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"Enfant Exterieur": Hilfe, mein inneres Kind kommt raus!

Cristian Girotto glaubt daran, dass in jedem Menschen noch ein junges Herz wohnt, das instinktiv agiert, kreativ, unschuldig und naiv ist. Wenn es zum Vorschein käme, sähen Erwachsene womöglich so aus wie diese "Kinder".

Wenn ein Retuscheur Fotos bearbeitet, kommt es immer darauf an, mit welchem Ziel er es tut. Für TV-Zeitschriften werden stets sämtliche Hautunreinheiten, Muttermale, Fältchen und Flecken aus den Gesichtern schöner Frauen entfernt, damit sie eine lupenreine und übernatürliche Optik bekommen. Für den World Press Award hingegen gilt es, Photoshop so gut wie gar nicht anzuwenden, da die Bilder den Zweck von Dokumentationen und Zeitzeugnissen erfüllen. Die Spannbreite ist also groß.

Bei dem Spitzenretuscheur Cristian Girotto kann es schon mal passieren, dass kein Pixel auf dem anderen bleibt. Girotto fotografiert nicht selbst, er ist der Kreative am Bildschirm. Die Kinder aus seiner Serie "Enfant Exterieur" waren ursprünglich ganz normale Durchschnittserwachsene, die ein Fotograf für ihn aufgenommen hat. Girotto nahm ihnen jede Spur von Alter sowie ihre kantigen Gesichtszüge, rundete alles ab, Gesicht wie Schultern und Körper wurden weich und prall. Und plötzlich war da das innere Kind. "Ich habe nur mit Photoshop gearbeitet und natürlich mit meiner Vorstellungskraft", sagt Girotto in einem Interview, "aber meine Geheimnisse wie kann ich nicht verraten. Das würde die Magie dieser Bilder zerstören." 

Girotto selbst gefallen die Motive mit Bärten am besten, weil sie in der kindlichen Optik am verrücktesten aussehen. Fotograf wollte er nie werden. Nach seinem Grafikdesign-Studium arbeitete Girotto in seinem Beruf und wurde Art Director. Da es ihm jedoch am meisten Spaß machte, selbst am Bild kreativ zu werden, ging der Italiener nach Paris und verschrieb sich der Arbeit mit Photoshop. "Ich male gerne und liebe es, Dinge zu arrangieren und mir hinterm Bildschirm die Hände 'dreckig' zu machen. Ich bin eher ein Computerfreak und arbeite gern allein. Als Fotograf muss man ein soziales Wesen sein, dauernd Kontakte knüpfen und pflegen. Das kann ich einfach nicht."

Die idealen Voraussetzungen für einen Retuscheur beschreibt Girotto so: "Bildbearbeitung bedeutet Geduld, wenn du ungeduldig bist, ist das der falsche Job für dich. Wenn du aber Geduld hast, ist es ein Hauptgewinn! Ein künstlerisches und kritisches Auge ist ebenso wichtig: Retusche ist keine Frage der Technik und Übung. Ein bisschen vielleicht, aber das Entscheidende findet im Auge statt."

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