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Glosse

Eisenstadt: Das Gruppenkuscheln nahm überhand, nun sind Umarmungen an einer katholischen Schule verboten

In der Hauptstadt des österreichischen Burgenlandes wusste sich ein Schulleiter nicht anders zu helfen: Er untersagte das Umarmen während der Schulzeit. Die Schüler des Theresianums waren wegen ihrer Kuschelliebe dauernd zu spät im Unterricht.

Eine Gruppe Jugendlicher umarmt sich

Umarmungen sind in den kleinen Pausen an der katholischen Privatschule Theresianum in Eisenstadt nicht mehr erlaubt (Symbolbild)

Getty Images

Wie kann man nur das Umarmen verbieten? Das fragt man sich, wenn der Blick auf die Überschrift dieser Nachricht aus Österreich fällt. Schließlich lieben es alle Teenager, sich bei jeder Gelegenheit um den Hals zu fallen. In keinem Alter kommt das Gefühl von Freundschaft, Zuneigung, Zugehörigkeit und Zusammenhalt so sichtbar zum Ausdruck wie in diesem. Das einsame Gefühl, zwischen zwei Welten zu leben, nicht mehr Kind, aber auch noch kein Erwachsener zu sein, lässt sich so doch viel leichter ertragen. Was also können die Lehrer und der Schulleiter an der katholischen Neuen Mittelschule Theresianum in Eisenstadt nur haben, dass sie ihren Schülern das bisschen Trost in der Pubertät nicht gönnen?

Den Grund für das Einschreiten des Kollegiums in die Zärtlichkeitsbekundungen ihrer Schüler nennt die österreichische Website "kurier.at". Sie zitiert den Schulleiter Johannes Pachinger so: "Es ist in Ordnung, sich vor und nach der Schule zu umarmen. Aber es muss nicht in jeder Fünf-Minuten-Pause sein." Warum denn nicht?, denkt der geneigte Leser voller Mitgefühl für das geplagte Teenagerherz. Doch es ist weder die Läuse-Übertragungsgefahr noch die Angst vor zu viel Intimität im Schulgebäude, die Pachinger einschreiten ließ. Offiziell geht es ihm um die "Sicherheits- und Aufsichtspflicht" an seiner Schule, denn die rund 500 Schüler würden dadurch die Verletzungsgefahr auf den Gängen erhöhen.

Was geht da genau ab?

Hm, könnte man denken, wie soll man sich durch einen kleinen Menschenstau schon groß verletzen? Doch dann verrät "ORF.at", was sich dort tatsächlich zugetragen hat. "Gruppenweise sind die Schülerinnen und Schüler der NMS Theresianum in Eisenstadt bis vor kurzem in den kleinen, fünfminütigen Pausen noch in andere Klassen gezogen und haben sich umarmt", heißt es dort. Die Stockwerke rauf und runter haben sich die Kinder durchs Schulgebäude bewegt, sodass "große Unordnung und große Menschenansammlungen" entstanden sind. "Kinder haben andere Klassen besucht und wollten die anderen Kinder dort umarmen", wird der Schulleiter zitiert.

Und plötzlich sieht man sie vor sich: Verstrahlte Teenies, die einem Trend folgen. Die sich hineinsteigern in die Bedeutung von Gruppenumarmungen – nach jeder überlebten Schulstunde, selbst in den Fünf-Minuten-Pausen. Dass bei dem ganzen Chaos anschließend kein Schüler wieder pünktlich in seiner Klasse sitzt, ist leicht vorstellbar. Die verspätet eintreffenden Frischumarmten stören den Unterrichtsablauf, der -beginn verzögert sich, die Lehrer kriegen zu viel.

Es soll sich nun also nur noch in den großen Pausen und vor und nach der Schule umarmt werden. Aber, auch ganz süß eigentlich: Bei Nichtbeachtung des Verbots passiert – nichts. Und laut "kurier.at" haben die Teenies ohnehin schon einen Weg gefunden, ihre Umarmungen in den kleinen Pausen weiterhin durchzuziehen: Sie treffen sich heimlich auf den Toiletten oder in Klassenzimmern. Das ist sicherer.

Quellen: "kurier.at" / "ORF.at"

Links ein Schülerausweis mit dem nachgestellten Bild des Filmstars, der rechts im Original zu sehen ist.

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