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Bayern-Reihe

Bei Herrmanns dahoam: Hilfe, die Touris kommen – wann lernen die endlich Skifahren?

Für den stern erzählt Claudia Herrmann mit einem ordentlichen Schuss Selbstironie, wie es bei ihnen "Dahoam in Bayern" so zugeht. Wenn es im Winter zum Skifahren geht, entdeckt sie alljährlich die gleichen Typen von Touristen auf "ihrem" Berg.

Eine Frau fährt ungelenk Ski

Skifahren? Kein Problem! Hauptsache, das Outfit stimmt.

Getty Images

Skifahren ist lustig! Wir wohnen ja direkt neben dem Skiberg, das heißt mit dem Auto eine Minute. Luftlinie ungefähr 800 Meter an das Brauneck. Das ist auch bekannt als der Münchner Hausberg, weil er von München aus in ca. einer Stunde erreichbar ist. Das nächstgelegene Skigebiet vor Österreich. An vielen Tagen geht's am Brauneck zu wie am Stachus, deswegen muss man oftmals bei der Bergfahrt anstehen. Gerade am Vormittag.

In der Schlange stehend hat man viel Zeit, sich umzuschauen

Die Familie. Die sind zu viert mit Sohnemann und Tochter. Der Vater trägt die Ski der 14-jährigen Tochter, die immerzu entnervt atmet, weil deren Mutter mit der peinlichen pinken, zehn Jahre alten Steppjacke ständig frägt, ob irgendwer Schokolade möchte. "Mom! Jetzt hör doch mal auf. Mir ist eh schon schlecht!" Ihr elf Jahre alter Bruder quengelt derweil immerzu, dass ihm die Schienbeine in den Skischuhen wehtäten. Der Vater versucht in der Schlange stehend die Einstellungen der Schnallen besagter Skischuhe erfolglos zu optimieren. Währenddessen hält er folgenden Vortrag: "Und immer schön den Talski belasten und Gewicht auf die Ferse!" Während Mutti den Vortrag begleitet mit: "Und in die Hocke gehen nicht vergessen!" So lange, bis beide Kinder beschämt die Hand vors Gesicht halten. (Alle vier fahren den gleichen SL Fischer Slalom-Ski vom vorvorletzten Jahr, den ihnen der hiesiege Skiverleih völlig überteuert ausgeliehen hat.)

Porträt Claudia Herrmann

Claudia Herrmann sagt über sich selbst: "Ich bin nicht die beste Mutter und auch nicht die beste Ehefrau. Und ganz sicher nicht die beste Tochter. Perfektion können andere – ich nicht. Ich habe irgendwann beschlossen, dass mir das egal ist. Das klappt am besten mit einer Riesenportion Selbstironie."

Der Oldie. Das ist der Mittfünziger aus München mit seinen 30 Jahre alten Zwei-Meter-Skiern, von denen er nach wir vor überzeugt ist, sie seien die besten ever. Ebenso wie der goldfarbene Ski-Overall und die Uralt-Skibrille. Besagter Oldie findet sich aufgrund seines Materials besonders authentisch und belächelt die Menschen mit neuerem Material milde. (Besagte Zwei-Meter-Skier hatten den Namen Race Tiger, werden seit 1967 nicht mehr in dieser Form gebaut und haben eine Taillierung, die mittlerweile nicht mehr zulässig ist.)

Die Cracks. Vier bis sechs Jungs. Äußerst selten ist ein Mädel dabei. Alle mit den allerallerneuesten Freeride-Ski-Anzügen (die mit den weiten Jacken und weiten Beinen, meist unifarben), den riesengroßen blau gefärbten Skibrillen, Powderbändern (falls man im Tiefschnee den Ski verliert ist er am Skischuh durch ein Band befestigt) und den weißen Kopfhörern, die aus der Hardshell-Jacke ragen. Alle kauen Kaugummi, reden wenig, wirken extrem cool und fühlen sich den anderen Skifahrern äußerst überlegen. Die Cracks fahren in jeden Scheiß rein und reden sich ein, es wäre Tiefschnee, obwohl es nur zehn Zentimeter sind und sie sich größtenteils die Ski ruinieren. Mit richtigem Tiefschnee wären 80 Prozent von ihnen überfordert. (Die Cracks haben allesamt ultrabreite Tiefschnee-Ski, die am ehesten für Kanada geeignet wären, aber ganz sicher nicht fürs Brauneck, weswegen sie die Ski einzeln und nicht wie vorgesehen doppelt in die Halterungen der Bergbahn stellen müssen.

