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Bayern-Reihe

Bei Herrmanns dahoam: Ihr glaubt, ihr seid im Wildpark? Nein, das ist Bayern!

Für den stern erzählt Claudia Herrmann mit einem ordentlichen Schuss Selbstironie, wie es bei ihnen "Dahoam in Bayern" so zugeht. Dieses Mal gewährt sie Einblick in die wilde Tierwelt.

Eine Gams steht auf dem Gamskopf im Brauneck

Gämse auf dem Gamskopf: Wenn Touristen die bayrischen Wildtiere sehen, glauben sie, sie wären im Zoo

Getty Images

Wir haben hier ein echt gutes Verhältnis zu Tieren. Das merkt man schon daran, dass jeder welche hat. Ich rede jetzt hier nicht nur von Hamster, Chinchilla, Katze, Hund und Co., sondern auch von Nutzviechern. Wenn ich von der Arbeit nach Hause fahre und um die Ecke biege, muss ich sehr langsam fahren, weil ich Angst habe, eine der dort freilaufenden Hennen zu überfahren. Mitten in Bad Tölz! Die laufen da recht frech über die Straße und der dazugehörige Gockel hat seine Mädels voll im Griff. Falls sie männlich sind: Stellen Sie mal einen Vergleich zu dem Gockel mit drei (!) Frauen her. Bewundernswert, oder!?

Auf meiner Laufstrecke von neun Kilometern gibt es Tiere in folgender Reihenfolge: Forellen in einem schönen Teich im Isarstaussee, Ziegen und Esel in einem sehr, sehr großen abgesteckten Bereich, bei dem man die ganz toll über den Zaun streicheln kann – auch an der Isar gelegen. Dann kommen die Schafe auf der Weide am Return-Punkt. Schafe sind übrigens überhaupt nicht flauschig, sondern eher wächsern. Auch die kleinen. Dann kommen auf der Anhöhe zum Schloss Hohenburg die Mufflons. Das sind Rinder mit gaaaaanz langem Fell. Die züchtet da jemand. Sind sehr hübsch! Danach kommen die Laufenten. Die hält der Nachbar. Die sind einfach nur aufgeregt. Oben am Schloss angekommen warten die normalen Enten. Immer pärchenweise – so süß! Sommer wie Winter. Im Frühling kommen noch die ganzen Kröten und Frösche dazu. Meine Kinder haben die früher immer gern gesammelt. Einfach so zum Spaß! War echt lustig. Tja, jetzt sind die beiden groß und ich laufe um die Kröten und Frösche herum. So viel zu den Kleintieren.

Porträt Claudia Herrmann

Claudia Herrmann sagt über sich selbst: "Ich bin nicht die beste Mutter und auch nicht die beste Ehefrau. Und ganz sicher nicht die beste Tochter. Perfektion können andere – ich nicht. Ich habe irgendwann beschlossen, dass mir das egal ist. Das klappt am besten mit einer Riesenportion Selbstironie."

Besucher können sich das gar nicht vorstellen!

Neulich saß ich im Vierer-Sessellift zum Brauneck rauf mit einem Vater und seinem Sohn. Bei uns gibt es immer mal wieder Gämsen zu sehen, praktisch jeden Tag. Wissen Sie, was eine Gams ist? Na ja, wie soll ich's beschreiben ... eine größere Bergziege mit Hörnern und braunem Fell. Die Gams steigt auf Höhen und ausgesetzte Tritte, da würde jeder erfahrene Bergsteiger sofort abstürzen. Die Gams-Population bei uns ist so groß, dass die Tiere gezielt für die Jäger zum Abschuss freigegeben werden! Zwoa Gams pro Person im Jahr.

Im Vierersessel frägt also der zwölfjährige Sohnemann den Papa, aus welchem Tierpark die "Jämse" wohl ausgebrochen sei. Der antwortet mit den Worten: "Hier gibt’s ganz in der Nähe einen Wildpark!" Tut's nicht! Die leben da frei. JA! SO IST ES! Die vermehren sich sogar viel zu viel.

Raten Sie mal, was gefährlicher ist: Murmeltier oder Steinbock?

Anderes Beispiel, liebe Möchte-gern-Bergfreunde? Steinböcke. Wissen Sie, wie groß ein Steinbock ist? Joah, mit Geweih langen da zwei oder drei Meter nicht. Am Brauneck oben geht man zur Benediktenwand. Da lebt eine gesunde Population von ca. 30 Steinböcken. Der Weg dorthin führt durch kleine Sträucher und Stauden, die lehmige Wege säumen. Die benutzen auch die Steinböcke. Es kann also durchaus passieren, dass Sie da Ihre schöne Wanderung machen und auf einmal steht der Steinbock da. Das ist aber alles kein Problem! Der Steinbock ist das gewohnt. Der wartet einfach ab, bis Sie sich ängstlich ins Gebüsch drücken und läuft dann routiniert dran vorbei. Er ist halt zwei, drei Meter groß und hat Hörner. Aber einfach cool bleiben.

Meine Tochter hatte im Abiturjahr Geldprobleme und hat deshalb einen Job im Tierheim ergattert. Falls Sie Kinder haben, reden Sie Ihnen das aus! Deswegen haben wir jetzt drei Katzen – danke noch mal, Hannah! Im Tierheim wurde auf jeden Fall ein Murmeltier abgegeben. Das Murmeltier hat in Bad Tölz schon zwei Wochen die Gärten in der Siedlung umgegraben, bevor es gefangen werden konnte. Wissen Sie, wie ein Murmeltier aussieht?! So süß!! Googeln Sie das! Jetzt sofort! Wie niedlich!

Besagtes Murmeltier hat sich im Tierheim aber wenig kooperativ verhalten. Das ultra niedliche Murmeltier hat zwei extrem große Zähne, die einem mal locker dem Daumen abbeißen können. Da es schon so lange in Tölz wohnte, kannte es Menschen und war recht unscheu. Hieß in der Praxis: Sobald meine Tochter das Murmeltier füttern wollte, rannte das Viech wie verrückt auf sie zu, Töchterlein schmiss panisch das Futter in den Raum und zog die Tür wieder zu. Saubermachen fiel aus. Selbst der alte, erfahrene Tierheimbesitzer traute sich nicht zum Saubermachen rein, so viel Respekt hatte er vor dem Tier. Am zweiten Tag hatte das Murmeltier rund 60 Prozent des Holzfensterrahmens weggefressen und der Tierheimbesitzer meinte auch, dass eine andere Lösung besser wäre. Das Murmeltier wurde an der Benediktenwand ausgewildert. Falls Sie von ihm angefallen wurden – schreiben Sie mir.

Ein Murmeltier zeigt seine Zähne

Niedlich, so ein Murmeltier – bis auf die Beißerchen

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