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Seltene Zucht: Ein Hund fürs Leben: Portugiesische Wasserhunde haben Charakter, Talent und eine amüsante Frisur

Portugiesische Wasserhunde sind selten. Rodrigo Pinto züchtet sie. Mit Herz und Leidenschaft. Ein Besuch.

Von Barbara Spielhagen

Ein Hund springt ins Meer

Ihr Name kommt nicht von ungefähr. Rodrigo Pinto züchtet die seltenen Hunde.

Wenn man Rodrigo Pinto fragt, ob er ein bisschen verrückt wäre, dann lacht er schallend und sagt: "Ja, natürlich. Nicht nur ein bisschen." Und das ist vermutlich einfach nur realistische Selbsteinschätzung, denn anders als mit einer gehörigen Portion Wahnsinn kann man diese Meute hier nicht bändigen. Überall Portugiesische Wasserhunde, schwarze, weiße, braune, große, kleine, sie alle bellen, rennen und springen am Zaun hoch, sobald sie die kräftige Stimme ­ihres Herrn hören. Als Rodrigo mir die kleine Pforte zu ­seinem Hof öffnet, bin ich froh, dass ich keine Angst vor Hunden habe. Wie viele es sind, kann Rodrigo gerade nicht sagen, "ich schätze um die achtzehn. Ich muss sie erst einmal zählen", sagt er, und dann verstehe ich auch schon kein Wort mehr, denn jetzt springen sie bellend an mir hoch.

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"Diese Rasse kennt nur zwei Temperamente: Schlaftablette und hyperaktiv", sagt der Züchter aus Lagos an der Algarve. Ich habe es hier eindeutig mit Letzterem zu tun. Lustig sehen sie aus, diese Wasserhunde. Sie sind ziemlich groß, haben eine gelockte Mähne, von der jeder Rastafari nur träumen kann, und sind sehr schlank. Das kann ich trotz des dichten Fells gut beurteilen, denn ab der Mitte ­ihres Körpers sind die meisten seiner Tiere kahlgeschoren. "Lionclip" nennt sich diese wirklich gewöhnungsbedürftige Hundefrisur, aber sie hat durchaus ihre Berechtigung. Wasserhunde können gut schwimmen, und damit sich ihre Krallen unter Wasser nicht im zotteligen Fell verfangen, die inneren Organe im kalten Atlantik aber gut geschützt bleiben, trägt der Hund ab dem Bauch Glatze. Auch der Schwanz ist nackt, nur am Ende der Rute bleibt ein Büschel stehen – "das funktioniert wie ein Ruder", erklärt der 57-jährige Rodrigo.

Sie können gut schwimmen und tauchen

Portugiesische Wasserhunde sind eine seltene und alte Hunderasse aus der Gattung der Arbeitshunde. Sie können unfassbar gut schwimmen und sogar tauchen, sind sehr robust, temperamentvoll, gut zu erziehen, aber auch sehr eigenwillig. In Europa leben nur rund zweitausend Exemplare, Anfang der Siebzigerjahre des vergangenen Jahrhunderts schafften es die optisch königspudelähnlichen Vierbeiner sogar ins Guinnessbuch der Weltrekorde als seltenste Hunderasse. Ihr Ursprung geht schon viele Hundert Jahre zurück und liegt genau hier, wo wir jetzt sind: an der sonnigen Küste im Süden Portugals.

Genau dort habe ich vor vielen Jahren zum ersten Mal so einen Portie, wie Portugiesische Wasserhunde kurz genannt werden, gesehen. Am Strand von Armação de Pêra, einem damals noch idyllischen Fischerort, beobachtete ich mit meinen Brüdern fasziniert, wie ein Hund unermüdlich vom Bug eines der typischen Holzfischerboote in das Meer sprang und Bojen und Netze einholte. Für jeden Weg, den der schwarze Hund schwimmend zurückgelegt hatte, bekam er vom Fischer eine Sardine, die er mit Begeisterung hinunterschlang. Dass Hunde gern Stöckchen holen, hatten wir ja schon gesehen, dass sie einen schwimmenden Helfer für Fischer abgeben, noch nicht. Als der Hund wieder an Land und sein Job erfüllt war, durften wir drei Kinder noch ewig mit dem zutraulichen und fröhlichen Preto spielen. Den Rest des ­Urlaubs verbrachten wir damit, unsere Eltern zu nerven, damit sie uns genau so einen Portugiesischen Wasserhund kauften. Das wurde nichts, aber unsere Familie verlor damals nicht nur ihr Herz an Preto, sondern an den ganzen Landstrich.