Die Tussi. Sie ist voll geschminkt und trägt die blondierten Haare in aller Fülle, nicht zusammengebunden, unter dem weißen Helm. Dazu hat sie eine weiße, viel zu dünne Jacke mit Fellkragen an, in der sie ihrer Meinung nach eine gute Figur hat. Dazu eine eng anliegende Jet-Ski-Hose und die weißen Damen-Skier mit einer geschwungenen Aufschrift, so was wie "Carpe Diem". Besagte Tussi ist nicht in der Lage, ihre Skier vernünftig zu tragen, sondern sie hängen kreuzweise über ihre Schulter, während sie fast über ihre noch offenen Skischuhe stolpert. Der ultragroße schwarze Woll-Loop schränkt das Sichtfeld maximal ein. Die Tussie lacht immerzu, auch wenn ihr die Skier wegen der falschen Tragweise sechs mal runterfallen. Beim Passieren der Schranke braucht sie fünf Anläufe, weil sie vergessen hat, wohin sie ihre Liftkarte gesteckt hat. Die Tussi kann nur blaue Pisten, dafür lacht sie immer zu. (Die Tussi fährt einfach die schönsten Ski, unabhängig von ihrer Funktion.)

Der Skilehrer. Der in die Jahre gekommene, super gebräunte Ex-Skilehrer von 55 Jahren belächelt in seinem alten Bogner-Anzug alle anderen, weil er so toll "wedeln" kann. Das man heute nicht mehr wedelt, sondern curvt, andere Klamotten und andere Ski hat, ist bei ihm noch nicht angekommen. Er steckt in einer Zeitellipse fest. Deswegen trägt der Ex-Skilehrer auch konsequent immer noch eine Mütze und keinen Helm. (Besagter Skilehrer fährt entweder einen Slalom- oder einen Riesenslalom-Ski, weil er keine Ahnung hat, dass es mittlerweile Rocker-, Freerider-, Allrounder-, All-Mountain-, Performance- und High-Perfomance-Ski gibt.)

Die Schaufler. Das sind die Buckelpisten-Fahrer, die das durchaus professionell betreiben, weil bei uns immer mal wieder Meisterschaften ausgetragen werden. Der Name kommt daher, dass sie zu 70 Prozent ohne Skier am Berg stehen und mit Schaufeln versuchen, die Buckelpiste zu optimieren. Die Schaufler sind allesamt ultra cool angezogen und fahren Twintips (Ski mit vorne und hinten aufgebogenen Spitzen und keiner Platte unter der Bindung, um besonders viel Feingefühl auf den Ski übertragen zu können.) Die Schaufler haben allesamt soziale Probleme. Als Tourist werden Sie mit ihnen kaum ins Gespräch kommen.

