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Bayern-Reihe

Bei Herrmanns dahoam: "Home is where the Katzenhaare are"

Für den stern erzählt Autorin Claudia Herrmann mit einem ordentlichen Schuss Selbstironie, wie es bei ihnen "Dahoam in Bayern" so zugeht. Diese Folge widmet sie ihren Katzen, die zu Hause die Herrschaft übernommen haben.

Eine weiße Katze liegt ausgestreckt auf einer Wiese mit in Blumen

Birdie hat was von David Bowie, ist aber ansonsten ein richtiges Mädchen: Sie mag Blumen

Wenn man sich eine Katze anschafft, ändert sich alles. Jeder, der eine Katze hat, wird Ihnen das bestätigen. Nach kürzester Zeit ist die Katze der Boss. Glauben Sie mir. Ich hab die ganze Wandlung von A bis Z durchgemacht. Bevor wir Katzen hatten, hat mir eine Bekannte erzählt, dass sie bei ihrer Chefin daheim bezüglich eines Arbeitsgespräches eingeladen war. Während die beiden am Tisch verschiedenen Punkte geklärt haben, lag die Katze breitlings darauf.
"Nein!", hab ich empört gesagt.
"Doch!", hat meine Bekannte ganz ernst genickt.
Und ich habe gesagt: "Das geht ja gar nicht!" und meine Bekannte hat stürmisch mit dem Kopf genickt. Wenn heute eine unserer Katzen auf den Tisch springt, sagen wir so was wie: "Ja, bist du auch da?" oder "Ja, magst du auch mitreden!" oder "Ja, bist du so toll auf den Tisch gesprungen."

Ich sollte mich schämen, ich weiß. Aber ich kann da nix dafür! Die manipulieren einen durch Niedlichkeit. Das ist unfair. Wir haben ja ein Pärchen, Geschwister, die sich innig lieben. Das Katerchen, Yuki, frisst recht schlecht. Wenn er dann abends auf die teure Flauschdecke springt und dort glücklich einschläft, kann ich ihn da nicht runterhebeln. Ich bring das einfach nicht übers Herz und zieh mir stattdessen einen wärmeren Pulli an. Schläft doch so friedlich, das kleine Kerlchen.

Porträt Claudia Herrmann

Claudia Herrmann sagt über sich selbst: "Ich bin nicht die beste Mutter und auch nicht die beste Ehefrau. Und ganz sicher nicht die beste Tochter. Perfektion können andere – ich nicht. Ich habe irgendwann beschlossen, dass mir das egal ist. Das klappt am besten mit einer Riesenportion Selbstironie."

Katzenhaare immer und überall (sogar im Essen)

Überhaupt: Egal wie putzeifrig, hygienisch und sauber Sie vor dem Katzeneinzug waren, ab jetzt liegen überall Katzenhaare rum. Egal wie oft Sie saugen und wischen. Das ist ein Kampf gegen Windmühlen. Glauben Sie mir, ich habe das versucht! Ich habe jeden Tag morgens gesaugt und am Abend gewischt. Es ist nicht möglich, dieser Haarflut Herr zu werden. Ich habe mich jetzt damit abgefunden, dass ich jeden zweiten Tag sauge, zweimal in der Woche wische und ich mich über die halbe Stunde katzenhaarfreie Zeit freue. Die Katzenhaare sind auch hin und wieder mal im Essen. Ja, ich weiß, das ist ultra ekelig! Hab ich vorher auch immer gesagt. Aber es ist leider Fakt. Meine in Köln studierende Tochter, die uns ab und zu besucht, sagt: "Home is where the Katzenhaare are!" Das trifft's ganz gut.