Diese großartigen weiten Strände, der würzige Duft nach wildem Thymian, das wilde, klare Meer, die herzliche Gastfreundschaft der Algarvios und die einfache, aber köstliche Küche hatte es uns auf Anhieb angetan. Von da an kamen wir jedes Jahr wieder. Ende der Siebzigerjahre zuerst mit dem Auto, drei Tage im brutheißen Wagen ohne Klimaanlage, die Beine auf Kühlboxen voll mit Lebensmitteln, später ab Düsseldorf mit dem Billigflieger, Abflug sechs Uhr morgens, Wecken um zwei Uhr nachts. Preto habe ich nie wiedergesehen, aber die Rasse ist mir seitdem nicht mehr aus dem Kopf gegangen. Ich begann, im Internet nach Züchtern zu suchen, und stieß dabei immer wieder auf den Zwinger "Casa da Buba", Rodrigo Pintos Zuchtstätte in Lagos. Rodrigo und ich freundeten uns auf Facebook an und verabredeten uns für meinen nächsten Besuch, damit wir uns auch persönlich kennenlernen konnten. Und hier bin ich nun.

Gezüchtet, um Fischern beim Einholen der Netze zu helfen

Rodrigo Pinto ist ein Lebenskünstler, ein kerniger Typ mit vielen Geschichten, die ihm ins Gesicht geschrieben sind. Er war unter anderem professioneller ­Reiter und Makler, bis er eines Tages seiner großen Liebe begegnete: Buba. Die Hündin war sein erster Wasserhund und "unfassbar teuer", sagt er. Pinto war fasziniert von den Fähigkeiten und dem Charakter dieser robusten Rasse, die ursprünglich an der Algarve gezüchtet wurde, um den Fischern beim Einholen der Netze zu helfen und die Kommunikation unter den Booten zu übernehmen, denn Radar oder Funk gab es damals ja nicht. Mit der Industrialisierung der Fischerei wurden die treuen vierbeinigen Bootsbegleiter überflüssig und der Wasserhund wurde selten. Als der US-Präsident Barack Obama vor einigen Jahren den Portugiesischen Wasserhund Bo von Senator Edward Kennedy geschenkt bekam, erlebte die Rasse ein Revival, heute leben neunzig Prozent der rund 12000 Exemplare in den USA.

In den Neunzigerjahren begann Rodrigo Pinto, mit Buba professionell ­Wasserhunde zu züchten, inzwischen konnte er mehr als sechshundert Tiere in alle Welt verkaufen. Er ist international bekannt, viele seiner Hunde sind ausgezeichnet worden. In die Zucht steckt Pinto all seine Zeit und sein Geld. Das kleine, bescheidene, blau-weiße Bauernhaus mit den Hundeboxen nennt er sein "Luxusgefängnis", denn egal wann man kommt, Rodrigo ist immer da. Dabei wohnt er eigentlich zusammen mit seiner Frau und deren Tochter in einer Wohnung im Zentrum des Küstenorts.

Ein Hund zum Schwimmen, Einholen, Schleppen

Rodrigo Pintos Ziel ist es, die ursprünglichen Fähigkeiten der Wasserhunde so unverfälscht wie möglich zu erhalten, deshalb trainiert er mit seinen "ungefähr" achtzehn Hunden so häufig wie möglich im Wasser und bildet einige zu Wasserrettungshunden aus. Samstags fährt er mit einem weißen Pick-up-Truck und seiner munteren Meute in Lagos an den Hafen und übt mit ihnen Schwimmen, Einholen, Schleppen und von der Kaimauer ins Wasser zu springen. Dieses Spektakel zieht regelmäßig jede Menge Zuschauer an, und auch heute stehen wieder ein paar faszinierte Touristen am Strand und staunen, genauso wie meine Brüder und ich damals. Was für ein Krach! Die Hunde sind völlig aufgedreht und bellen sich die Kehle aus dem Leib, dazwischen ruft Rodrigo im Neoprenanzug seine Tiere mit lauter Stimme zur Räson: "Dylan, Idun, Maya, aqui!" Aber die Aussicht auf ein Bad im Meer ist einfach zu ver­lockend. Für die ungewöhnlichen Namen seiner Hunde gibt es übrigens eine Erklärung: "Ich suche mir für jeden Wurf ein Thema aus. Mal sind es Musikstars, mal nordische Gottheiten, mal Jahreszeiten", erklärt Rodrigo

Ein Hund gefällt mir besonders, vielleicht ist es auch anders ­herum, denn der schwarze Summer weicht mir nicht von der Seite. ­Rodrigo schaut mich an und sagt: "Wenn du magst, dann leihe ich dir Summer für heute aus. Du kannst ihn gern mitnehmen." Im Ernst? Und der geht einfach so mit mir mit? Tut er. Ein Satz und er sitzt in meinem Kofferraum. Wir fahren nach Ferragudo zu meinem Lieblingsstrand, ich möchte mit meinem ­geliehenen Freund in meiner Stammstrandbar angeben. Vorher machen wir noch einen Spaziergang auf den Klippen und genießen die Aussicht auf die Küste. Ich bin begeistert, wie gut der Hund gehorcht, ich brauche nicht einmal eine Leine. Wir spielen noch ein halbe Stunde am Praia dos Caneiros, dann setze ich mich in das Restaurant, bestelle einen Teller Muscheln und ein Glas Weißwein und schaue in die Abendsonne. Summer sitzt zu meinen Füßen und sieht auch ziemlich zufrieden aus. Über vierzig Jahre nach meiner ersten Begegnung habe ich also doch noch meinen eigenen Wasserhund bekommen.

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