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Bayern-Reihe

Bei Herrmanns dahoam: Der Glaubenskrieg der Metzger: Zwischen Leberkas, geheimen Codes und ... Touristen

Für den stern erzählt Claudia Herrmann mit einem ordentlichen Schuss Selbstironie, wie es bei ihnen "Dahoam in Bayern" so zugeht. Bei der Konkurrenz der beiden Dorfmetzger etwa geht's ans Eingemachte.

Blick ins Schaufenster eines bayrischen Metzgers

Bayrische Metzgereien sind ein Phänomen: Die Vielfalt örtlicher Spezialitäten ist für Nicht-Bayern höchst beeindruckend – in München wie auf dem Dorf

Getty Images

Wir haben zwei Metzger hier im Dorf. Den Deininger und den Huber. Wobei der Deininger schon der Hauptmetzger ist. Woran man das merkt? Der Deininger gewinnt immer! Er hat zum Beispiel die meisten Kunden. Wenn man beim Deininger einkauft, wird man an der Fleischtheke entweder vom Deininger Hans senior oder vom Deininger Hans bedient. Das ist der Sohn. Der Deininger Hans junior, der Sohn des Sohnes, ist mit seinen 13 Jahren noch zu jung. Den Wurstverkauf übernimmt die Ehegattin von Hans senior oder die Ehegattin von Hans oder die 19-jährige Tochter – samt acht anderer Wurstverkäuferinnen.

Es fallen ständig Sätze wie: "Des is fei a ganz a schen's Stückl! Des Endstück leg i earna so no drauf! Die Wurscht is für'n Opa, die schenk i eich, der gfreit sie. Da habt's no an Milano-Spieß mit drauf – für den Herrn am Grill! So i's eana eischwoassn? Mogst du a Wiena, Bua?" Die Deininger bleiben selbst dann freundlich, wenn sich einer der vielen Touris wieder besonders bescheuert anstellt. "Sie, Fräulein", frägt der Touri also die 68-jährige Gattin Deininger senior, "eine Frage: Was ist denn das für eine Wuast?"
"Des ist a Auszogne! Des ist ganz was Feines!", strahlt sie den Touri an. "Was ist das??", frägt er die Augen zusammenkneifend zurück.
"A Wollwurst!", probiert's die Fleischfachverkäuferin auf ein Neues: "Die is ganz fein. Ganz was Guads!" Der Touri bleibt skeptisch. "Ich kenn das nicht! Wat soll das sein?" Mittlerweile ist er leicht pikiert. "A Auszogene!" Die Deiningerin strahlt immer noch. Der Touri schaut fragend. Die Deiningerin überlegt und sagt: "A Nackate! Des kennen's doch!" Der Touri schaut seine Frau an und sagt: "Wat soll das sein?" Da springt die Schwiegertochter ein. "Megt's a Bratwurscht mit Haut oder ohne?" Das Touri-Ehepaar berät 30 Sekunden und entscheiden sich dann für "ohne Haut!". "Dann nehmt's die Wollwurscht! Wivui? Drei Stück? Passt."

Porträt Claudia Herrmann

Claudia Herrmann sagt über sich selbst: "Ich bin nicht die beste Mutter und auch nicht die beste Ehefrau. Und ganz sicher nicht die beste Tochter. Perfektion können andere – ich nicht. Ich habe irgendwann beschlossen, dass mir das egal ist. Das klappt am besten mit einer Riesenportion Selbstironie."

Der ewige Wettstreit – letztlich Geschmackssache

Wenn beim Huber einer so umständlich ist, wird er einfach nicht bedient, weil der Huber da keinen Bock drauf hat. Punkt. Das war's. Umsonst gibt’s beim Huber auch nix. Und wenn der Deininger Urlaub hat und man gezwungenermaßen zum Huber gehen muss, merkt man, ehrlich gesagt, auch recht schnell, dass die Wurst ned so schmeckt und das Steak zäh ist. Dafür ist der Huber bei den meisten Sachen ein bisschen günstiger. Was ich persönlich auch recht schön finde, ist, dass beim Deininger immer steht, von welchem regionalen Hof das Fleisch bezogen wurde. Beim Huber nicht. Deswegen bin ich auch nicht neutral.

Jetzt gibt es am Dorf einen kleinen battle zwischen den Zweien. Der eine macht Kümmel an den Schweinsbraten, der andere nicht. Der eine macht den Leberkas mit Meersalz, der andere mit Jodsalz. Der eine mach 10 Prozent Backenfleisch in die Weißwürscht, der andere nur 5 Prozent. Der Deininger hat eine Schmankerltheke, der Huber eine Delikatessentheke. Die beiden führen einen erbitterten Streit darüber, wer jeweils Recht hat. "An Schweinsbrodn ohne Kümmel? Ja spinna die?!"

Der Deininger ist bei der Freiwilligen Feuerwehr. Der Huber bei der Wasserwacht. "Die Möchtegern-Baywatchler san doch eh alle z'fett ...", sagt der Deininger gern. Weiß ich jetzt auch nicht, ob das stimmt.

