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"Man Up"-Kampagne Boys don't cry? Was für ein Unsinn!

Ein Mann weint vor laufender Kamera
Einer Videokampagne soll mit einem veralteten Erziehungsmodell aufräumen: Männer dürfen sehr wohl weinen!
© Screenshot
Das Unterdrücken von Gefühlen, insbesondere von negativen, kann fatale Folgen haben. In Australien führt es bei Männern zu besonders hohen Suizidzahlen. Nun soll eine Kampagne dafür werben, dass es absolut männlich ist, seine Emotionen zu zeigen.

Australischen Männern eilt der Ruf voraus, besonders harte Kerle zu sein. Schließlich waren ihre Vorfahren ziemlich wahrscheinlich irgendwann mal Häftlinge gewesen, die die britische Regierung mit Sträflingstransporten in ihre Kolonie verschickt hatte, weil die eigenen Gefängnisse aus allen Nähten platzten. Im spärlich besiedelten Australien konnten die Verbrecher immerhin noch als billige Arbeitskräfte nützlich sein. Das war Ende des 18., Anfang des 19. Jahrhunderts. Derzeit jedoch, gibt es in Australien ein Problem: Die Suizidrate unter Männern ist besonders hoch. Schlimmer noch: Suizide führen die Liste an, die Gründe für den Tod australischer Männer zwischen 15 und 44 Jahren beinhaltet.

"Du musst härter werden", "Reiß dich zusammen", "Werd ein Mann", das sind die Sprüche, die sich australische Jungen und Männer anhören müssen, wenn sie Schwäche zeigen. Sie klingen nicht viel anders als Erziehungs-Phrasen für Kinder, wie sie auch bei uns Ende des 20. Jahrhunderts noch zu hören waren. Und eine aktuelle Studie aus Australien belegt, was diese Praktiken anrichten: Männer nehmen sich eher das Leben, als schwach zu wirken, weil sie um Hilfe bitten. Das soll eine Aufklärungskampagne nun ändern.

"Man Up" räumt mit dem Männlichkeitswahn auf 

In Zusammenarbeit mit dem Fernsehsender ABC startete der Radio- und TV-Moderator Gus Worland im Oktober die dreiteilige Dokumentationsreihe "Man Up", die für gesellschaftliche Aufklärung sorgen soll. Der Experte für Sport und Unterhaltung, der schon seit Schulzeiten mit dem Schauspieler Hugh Jackman befreundet ist, will den erschreckenden Zahlen auf den Grund gehen und hofft, durch gesellschaftliche Aufklärung und allmähliche Veränderungen Leben zu retten. Inzwischen sind alle drei Episoden auch online, allerdings leider nur in Australien zu sehen. 

Gefühle auch öffentlich zuzulassen, müssen nicht nur australische Männer lernen. Von den veralteten Erziehungsklischees, die Härte propagieren, sind Jungen und Männer auf der ganzen Welt betroffen. Auch in Deutschland ist die Suizidrate von Männern höher als die von Frauen.

Sie haben suizidale Gedanken? Hilfe bietet die Telefonseelsorge. Sie ist anonym, kostenlos und rund um die Uhr unter 0 800 / 111 0 111 und 0 800 / 111 0 222 erreichbar. Auch eine Beratung über E-Mail ist möglich. Eine Liste mit bundesweiten Hilfsstellen findet sich auf der Seite der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention.

bal

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