer Agententätigkeit': drei Jahre für mich, sieben für meine Mutter, lebenslänglich für meinen Vater. Ich habe meine Strafe bis auf den letzten Tag abgesessen. Im Oktober 1984 durfte ich ausreisen - fast sechs Jahre nach unserem überstürzten Aufbruch. Meine Mutter kam erst im April 1989 frei; mein Vater starb im Oktober 1987 unter ungeklärten Umständen im Gefängnis. Ich verstehe immer noch nicht, wie er so naiv sein konnte. Er war doch ein kluger und informierter Mann und muss gewusst haben, wie die DDR wirklich ist! Wie konnte er uns da mit reinreiten? Das kann ich ihm einfach nicht verzeihen. Andererseits hat er dann ja alles versucht, uns wieder herauszuholen. Das macht mein Verhältnis zu ihm bis heute zwiespältig."

Buchtipp: Thomas Raufeisen

: "Der Tag, an dem uns Vater erzählte, dass er ein DDR-Spion sei." (Herder-Verlag)

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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.