VG-Wort Pixel

Corona-Pandemie Gesund und einsam oder Familie treffen: Ältere Menschen setzen oft auf Letzteres

Allein oder glücklich? Viele ältere Menschen wünschen sich Zeit mit ihrer Familie. (Symbolbild)
Allein oder glücklich? Viele ältere Menschen wünschen sich Zeit mit ihrer Familie. (Symbolbild)
© StockPlanets / Getty Images
Was ist das Wichtigste in unserem Leben? Familie und Freunde oder ewiges Leben? Die Corona-Pandemie hat diese Frage herzergreifend beantwortet.

In den vergangenen Monaten haben wir viel darüber lesen können, wie einsam sich ältere Menschen in Pflegeheimen oder Krankenhäusern fühlen, wenn sie keinen Besuch bekommen. Gelegentlich gestaltet sich die Wahrnehmung, dass niemand mehr vorbeikommt, sogar so, dass sie den Eindruck haben, sie seien vergessen worden. Nicht allen älteren Menschen war und ist klar, dass es ihren Kindern und Enkeln aus gesundheitlichen Gründen untersagt ist, ein Heim zu betreten. Jüngst äußerte eine 82-jährige Alzheimer-Patientin, wie der britische "Mirror" berichtet, sie wolle sterben – so sehr litt sie unter dem Lockdown, der ihrer Familie ein Besuchsverbot auferlegt hatte.

In meiner Familie gab es kürzlich um genau dieses Thema eine Debatte zwischen meinem Sohn und mir. Meine Mutter wollte ihren Geburtstag feiern und mein Sohn war wenige Wochen zuvor von einem zehnwöchigen Campus-Verbot und der Isolation mit drei Kommilitonen zurückgekommen. Die Geburtstags-Planung war zuvor wie in jedem Jahr verlaufen: Wir fahren zu Oma und gehen – in diesem Jahr "nur" – mit der engsten Familie essen.

Corona-Debatte: Hickhack im Zug

Kaum saß ich mit dem 21-Jährigen in der Bahn, ging es los. "Ich kann es nicht glauben, dass wir wirklich zu Oma fahren!", beschwerte sich das Kind. "Das ist doch total verantwortungslos!" Guter Zeitpunkt für eine solche Grundsatzdebatte, dachte ich. Hätten wir meinetwegen auch Wochen vorher führen können. Aber manchmal checkt man ja erst, was man tut, wenn man mittendrin ist.

Durch den Mundschutz versuchte ich zu flüstern, dass die Oma sich nichts mehr wünscht, als ihre Kinder und Enkel an ihrem Geburtstag um sich zu haben. Öffentliche Auseinandersetzungen in der Bahn – urghs. Bitte leise! Nichts da. Der Enkel war auf Krawall gebürstet: "Auf keinen Fall werde ich Oma umarmen!" Zu seiner Entschuldigung kann ich nur sagen: Der Lockdown des Kindes fand in den USA statt und war wohl schlimmer als alles, was wir uns hier vorstellen können.

Was dann wirklich geschah

Der Rest der zum Glück kurzen Bahnfahrt von Hamburg nach Berlin verlief schweigend. Zu zweit einsam, gibt es eigentlich etwas Schlimmeres?, fragte ich mich. Die Antwort fällt jedes Mal gleich aus.

To make long story short: Meine Mutter stand auf dem Treppenabsatz, nachdem wir bei ihr geklingelt hatten, und das Reisegepäck-schleppende Kind ließ alles fallen, um sie zu umarmen. Sämtliche Corona-Vorsätze waren vergessen. Und für meine Mutter hätte es kein schöneres Geburtstagsgeschenk geben können. Egal um welchen Preis.

Inspiration:"Mirror"


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker