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Brasilien Der letzte Überlebende der Juma starb an Covid-19, sein Stamm wurde vorher massakriert

Amazonas
Ein Teil des gerodeten Regenwaldes von Pôrto Velho. Im Krankenhaus von Porto Velho starb Aruká Juma im Februar.an Covid-19.
© Victor R. Caivano / AP / DPA
Aruká Juma hat miterlebt, wie sein ganzer Stamm peu à peu umgebracht wurde, von eingeschleppten Krankheiten oder geldgierigen Eindringlingen. Er selbst fiel jetzt Corona zum Opfer. Damit ist der Juma-Stamm ausgestorben.

Aruká Juma war der letzte Mann vom Stamm der Juma und musste sein Leben lang dabei zusehen, wie im Laufe der Jahrzehnte nur eine Handvoll Menschen übrig blieben. Im 18. Jahrhundert einst rund 15.000 Mitglieder stark, fielen die Stammes-Zugehörigen später eingeschleppten Krankheiten und fortlaufenden Massakern zum Opfer – für beides verantwortlich waren Kautschuk-Zapfer, Holzfäller, Bergleute und Goldgräber, die in ihre Region im südlichen Amazonas eingedrungen waren.

Ein ausradiertes Volk

Bis 1943 war die Stammesgröße auf rund 100 Menschen geschrumpft, ein weiteres Massaker 1964 überlebten nur noch sechs. Unter ihnen Aruká Juma, der, wie viele brasilianische Ureinwohner, den Stammesnamen als Nachnamen trägt. 1999, als sein Schwager starb, blieb Aruká der letzte männliche Juma. Damit war das Aussterben des Stammes besiegelt. Er selbst verstarb am 17. Februar im Krankenhaus von Pôrto Velho, der Hauptstadt von Rondônia im Westen Brasiliens. Er wurde auf ein Alter zwischen 86 und 90 Jahren geschätzt. Die Todesursache war Covid-19, wie sein Enkel Puré Juma Uru Eu Wau Wau der "New York Times" sagte. Mit Aruká starb auch der letzte Mensch, der die Stammessprache fließend sprechen konnte. Viele Traditionen und Rituale seines Volkes sind für immer verloren.

1998 hatten Staatsbeamte Aruká und seine Familie von ihrem Land vertrieben und brachten sie in den benachbarten Bundesstaat Rondônia, vermeintlich in der Hoffnung, sie würden in den Stamm der Uru Eu Wau Wau einheiraten und einen Teil ihrer Kultur dadurch erhalten können. Aruká vermutete jedoch, dass es sich um Landraub handelte. Er klagte auf eine Rückführung, der Prozess zog sich über 14 Jahre hin. In der Zwischenzeit hatten seine drei Töchter Uru-Eu-WauWau-Männer geheiratet und auch er selbst hatte eine Tochter von Boropo Uru Eu Wau Wau, von der er sich aber 2007 trennte. Seine erste Frau Mborehá war 1996 gestorben.

Goldgräber arbeiten an den Ufern des Flusses Juma
In einer Aufnahme von 2007 arbeiten Goldgräber an den Ufern des Flusses Juma im Amazonas, sie kamen zu Tausenden, rodeten Wälder und veränderten den Lauf des Flusses
© Raimundo_Valentim / Picture Alliance

"Jetzt gibt es nur noch mich"

Die Juma kehrten 2012 auf ihr Land zurück. Aruká freute sich, aber die Ehemänner seiner Töchter weigerten sich, dort zu leben. Seine Enkel, die ausschließlich Portugiesisch sprechen, mussten nach Rondônia zurückkehren und zur Schule gehen. Aruká war frustriert darüber, dass er mit seinen Enkeln nicht kommunizieren und sie die Juma-Traditionen nicht lehren konnte. Dem Fotografen Gabriel Uchida, der eine Zeit bei den Juma lebte und sie fotografierte, erzählte er 2016: "Dieser Tage fühle ich mich einsam und denke oft zurück an die Zeit, als wir noch viele waren. Wir waren viele, bevor die Kautschuk-Zapfer und Goldsucher kamen und die Juma töteten. Damals waren die Juma glücklich. Jetzt gibt es nur noch mich." 

Friedhofsaufseher Aldair

Um das Andenken an den Stamm zu erhalten, haben einige von Arukás 13 Enkeln den Namen Juma vor ihren Namen Uru Eu Wau Wau gesetzt. Anthropologen sagen, so die "New York Times", das sei selten unter patrilinearen Amazonas-Stämmen, in denen der Familienname ausschließlich über die männliche Linie von Vätern an Söhne weitergegeben wird. Ein Bild des letzten Juma findet man über die Google-Bildersuche hier.

Quelle:  "New York Times"

bal

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