Die Kunden setzen eigene Prioritäten

Aber beim Deininger bekommt man auf die Leberkassemmel für 2 Euro ca. 150 Gramm Leberkas. Ich finde, das reicht. Die Burschen vom Bau sehen das anders. Die gehen zum Huber. Da gibt’s für 2 Euro 300 Gramm Leberkas auf die Semmel. Wissen Sie, wie viel 300 Gramm sind? Bestellen Sie sich das beim nächsten Mal beim Metzger! 300 Gramm. Da werden Sie aber staunen!

Neulich war ich beim Deininger (hab ich erwähnt, dass er mein Favorit ist?) und da standen zwei junge Burschen, Skifahrer aus München, vor der warmen Brotzeittheke und staunten mit großen Augen: "What the fuck?! Was ist das denn alles? Ist das Lasagne?" Weil – in der warmen Brotzeittheke gibt’s folgende Sachen (alles auf Wunsch in Semmel): Braten, Wammerl, Surhaxerl [Pökeleisbein, Anm. d. Red.], Hendlschenkel, Bratwurst rot, weiß und mit Käse, Sauerkraut, Lasagne, Fleischpflanzerl [Frikadellen, Anm. d. Red.], Kalbshaxn, selbstgemachten Kartoffel- und Krausalat sowie zwei wechselnde, frisch zubereitete Tagesgerichte.

"Wow!" Die Jungs kamen aus dem Strahlen gar nicht mehr heraus. Beim Huber gibt’s Leberkas, Schweinebraten und Kartoffelsalat. Aus eben diesen Gründen hat der Huber einen rechten Neid auf den Deininger. Weil der immer besser ist. Dem gelingt alles gut. Er hat ein Händchen dafür. Könnte einem schon leid tun, der Huber, so gesehen. Er kann ja auch nichts dafür, dass sein Konkurrent solch ein guter Geschäftsmann ist ...

Die Bauarbeiter-Codes sind höchst effizient!

Wisst ihr eigentlich, wie hier auf der Baustelle die Bestellungen für die Brotzeit abgebeben werden? Alle Gewerke auf der Baustelle suchen sich den jüngsten Lehrling. Das kann der Zimmerer sein, der Maurer, der Fliesenleger oder der Spangler [Installateur, Anm. d. Red.]. Hauptsache der Jüngste. Der bekommt einen Zettel in die Hand gedrückt mit einem geheimen Chiffriercode. Entweder er kann ihn entschlüsseln oder er hat ein Problem, der junge Buarsch. Aber zur Not hilft die Metzgersfrau. Also:

LKS = Leberkassemmel
BS = Bratensemmel
WS =Wammerlsemmel
KKS = KasKasSemmel [Käse im Leberkäse, Anm. d. Red.]
PLKS = Pizzaleberkassemmel
BWS = Bratwurstsemmel
KS = Kartoffelsalat
KK = Krautsalat
B = Breze
SS = Schnitzelsemmel (Natürlich! Was haben Sie gedacht?)
Mit SÜS = Mit süßem Senf
Mit SAS = Mit scharfem Senf
Mit Tomate = Mit Ketchup

Der Kampf ums größte Spielzeug

Am Dorf gibt es ja die heilige Dreifaltigkeit bestehend aus Sparkassendirektor, Pfarrer und Feuerwehrkommandant. Das sind die VIPs vom Land. Der Feuerwehrkommandant hat immer schon beim Deininger eingekauft und der Pfarrer auch, weil der Deininger am Sonntag immer brav in die Kirche geht und dem Pfarrer anschließend einen Kranz Lyoner zuschiebt. Nur der Sparkassendirektor hat beim Huber eingekauft. So lange, bis der Deininger sein Konto von der Hypo zur Sparkasse verlegt hat und der Bank auch noch ein Stück Baugrund verkauft hat. Jetzt sind alle VIPs beim Deininger.

Auf jeden Fall hatte der Huber irgendwann die Schnauze voll und wollte es dem Deininger heimzahlen. Deswegen hat er angefangen, aufblasbare Luftmatratzen in Form von Weißwürsten und Brezen im Laden zu verkaufen, was echt der Renner war. Alle im Dorf hatten eine. Das sah vielleicht lustig aus am kleinen Badeweiher! Der Deininger hat's ihm wiederum heimgezahlt, indem er beim Faschingszug auf einem riesigen aufblasbaren Kotelett saß, das am Dach eines Großtraktors festgezurrt war und sich zu "We are the Champions" zujubeln ließ. Das hat den Huber echt getroffen.

Aber, wie das Schicksal so ist, hat jeder mal mieses Karma. Und das war beim Deininger letzte Woche. Als seine Tochter ihm erklärt hat, dass sie vom Huber-Buam schwanger ist. Für den brach eine Welt zusammen. Was soll's, dacht ich mir. Dann machen's halt zu zweit eine Großmetzgerei!

Aber mir is eh wurscht!

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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.