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Snapchat Friendship Report Studie: Mehr Menschen fühlen sich einsam – doch Corona bietet auch Chancen für Freunde

Einsamer Mann
"Es gibt zu viele, die hinten runterfallen", sagt Soziologe Janosch Schobin über das Verhältnis zu Freunden in der Corona-Krise
© Serkan Göktay / Pexels
Die Corona-Krise macht Menschen einsamer. Das zeigt eine neue Studie, die sich mit Freundschaften in der Pandemie beschäftigt. Die digitalen Medien eröffnen aber auch Möglichkeiten, Beziehungen zu pflegen, wieder neu zu beleben – oder sogar erst zu beginnen.

Der neuerliche Lockdown macht es wieder besonders schwierig, Freundschaften zu pflegen und neue Menschen kennenzulernen. Es dürfen sich nur noch Angehörige von zwei Haushalten treffen, größere Veranstaltungen sind schon seit Monaten untersagt, und auch Treffen in Gruppen gestalten sich schwierig. Die Corona-Krise verändert die Art und Weise, wie wir unsere sozialen Beziehungen führen – aber was macht das mit unseren Freundschaften?

Damit hat sich eine aktuelle international Studie, die von Snapchat durchgeführt wurde, beschäftigt. Im Rahmen der wissenschaftlichen Untersuchung wurden 30.000 Menschen in 16 Ländern dazu befragt, wie sie die Corona-Zeit im Hinblick auf ihre Freundschaften erlebt haben. Der Friendship Report zeigt, dass zwei Drittel der Befragten weltweit sich einsam fühlen. In Deutschland waren es 26 Prozent, vor der Pandemie hatten nur 19 Prozent dieses Gefühl. "Es gibt zu viele, die hinten runterfallen", fasst Soziologe Dr. Janosch Schobin im NEON-Interview zusammen. Schobin, der an der Universität Kassel forscht, war an der Durchführung der Studie in Deutschland beteiligt. (Hier könnt ihr mit Stern Plus das ganze Interview lesen.) 

"Friendship Report": Distanz zu Freunden in der Corona-Zeit nimmt zu

Die Ergebnisse zeigen, dass sich 58 Prozent der Befragten hierzulande ihren Freunden seit dem Beginn der Corona-Pandemie nicht mehr so nah fühlen wie zuvor. 42 Prozent fühlten sich von Freunden distanzierter, weil keine persönlichen Treffen mehr möglich seien – trotz aller Möglichkeiten, über das Internet miteinander zu kommunizieren. "Die sozialen Medien stützen die Freundschaften zwar, aber die gesamte Last können sie auch nicht tragen", so Schobin. Manche Menschen hätten in dieser Phase das Gefühl, "dass ihre Freunde verschwinden". Jeder Vierte glaubt, dass die Corona-Kontaktbeschränkungen die Beziehungen zu seinen Freunden geschwächt haben.

Doch die Studie zeigt auch Chancen auf, die unter diesen ungewöhnlichen Umständen entstehen. So würden mehr Menschen wieder Kontakt zu alten Freunden suchen. Darauf reagieren auch die Betreiber von Apps und sozialen Netzwerken. Der Messaging-Dienst Snapchat beispielsweise bietet mit der sogenannten Friendship Time Capsule eine neue Funktion, die alten Freunden dabei helfen soll, ihre Beziehung wieder aufleben zu lassen.

Zweierbeziehungen sind tragfähig – und erlaubt

Insgesamt hat sich die Kommunikation stark in die digitalen Medien verschoben. Dort sieht Soziologe Schobin auch Möglichkeiten, neue Kontakte zu knüpfen. "Mich hat überrascht, wie viele Menschen in unserer Studie angegeben haben, dass sie über soziale Medien neue Freunde finden. Die schauen zum Beispiel, was jemand in den Kommentaren geschrieben hat und schreiben denjenigen dann an", so der Forscher.

Glücklich schätzen kann sich, wer über tragfähige Zweierbeziehungen zu guten Freunden verfügt. Die bewegen sich nicht nur im Rahmen der Lockdown-Vorgaben, sondern sind auch in schwierigen Zeiten tragfähig – und verstärken sich jetzt sogar noch, erklärt Janosch Schobin: "Es gibt viel Unsicherheit. Dadurch entsteht ein großer Unterstützungsbedarf, und der Adressat für diese Probleme sind neben Partnern die engen Freunde. Man kommuniziert jetzt mehr mit diesen engeren Freunden, weil die einen in Lebenskrisen beraten und emotional unterstützen."

Quelle: Friendship Report


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