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Insider-Report über Upper-East-Side-Ehen: Performance-Bonus für Banker-Ehefrauen

Der Report einer Insiderin erschüttert die Upper East Side. Wednesday Martin schildert den Alltag der reichen Ehefrauen an New Yorks bester Adresse. Ein Detail mutet dabei besonders absurd an.

Von Viktoria Meinholz

Sie scheinen alles zu haben, die reichen Frauen von der Upper East Side. Doch etwas besitzen tun eigentlich nur die Männer.

Sie scheinen alles zu haben, die reichen Frauen von der Upper East Side. Doch etwas besitzen tun eigentlich nur die Männer.

Die reichen Männer und Frauen der Upper East Side leben in getrennten Welten: Es gibt Dinnerpartys nur für Frauen, Kaffeekränzchen nur für Frauen, Cocktailrunden nur für Frauen, und selbst bei gemeinsamen Abendessen sitzen die Männer mit anderen Männern an einem Tisch und die Frauen mit anderen Frauen - in getrennten Räumen. Wednesday Martin ist mit ihrer Familie vor elf Jahren an die Upper East Side gezogen, eine der teuersten und exklusivsten Gegenden New Yorks, und beobachtet seitdem das Verhalten ihrer wohlhabenden Nachbarn. Die Autorin mit anthropologischer Vorbildung hat ein Buch über ihre Erfahrungen geschrieben, das Anfang Juni veröffentlicht wird. In der "New York Times" erschien nun ein Artikel über ihre Erfahrungen - von denen manche schier unglaublich klingen.

So hörte Martin immer wieder von angeblichen Bonuszahlungen, die einige der Frauen von ihren Männern erhielten. Zuerst dachte sie verständlicherweise, dass sie sich verhört hätte, vielleicht ein Witz, den sie falsch verstanden hat? Aber nein, an der Upper East Side ist es nichts Ungewöhnliches, seine Frau nach einem erfolgreichen Jahr mit einem Bonus zu belohnen. Und nein, es ist nicht entscheidend, ob der Mann ein erfolgreiches Jahr hatte (das haben die Millionäre, um die es geht, eigentlich immer), sondern es stellt sich die Frage, ob die Frau als Hausfrau und Mutter erfolgreich war. Wie das gemessen wird? Anhand von tollen Partys, guten Noten der Kinder und gepflegten Häusern. Wahrscheinlich schadet es auch nicht, wenn die reiche Ehefrau regelmäßig ihre Yoga-Übungen gemacht und sich eher selten den Bauch vollgeschlagen hat.

Frauenbild aus vergangenen Jahrhunderten

Damit keine falschen Vorstellungen von den Desperate Housewives entstehen: Sie alle sind in ihren Dreißigern, haben Abschlüsse von prestigeträchtigen Universitäten und sind alles andere als dumm und naiv. Sie haben reiche Männer geheiratet, in großer Zahl Hedgefonds-Manager, und mit ihnen drei oder vier Kinder bekommen. Sie sind weder faul noch träge, sehen immer super aus und schwirren rund um die Uhr um ihre Kinder herum. Ihre Häuser (mehrere pro Familie versteht sich) führen sie wie Vorstandvorsitzende ihre Firmen, schreibt Martin in dem Text für die "New York Times". Sie arbeiten nicht, weil sie es nicht nötig haben, nicht, weil sie es nicht könnten.

Zwischen der Männer- und Frauenwelt gibt es nur wenige Berührungspunkte. "Wir haben es so einfach lieber", erklärte einer der Männer der Autorin die nach Geschlechtern sortierten Tische bei Dinnerpartys. Eine angeblich freie Wahl, so Martin, die jedoch viel über die gehobene Gesellschaft New Yorks aussagt. Eine Gesellschaft, in der Frauen schwach und Männer stark sind. In der ein Rollenbild gelebt wird, das doch eigentlich schon vor vielen Jahren ausgestorben sein sollte.

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