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Buch "Karriere im Eimerchen?": Manchmal hilft nur Galgenhumor

Wenn man am liebsten verzweifeln möchte, weil sich Mütterdasein und Arbeitswelt so schwer miteinander vertragen, tröstet ein neues Buch. Denn plötzlich weiß man: Ich bin nicht allein!

Von Susanne Baller

Eimerchen statt Karriere: Viele Mütter stecken nach der Geburt eines Kindes in einer beruflichen Sackgasse

Eimerchen statt Karriere: Viele Mütter stecken nach der Geburt eines Kindes in einer beruflichen Sackgasse

Nicht lustig, was Nina Puri da so schreibt! Mütter, die nach der Geburt eines Kindes zurück in die Berufswelt finden möchten, haben es in Deutschland besonders schwer. Selbst wenn der Kita-Platz gefunden, die Vollzeitstelle reduziert und der Ehemann in Elternzeit gegangen ist, machen sich frischgebackene Mütter dauernd selbst fertig. Sie haben gegen antiquierte Familienvorstellungen ebenso anzukämpfen wie gegen ihre Ansprüche. Das Leben mit einem schlechten Gewissen gehört neuerdings zu ihrem Alltag wie die ewig beschmierte Kleidung.

Doch

wie

Nina Puri an das Dilemma von Müttern herangeht, ist extrem unterhaltsam. Unter dem Titel "Karriere im Eimerchen?" beschreibt die gebürtige Britin, die sich trotz eigener Kinder ihren Humor bewahrt hat, in ihrem neuesten Buch das berufliche Kreuz von Frauen nach der Babypause. In 24 Kapiteln werden Leid und Wehe (haha!) von Schwangerschaft über Betreuung, Haushalt, Schule bis hin zum Lohn abgehandelt. stern.de hat mit Nina Puri über ihr Buch gesprochen.

Was war der Antrieb für das Buch?

Nina Puri: Berufstätigkeit ist in Deutschland ein Thema, mit dem sich viele Mütter rumplagen. Trotzdem ist es ein Thema, über das wir selten ehrlich und noch seltener entspannt sprechen. Schon ein oder zwei Wochenstunden mehr oder weniger führen unter Müttern oft zu regelrechten Glaubenskriegen.

Was sollen Mütter von dem Buch lernen? Sollen sie sich mal locker machen?

Puri: Ans Muttersein werden in Deutschland hehre Ansprüche gestellt. Die kommen nicht nur von außen, die haben wir Mütter auch an uns selbst. Im Beruf kommen wir dagegen einfach nicht vom Fleck, aus verschiedenen Gründen. Also ist das Buch nicht nur ein "Macht euch mal locker" auf der mütterlichen Seite, sondern auch ein "Macht euch mal tougher", auf der beruflichen Seite. Ich habe gestaunt, als ich gelesen habe, dass in Deutschland nur jede zweite Frau ihr eigenes Einkommen bestreitet oder bestreiten kann.
Wir Mütter geben einerseits Gas und bremsen gleichzeitig. Wenn wir es geschafft haben, eine tolle Tagesmutter zu finden, fühlen wir uns ganz elend, wenn sie auch mit dem Kind gut klarkommt. Dann sind wir eifersüchtig. Oder wenn die Väter eine Elternzeit nehmen, stehen die Mütter oft hinter ihnen am Wickeltisch, denn so richtig loslassen können sie nicht.
Nicht einmal die Hälfte der Frauen kommt nach der Babypause an den Arbeitsplatz zurück und wenn, geraten sie oft in lausig bezahlte Teilzeitstellen, in denen sie keine Aufstiegschancen haben. Viele Mütter hetzen dann nur noch, weil sie einerseits versuchen, einen Ganztagsjob in eine Halbtagsstelle und zugleich ein Ganztagsmutterdasein in ein Halbtagsmutterdasein zu packen. Auf Dauer ist das natürlich selten befriedigend. Und die Mütter, die sich entscheiden, ganztags weiterzuarbeiten, müssen sich dafür wiederum meistens nach allen Seiten hin rechtfertigen.

Das Buch ist trotz des ernsten Themas unterhaltsam geschrieben - gestützt auf Zahlen. Haben Sie einen wissenschaftlich-soziologischen Hintergrund?

Puri: Nein, ich habe ganz viel recherchiert und mit vielen Fachleuten wie Steuerberatern und so gesprochen. Trotzdem kann es mal sein, dass eine Zahl nicht ganz exakt ist, weil es so viele abweichende Angaben gibt.

Hat Ihr Ansatz das Ziel einer positiven Verstärkung für arbeitende Mütter?

Puri: Ich finde es gut, wenn Mütter auch arbeiten können, also ja. Das Buch ist aber sicher kein geradliniges Motivationsbuch im klassischen Sinne wie z.B. ein Rauchen-Aufhör-Buch, dazu ist das Thema auch zu komplex.

Oft fehlt Müttern nach der Geburt des Kindes das Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten. Sie fragen sich: Was kann ich eigentlich noch?

Puri: Ja, das hatte ich auch bei meinem ersten Kind. Da dachte ich nach einem Jahr: "Gott, will dich wohl noch einer?" Nach einem Jahr schon! Das liegt in meinem Fall vielleicht auch an der schnelllebigen Werbebranche, die zudem recht testosterongesteuert ist. Dennoch: Wie fühlen sich Mütter wohl, wenn sie fünf, sechs oder noch mehr Jahre draußen waren?

Kommen die überhaupt zurück?

Puri: Viele nicht mehr. Manche schlagen dann halbherzig eine ganz neue Richtung ein, als ahnten sie, dass da nicht mehr groß was draus wird.

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