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Diskussion auf Twitter: Eine Frau bricht den Kontakt zu ihren Eltern ab. Ist es normal, dass sie sich schuldig fühlt?

Ab und zu geraten wir an Menschen, die uns im Leben einfach nicht guttun. Was ist, wenn es die eigenen Eltern sind? Muss man sich schuldig fühlen, wenn man den Kontakt abbricht? Diese Frage stellte eine Frau auf Twitter.

Frau geht aus Haustür

Manchmal muss man einfach Abschied nehmen ...

Getty Images

Es gibt Beziehungen im Leben, die toxisch sind. Die einem nicht guttun. Die man beenden will, vielleicht sogar beenden muss. Bei Freunden, Bekannten oder Partnern klappt das – mal einfacher, mal schwieriger, mal gar nicht. Doch wie geht man damit um, wenn die eigenen Eltern mehr und mehr zum Problem werden?

Mit dieser Frage beschäftigt sich auch die Nutzerin "Holzschnitzerin" auf Twitter. Sie schreibt: "Ich habe den Kontakt zu meinen Eltern vor ein paar Jahren abgebrochen. Es war richtig und gut für mich. Trotzdem fühle ich mich immer noch oft schuldig. Kennt jemand diese Situation?" Sie wünschte sich Antworten, bat darum, dass ihr Beitrag geteilt wird, um von möglichst vielen Erfahrungen lesen zu können. Und die Reaktionen zeigen, dass die Frau mit ihrer Entscheidung (und in Teilen auch mit ihren Schuldgefühlen) nicht alleine ist.

Der Tweet wurde schon jetzt über 500 Mal retweetet und über 300 Mal beantwortet – und es finden sich sehr offene, ehrliche Antworten unter dem Beitrag.

"Familie ist kein Recht. Familie ist ein Privileg"

Ein Nutzer schreibt als Reaktion auf den Tweet, dass er schon als Baby nicht so gewesen sei, wie er aus Sicht seiner Eltern hätte sein sollen. Irgendwann habe er eingesehen, dass er sich gar nicht mehr bemühen brauche, weil er es eh nicht schaffen würde.

Weil sich die Eltern eines Nutzers gegenüber seiner Tochter "genauso schlecht verhalten haben" wie es schon bei ihm der Fall gewesen sei, habe er den Kontakt abgebrochen. Reue oder Schuldgefühl verspüre er nicht, da die Eltern seiner Meinung nach genügend Chancen hatten, um ein harmonischeres Familienleben zu ermöglichen. Genau das berichtet auch ein weiterer Nutzer: "Ich bin den Schritt auch gegangen, weil es bei meinen Kindern weiterging." Er wolle sie nun schützen, schreibt er. "Familie ist kein Recht. Familie ist ein Privileg“, schreibt ein anderer und fügt hinzu, dass manche Eltern wohl oft ihre Pflicht vergessen würden, dass auch sie ihre Kinder respektvoll zu behandeln haben.

Eine Frau wählt sehr deutliche Worte: "Zu meinen Eltern habe ich den Kontakt abgebrochen und es fühlt sich an, als würde ich mir pures Gift fern halten. Auch wenn das wahrscheinlich nur wenige Menschen nachfühlen können: wenn sie sterben, wird es eine Erleichterung sein. Ich kenne keine schlimmeren Menschen." Das sind vor allem deshalb heftige Sätze, weil wenige Beiträge darunter ein Nutzer schreibt, dass seine Mutter nur neun Monate nach dem Kontaktabbruch verstorben ist – er habe sich damals schuldig gefühlt.

Ein anderer Beitrag bestärkt die Twitter-Userin in ihrem Handeln: "Zu guten Eltern bricht kein Kind den Kontakt ab. Vor schlechten Eltern darfst und musst du dich schützen. Das ist dein Recht!" In die gleiche Richtung geht dieses Posting: "Habe vor über 10 Jahren den Kontakt zu meinem Vater abgebrochen. Es gab Zeiten, in denen ich zweifelte. Aber mir wurde klar, dass mein Wohl wichtig ist, dass er sich niemals verändern wird, und dass er niemals der Vater sein wird, den ich gebraucht hätte."

"Es berührt und erschüttert mich sehr ..."

Die "Holzschnitzerin" war glücklich über die vielen Reaktionen auf ihren Beitrag. Und bedankt sich: "Es berührt und erschüttert mich sehr, zu sehen, wie viele Menschen den gleichen oder einen ähnlichen Weg gehen mussten wie ich. Ich danke euch allen sehr für eure Ehrlichkeit." 

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ky
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