Wenn ich den ganzen Tag gearbeitet hab, spät dran bin und dann auch noch zum Einkaufen musste, haben die Miezis natürlich ordentlich Hunger und stehen schon beide miauend in der Einfahrt parat. Ich gehe dann in Schuhen und Jacke eilig in die Küche, schmeiße die Einkäufe vorübergehend in die Ecke und beeile mich, ihnen möglichst schnell ihr Abendessen zu geben, während die beiden Herz zerreißend neben mir miauen. Obwohl ich selbst seit dem Vanillejogurt in der Früh nichts mehr gegessen habe und die zwei Trockenfutter zu Verfügung hätten.

Kotzen? Nur auf den guten Teppich!

Es ist mir mittlerweile auch egal, das unsere Katze, Birdie, grundsätzlich den teuren weißen Teppich vollkotzt. Ganz zielsicher. Vorher lässt sie nix raus, erst, wenn sie am Teppich ist. Und ich sage dann so was wie: "Ja, Birdie! Hast du kotzen müssen! Du Arme. Jetzt ist wieder gut, gell. Jetzt ist wieder gut." Während ich zum x-ten mal den scheiß Teppich mit dem Spezialmittel behandle. Überhaupt ist Birdie eine sehr erfolgreiche Jägerin, die gerne mal stolz Vögel, Libellen, Mäuse und zehn Zentimeter große Fische mit heimbringt. Jedes mal sieht sie uns stolz an und wir loben sie halbherzig. Die Katze macht das, weil sie denkt, man selbst sei ein schlechter Jäger.

Wir sind auch miese Fütterer. Irgendwie mach ich es nie richtig. Einen ganzen Monat geht nur "Whiskas Ragout Geflügel" (nicht Rind!), alles andere Futter wird ignoriert, im nächsten Monat geht ausschließlich "Felix Lamm Gelee". Alle anderen Futter Sorten werden ignoriert. Es ist auch wichtig, wo das Futter steht. Es gibt Orte, da wird auch die richtige Futtersorte verweigert, weil der Platz nicht stimmt.

Leckerlis? Pfff!

Mein Bruder hat eine Hündin. Die frisst jedes Leckerli, das ich ihr anbiete, so schnell kann ich gar nicht schauen. Unsere Miezen schauen die Leckerlis argwöhnisch an und wenn man Glück hat, hat man es richtig gemacht: Das Fellknäuel lässt sich dazu herab, das doofe Leckerli zu fressen.

Wenn das Futter nicht adäquat ist, wird die Katze gar nichts mehr fressen und dem Besitzer eine Menge Sorgen bereiten. Und jeder Katzenbesitzer wird mir zustimmen!! Aber ich denke, zu diesem Zeitpunkt werden eh nur noch stolze Miezenhalter diesem Artikel folgen.

Also können wir ja offen reden.

Ich weiß ja nicht, wie das bei Ihnen ist, aber wir hatten das komplette Sicherheitsprogramm: Katzen tätowieren, kastrieren, impfen und chippen lassen. Halsband mit Halterdaten in Plastikkugel um den Hals war leider aufgrund mangelnder Katzenbereitschaft nicht möglich. Außerdem haben wir eine Katzenklappe, die durch den Chip gesteuert wird, einbauen lassen.

Schließlich sind die zwei einige Male viel später heimgekommen als gewöhnlich und ich hab die beiden ab 20 Uhr besorgt gesucht.  Deswegen habe ich den MiauFinder gekauft. Der heißt wirklich so! Der MiauFinder funktioiniert nach dem Prinzig eines Lawinenpiepsers. Die Fellnase trägt das Halsband mit dem Sender und man muss halt die Nachbarschaft schleifenförmig abgehen, dann findet man den Miauzer irgendwann. Man muss halt in Kauf nehmen, dass die Nachbarn denken, man hat nicht mehr alle Tassen im Schrank. Wohingegen GPS halt nicht funktioniert, wenn der Kater im Keller eingesperrt ist. Das ist mein Ober-Albtraum! Die Mieze verdurstet 30 Meter entfernt in Nachbars Keller! Aber ich bin da auch überzogen besorgt, ich weiß, ich kann nicht anders.

