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Bayern-Reihe

Bei Herrmanns dahoam: "Gute Nachrichten, beide Kinder verreisen!" "Dann können wir nackt auf die Couch!"

Für den stern erzählt Autorin Claudia Herrmann mit einem ordentlichen Schuss Selbstironie, wie es bei ihnen "Dahoam in Bayern" so zugeht. In dieser Folge haben sie und ihr Mann fünf Tage kinderfrei.

Ein Paar sitzt im Bademantel auf dem Sofa und freut sich

Nach 15 Jahren endlich allein zu Haus ... (Symbolbild)

Getty Images

Neulich hatte ich mit meinem Mann folgendes Gespräch: "Schatzi, weißt waaas? Ich hab gute Nachrichten! Die Hannah fährt nächste Woche fünf Tage aufs Wacken-Festival (das ist ein Heavy Metal Event)." Mein Mann reagiert erleichtert: "Endlich mal kein Endlos-Gequatsche abends auf der Couch!"
"Ja, aber du weißt das beste noch nicht!", strahle ich ihn an. Er ist neugierig. "Der Max ist genau in dieser Zeit auf Klassenfahrt!"

Es dauert ein bisschen, bis er ungläubig "Nein?!" frägt. "Doch!" Ich strahle noch mehr. "Wir sind exakt fünf Tage allein daheim, ohne irgendein Kind. Von Mittwoch bis Sonntag!" Er richtet sich auf mit den Worten: "Ist das wahr? Ist das wirklich wahr?" Ich nicke und anschließend machen wir High five, klatschen danach schnell in die Hände und machen dabei "Freu, freu, freu"-Geräusche. Wir sind seit ca. 15 Jahren das erste Mal ganz allein daheim!

Porträt Claudia Herrmann

Claudia Herrmann sagt über sich selbst: "Ich bin nicht die beste Mutter und auch nicht die beste Ehefrau. Und ganz sicher nicht die beste Tochter. Perfektion können andere – ich nicht. Ich habe irgendwann beschlossen, dass mir das egal ist. Das klappt am besten mit einer Riesenportion Selbstironie."

Wir überlegen sofort, was wir da alles machen können. Uns fällt auch gleich etwas ein: Wir könnten nackt auf der Couch sitzen! Vielleicht ist das etwas irritierend, dass das unser erster Gedanke ist, aber wir können uns seit 15 Jahren daheim nicht mehr frei bewegen. 15 Jahre sind eine lange Zeit.

Endlich mal allein sein!

Wenn ich nur in Unterhosen und T-Shirt kurz durchs Hause flitze und mein Sohn mich dabei sieht, macht er leise Würggeräusche. Einmal hatte er mit mir diesbezüglich ein ernstes Gespräch, dass er einen bedeutenden seelischen Schaden davontragen könnte. Da hatte ich mich einmal oben ohne im Garten gesonnt und er kam unerwartet heim. War 'ne ernste Sache! Ich hab mich danach nie wieder oben ohne im Garten gesonnt.

Mein Mann hat da ein eigenes Argument: Er sagt, wenn er hier vor der Hannah nackt rumrennen würde, hätten ja alle anderen zukünftigen Freunde von ihr ein nicht einzuholendes Defizit! Das wäre ja praktisch unfair! Wenn man nie an das Unerreichbare rankommt. Mein Mann hat diesbezüglich ein recht hohes Selbstbewusstsein.

Die Kinder haben sich dann beide verabschiedet mit den Worten: "Ned auf'm Küchentisch! Wir wollen da in Zukunft noch essen können!" Woraufhin ich sehr errötet und echauffiert geantwortet habe: "Also, was denkt denn ihr! Ich ... Also ... Zsss ... es ... sag du mal was!" Mein Mann hat nix gesagt, sondern nur gegrinst. Die Kinder haben den Abschied dann recht kurz gehalten.

Mittwochabend

Wir sind beide um 18 Uhr von der Arbeit nach Hause gekommen.
Es ist 19 Uhr. Wir sind beide geduscht, haben gegessen und sitzen mit einem fetten Grinsen im Gesicht nackt auf der Couch.
"Total befreiend, oder?" Ich lehne mich entspannt zurück: "Boah, seit 15 Jahren das erste Mal ohne Gedanken an die Kids!" Wir lächeln uns glücklich an und ich wende mich meinem Mann auffordernd zu ... als es an der Tür klingelt. Erschrocken sehen wir uns an. Ich laufe direkt in den ersten Stock ins Schlafzimmer, während mein Mann mit einem Gäste Handtuch um die Lenden die Tür öffnet. Mein Schwiegervater ist da und muss etwas Dringendes mit meinem Mann bezüglich der Testamentverfügung besprechen. GERADE HEUTE!

