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Beerdigung während Corona Trauern mit Abstand: Hinterbliebene können sich nicht gegenseitig Trost spenden


Während der Corona-Pandemie dürfen nur wenige Menschen an Trauerfeiern teilnehmen – in Australien sind es zehn. Ein Mann, der gerade seine Mutter verloren hat, prangert diese Regelung als "unmenschlich" an.

Einen geliebten Menschen oder einen Angehörigen zu verlieren tut immer weh. In einem würdigen Rahmen Abschied zu nehmen, kann den Schmerz dabei manchmal etwas lindern. Doch während der Corona-Pandemie ist auch das nur noch eingeschränkt möglich. Viele Menschen konnten ihre Lieben nicht im gewohnten Rahmen beerdigen – auch an Beisetzungen darf weiterhin nur eine eingeschränkte Zahl von Personen teilnehmen.

In Deutschland variiert die Zahl der zugelassenen Personen von Bundesland zu Bundesland. Im australischen Melbourne sind derzeit nur zehn Gäste zugelassen – plus diejenigen Personen, die für die Ausrichtung der Feier zuständig sind. Danny Ross musste kürzlich seine Mutter zu Grabe tragen und berichtete auf Facebook davon, wie bedrückend eine solche Beerdigung unter diesen Umständen ist. Nur er, seine Geschwister und ihr Vater durften teilnehmen. Nicht einmal die Enkel waren zugelassen. Die Beerdigung sei "kalt und einsam" gewesen, beschrieb Ross die Atmosphäre.

Beerdigung in Corona-Zeiten: Jeder trauert für sich

Das Bild, das Ross auf Facebook postete, lässt die bizarre Stimmung erahnen. Die zehn Personen müssen auch in der großen Kirche Abstand halten und Masken tragen, keine Nähe, kein körperliches Zeichen des Trostes ist erlaubt. "Mein Vater sitzt alleine ohne Unterstützung oder eine Umarmung von seiner Tochter oder seinem Sohn, wenn er es braucht", schrieb Ross dazu. 

Die Mutter der Familie hatte sich das Leben genommen – das wolle er nicht verheimlichen, da Suizid immer noch ein Tabu in der Gesellschaft sei, so Ross. Die Art und Weise, wie er und seine Geschwister Abschied nehmen musste, empfindet er jedoch als unwürdig. Ross prangert die Regelungen der Behörden an: "Wer immer entschieden hat, dass in einer etwa 800 Quadratmeter großen Kirche nur zehn Menschen an einer Beerdigung teilnehmen dürfen, sollte sich untersuchen lassen."

Trauernde fühlen sich alleingelassen

"Das ist ekelhaft und es muss sich ändern", schrieb Danny Ross. Vor allem ärgert ihn, dass zur gleichen Zeit mehr als hundert Menschen in einem Supermarkt einkaufen können. In dieser schwierigen Zeit fühlt sich seine Familie alleingelassen. "Es waren einige harte Wochen", sagte Ross dem australischen Nachrichtenportal "news.com.au", "aber die Beerdigung war unmenschlich".

Während in Australien über Lockerungen bei verschiedenen Dienstleistungsberufen wie beispielsweise Frisören diskutiert wird, können viele Trauernde sich nicht angemessen von den Toten verabschieden – das ist es, was Danny Ross fast noch mehr schmerzt als der plötzliche Tod seiner Mutter. "Bei der Beerdigung seiner Mutter, die sich gerade das Leben genommen hat, gibt es nichts Wichtigeres als zusammenzukommen, sich in den Arm zu nehmen und sich gegenseitig sagen zu können, dass alles gut wird", sagte er.

Quellen:Danny Ross auf Facebook / "news.com.au"

epp

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