Eine Katze guckt in die Kamera

Wie er wieder guckt, der Yuki!

Verwöhnt hoch zehn

Mein Mann ist aber auch nicht besser. Der Kater schläft unheimlich gerne mit dem Kopf in seiner Hand. Nur ist das jetzt so, das ihm nach spätestens einer halben Stunde die Schulter einschläft. Er zieht es trotzdem noch weitere 30 Minuten durch. Weil der Kater so süß schläft, im Traum mit seinen Pfötchen einen imaginären Vogel fängt und er es nicht übers Herz bringt, ihn zu stören. Unglaublich, wie man seine eigenen Ideale über den Haufen wirft, nur weil die Mieze so entzückend schaut.

Gleiches, wenn man vor dem PC sitzt, einen Abgabetermin hat und die Katze sich zielsicher auf der Tastatur niederlässt. "Ich MUSS jetzt arbeiten!", sagt man also ernst zur Katze. Die Katze sieht einen ernst zurück an, mit einem Blick, der signalisiert: "Ich MUSS jetzt gekrault werden!"

Wir haben eigentlich auch irgendwann beschlossen, dass die Katzen nicht ins Schlafzimmer dürfen. Jetzt mal ehrlich: Wer hält das durch, dass der supersüße kleine Kater nachts an der Schlafzimmertüre fiept? Da dürfen Sie aber kein schlagendes Herz in Ihrer Brust haben, oder?? Blöd ist nur, wenn der Kater vorher auf dem frisch geodelten (mit Gülle gedüngten, Anm. d. Red.) Feld des Nachbarn war ...

Ab und zu hat der kleine Kater Bauchweh, das merke ich, wenn der Bauch etwas geschwollen ist. Dann mach ich ihm eine Wärmflasche. Mag er recht gern. Die Kleine hatte mal Rückenprobleme, da hatten wir eine sehr nette kompetente Katzen-Osteopathin da. So viel Katzenbesitzer gibt’s, glaub ich, auch nicht mehr, die so was machen.

Und dann kam Chilli

Eines Tages hat unsere Tochter einen 450-Euro-Job ergattert. Im Tierheim. Nach zwei Monaten wurde dort der super-liebste-dankbarste-alte Kater eingeliefert, der verwahrlost aufgefunden worden war. Der Kater war so dankbar, dass, wenn man ihn streichelte, er unkontrolliert sabberte. Hannah kam also heim und lud mich ein, besagten Kater mit ihr zu besuchen. Mein Mann sagte sehr ernst: "Schatz, ist okay, wenn du da hingehst, aber wir nehmen kein Tier mehr! Ernsthaft." Ich hab ganz ernst genickt und gesagt: "Ja. Kein Tier mehr!" Aber mal ganz ehrlich: Wenn er mich da hinlässt, ist er auch selber schuld ...

Jetzt ist also der alte "Chilli" eingezogen und wir haben drei Katzen. Chilli ist so liebesbedürftig, dass er grundsätzlich mit uns ins Bett geht und dabei schnurrend und dankbar zwischen uns schläft. Wenn man ihn am Bäckchen streichelt, drückt er einem sein Köpfchen zärtlich ins Gesicht. Drei Wochen nach seinem Einzug bekam er eine schlimme Lungenentzündung, fraß nichts mehr und hechelte nur noch. Mein Mann ist äußerst sparsam, aber brachte ihn mit folgenden Worten in die Tierklinik: "Es ist mir scheißegal, was das kostet! Wir müssen den hier irgendwie durchbringen!"

Der  Kater wurde wieder gesund. Chilli ist schon sehr alt und manchmal hängt ein bisschen getrocknete Scheiße im Fell, weil er nicht mehr zum Putzen hinkommmt. Uns ist das egal. Hauptsache, er ist gesund. Auch das verstehen nur wahre Katzenbesitzer!

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