Donnerstagabend

20 Uhr. Wir sitzen nackt auf der Couch und haben Pizza bestellt. Wir bestellen nie Pizza und essen die nie auf der Couch. Besonders nicht nackt. Zumindest, wenn die Kinder da sind! He, he, aber WIR haben ja sturmfrei. Scheiß auf das Gluten und scheiß auf die Kohlehydrate! Als der Pizzabote kommt, nimmt mein Mann die Pizza wieder mit dem Handtuch um die Lenden entgegen. Ich glaube, er könnte sich daran gewöhnen. Nachdem wir die Pizza gegessen haben und ein toller Film anfängt, sitzen wir händchenhaltend da.

20.45 Uhr. "Schatzi, mir ist kalt! Ich zieh mir was an."
 "Ja klar! Du Arme! Zieh dir was an. Nicht, dass du noch krank wirst! Das ist es nicht wert. Ich stelle die Fußbodenheizung höher, dann ist es morgen wärmer, okay?"
"Okay", lächle ich ihn an.
"Nimm mir auch meine Hose und den Pulli mit ja?", ruft er mir noch hinterher.

Freitagabend

Es ist warm. Mein Mann hat bis 16 Uhr gearbeitet und hat danach noch 18 Löcher Golf gespielt. Die Freitagabend-Runde. Das Golfspiel hat länger gedauert als erwartet und er kommt um erst um 21.15 Uhr heim. Dementsprechend groß ist der Hunger. Nachdem er eine Riesenportion Spaghetti Carbonara gegessen hat, schläft er eine halbe Stunde später friedlich auf der Couch ein. Ich decke ihn behutsam zu – er ist ja nackt – wie ich auch. Wir haben ja noch morgen, tröste ich mich.

Samstagabend

Heute aber!
20 Uhr. Wir sitzen nackt auf der Couch, die Rotweinflasche ist geöffnet und wir machen High five.
22 Uhr. Das Telefon läutet. Der Sohnemann ist dran. Er wurde auf der Klassenfahrt rauchend im Zimmer der Mädchen erwischt und bekommt einen Verweis. Er reicht dann direkt den Hörer an die Lehrerin weiter, die mir eine halbstündige Predigt hält, in der sie mir indirekt vorwirft, dass ich meinen Sohn nicht richtig erzogen habe. Hannah whatsappt derweil mit ihrem Vater, weil die Leute in der Wacken-Gruppe ihrer Meinung nach unorgansiert sind, was die Heimreise betrifft. Und welche Route ihr Vater denn vorschlägt.
Um 24 Uhr schlafen wir beide nackt auf der Couch ein. Irgendwann deckt uns mein Mann mit der Decke aus dem Katzenkörbchen zu, die voller Haare ist.

Sonntag

9 Uhr. Das Telefon läutet. "Hallo!", antworte ich schlaftrunken. Hannah ist dran. Sie sind schon nachts losgefahren und sie ist in zwei Stunden zu Hause.
"Okay, freu mich!", antworte ich. Nachdem aufgelegt habe, sehe ich mich im Haus um. Wir haben hier alles verlottern lassen. Da steht noch der Pizzakarton, um den Tisch sind lauter Brösel und in der Küche steht unabgespültes Geschirr. Außerdem sind wir beide immer noch nackt! Ich glaube, wir haben uns doch etwas gehen lassen, in der kinderfreien Zeit. Aufgeregt wecke ich meinen Mann, wir räumen eilig auf und putzen im Erdgeschoß, was geht. Gerade als Hannah heimkommt, sind wir fertig.
"Das ist ja wie früher, als deine Eltern im Urlaub waren!", raunt mein Mann mir noch zu.

Dienstag

Hannah steht vor mir und sagt: "Weißt du waaas? Der Max hat genau in der Woche, in der der Papa nicht da ist, seine Orientierungstage! Das heißt, wir zwei sind ganz allein daheim und können ein 'Herr der Ringe'-Marathon machen!" Wir machen High five, klatschen ganz schnell in die Hände und machen "Freu, freu, freu"-Geräusche.

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