Dad mit Sohn. Der 45-jährige verlassene Papa, der sonst kaum Sport macht und heute mit dem achtjährigen Sohnemann "Skilaufen" geht. (Bitte sagen Sie nicht Skilaufen, sondern Skifahren!) Der Dad hat einen weißen Damenhelm auf, weil der im Sportgeschäft so gut passte. Alle erfahrenen Skifahrer nehmen diese Tatsache irritiert zur Kenntnis. Dazu trägt Dad eine schmale Sonnenbrille und hat ein Bein der Hose über dem Skischuh und eines bis unten. Papa gibt Sohnemann immerzu kluge Ratschläge, obwohl er selbst oberscheiße Ski fährt. Der Dad fährt die einzigen je selbst gekauften Ski seines Lebens von 2012. Marke K2 All Mountain. Nicht weil er Ahnung hat, sondern weil sich das damals gut anhörte. Bezüglich der Skier seines Sohnes hatte er ein langes Gespräch mit dem Skiverkäufer im Sportfachgeschäft, bei dem der Verkäufer entnervt die Ahnungslosigkeit der Vaters wahrnahm und richtigerweise einschätzte, dass die Art der Ski bei einem Achtährigen nicht wirklich entscheidend ist. (Es wurden Rocker in 132 cm mit leichten Tendenzen zum Allrounder, aber auch Eigenschaften eines Riesenslalom-Skis – falls man genug Druck auf die Kanten bringt.) Ich glaube, besagtem Buben ist das alles scheißegal, er will einfach nur Skifahren.

Und dann geht's los – oder so

Oben angekommen sieht man die Familie wieder. Sie fahren zu viert hintereinander. Der Vater brüllt Anweisungen von vorne zur entnervten Teenagerin und die Mutter brüllt mahnende Worte zum entnervten Elfjährigen.

Die Tussi mit dem übergroßen Loop ist mit dem alternden Skilehrer zusammengestoßen, der sich liebevoll um sie kümmert, während sie andauernd kichert. Anschließend macht er einen kostenlosen privaten Skikurs mit ihr, was ihr Freund gar nicht prickelnd findet.

Die Cracks sitzen irgendwann im Lift mit dem mit Mittfünfziger und seinen Zwei-Meter-Skiern und führen eine angeregte Materialdiskussion.

Die Schaufler chillen gerade, als der Sohnemann des alleinerziehenden Dads den letzten Buckel ihrer geschaufelten Strecke gekonnt als Schanze nutzt, und überzeugen den Vater anschließend vom Talent seines Sohnes.

Gestatten Sie mir einige lieb gemeinte Hinweise: bitte!

Lasst eure Kinder nicht an diesem irritierenden Hundegeschirr fahren, bei dem der Vater von hinten die Zügel hält. Dadurch wird das Kind niemals gescheit Skifahren lernen! Eher andersrum, es lernt seinen Schwerpunkt nicht!

Als Nächstes: Das Kind hinter der unsicheren Mami herfahren lassen, bringt auch nix! Es wird ihre unsichere Fahrweise nur nachahmen. Ebenso wenig helfen die Anweisungen des Vaters, der meint, er weiß alles, in Wirklichkeit aber keine Ahnung hat.

Hier bei uns können alle Kinder richtig gut Skifahren. Wirklich alle! Wissen Sie, was das Geheimnis dahinter ist!? Soll ich's verraten? Wir nehmen keine Rücksicht! Ernsthaft! Wir Erwachsene fahren einfach extrem schnell und die Kleinen kommen schon irgendwie hinterher. Sohnemann und Töchterlein haben dann einen internen Wettstreit, wer der Schnellste ist. Wer als Erster da ist, wird gelobt. Wer Letzter wurde, wird ermutigt. Wenn eines der Kinder stürzt, versucht es so schnell wie möglich aufzustehen und weiterzufahren, damit es keiner aus der Familie merkt – auch wenn es sich wehgetan hat. Falls ein anderes Familienmitglied den Sturz bemerken würde, würde er/sie ihn anerkennend kommentieren mit den Worten: "Ey! Toller Sturz!"

Es braucht auch keinerlei Technikhinweise. Die schauen sich das schon ab. Den einzigen sinnvollen Technikhinweis, den es beim Skifahren gibt, ist: Knie viere! – Knie nach vorn. Skifahren lernen ist für die Kids easy: einfach hinterherfahren, an die Grenzen gehen, sich überwinden, auch wenn's schwer ist oder kalt ist oder weh tut! Nicht gleich aufgeben und ein bisschen Eier zeigen – dann ist Skifahren ganz einfach!

Glauben Sie mir! Hab's ausprobiert ;-)

Wissenscommunity

Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.