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Südengland: Dieser Ex-Polizist sucht mit Molly, der weltweit ersten Hundedetektivin, nach vermissten Tieren

Ex-Polizist Colin Butcher hat sich darauf spezialisiert, vermisste Tiere aufzuspüren. In Südengland fahndet er nach entführten oder entlaufenen Hunden, Pferden und Katzen. Unterstützt wird Butcher dabei von seiner Assistentin Molly – Cocker-Spaniel-Hündin und die erste Hundedetektivin der Welt.

Von Stefanie Matousch

Hundedetektivin und Expolizist suchen gemeinsam nach vermissten Tieren

Gemeinsam haben sie schon 89 vermisste Katzen, sechs Hunde und eine Schildkröte wiedergefunden

Mr. Butcher, wie kommt man auf die Idee, als Haustierdetektiv zu arbeiten?

Die Initialzündung dazu hatte ich im Sommer 1989. Ich war damals Polizist und hatte einen Fall, bei dem ich nach einer vermissten Katze suchen musste. Das war eine tolle Abwechslung in der doch etwas eintönigen Polizeiarbeit. Ich hatte so viel Spaß daran, dass der Gedanke in mir reifte, mich als Tierdetektiv selbstständig zu machen.

Womit Sie dann aber doch noch sechzehn Jahre gewartet haben. Warum?

Ich wollte erst sicher sein, dass die Nachfrage nach meinen Diensten groß genug ist. Als ich das gründlich ausgelotet hatte, habe ich 2005 meine Firma "The Pet Detectives UKPD" gegründet. Zunächst habe ich nach gestohlenen Pferden und Hunden gesucht, später dann auch nach allen anderen vermissten Tieren.

Seit wann ist Molly an Ihrer Seite?

Seit drei Jahren. Ich habe sie bei einer Tiervermittlung im Internet entdeckt und sie zur Hundedetektivin ausgebildet. Seitdem haben wir gemeinsam 89 vermisste Katzen, sechs Hunde und eine Schildkröte wiedergefunden.

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Wie haben Sie Molly ausgebildet?

Mithilfe einer Methode, die von der deutschen Polizei entwickelt wurde, um Kriminelle aufzuspüren. Ich habe mit Molly trainiert, die Fährte eines Tieres aufzunehmen und zu verfolgen. Anfangs in geschlossenen Räumen, damit sie nicht von anderen Gerüchen abgelenkt wird. Später habe ich es ihr bewusst etwas schwerer gemacht und sogenannte Ablenkungsdüfte im Raum verteilt. Zum Schluss bin ich mit ihr nach draußen und habe reale Situationen nachgestellt.

Was macht Molly zur idealen Detektivassistentin?

Sie ist äußerst intelligent, freundlich und geduldig, besitzt viel Ausdauer, ein hohes Konzentrationsvermögen und mag alle Tiere. Und von den neun Millionen Hunden in Großbritannien ist sie der einzige, der darauf trainiert wurde, vermisste Tiere zu finden.

Hat Molly auch Schwächen?

Sie kann nicht gut ohne mich sein. Wenn es mal dazu kommt, reagiert sie ängstlich, vor allem wenn jemand Fremdes bei ihr ist. Ich schätze, das liegt an ihrer Kindheit. Sie hatte viele wechselnde Herrchen, bevor sie mit einem Jahr zu mir kam. Sie braucht mich sehr und vertraut mir. Umgekehrt aber auch.

An einem typischen Arbeitstag von Ihnen und Molly …

... arbeiten wir meist parallel an drei Fällen. Molly begleitet mich, wenn ich undercover recherchiere. Mit einem Hund herumzuschnüffeln ist weitaus unauffälliger, als wenn ich das allein machen würde. Für andere Menschen sieht es dann so aus, als ob ich meinen Hund Gassi führe. An zwei Tagen pro Woche trainiere ich Molly. Und wenn sie mal nicht gefragt ist, schläft sie unter meinem Schreibtisch. Das ständige Klingeln meines Telefons bringt sie dabei nicht aus der Ruhe.

Haben Sie denn viele Anfragen?

Oh ja, etwa dreißig pro Woche. Und es werden immer mehr.

Die Nachfrage ist also groß?

Sehr groß. Die Menschen hängen an ihren Tieren und sind extrem verzweifelt, wenn sie von einem Tag auf den anderen nicht mehr nach Hause kommen. Dann googeln sie nach Hilfe und stoßen auf unsere Webseite. Manche haben auch schon von Molly gehört, denn sie ist eine kleine Berühmtheit hier in England. Sie war schon oft im Fernsehen und hat sogar ihren eigenen Instagram-Account.

Wie gehen Sie und Molly vor, wenn Ihnen ein vermisstes Tier gemeldet wird?

Ich schaue mir den Fall erst einmal genau an, um festzustellen, ob ich Molly als Suchhund überhaupt einsetzen kann. Wenn das vermisste Tier beispielsweise auf einer Baustelle vermutet wird, nehme ich den Fall nicht an. Denn da könnte Molly sich verletzen. Wenn wir den Fall annehmen, benötigen wir eine Duftprobe des vermissten Tiers. Dafür lasse ich Molly zum Beispiel am Kratzbaum oder am Futternapf riechen. Wenn nur ein Tier im Haus lebt, ist es für Molly wesentlich einfacher, die Fährte aufzunehmen, als wenn es mehrere tierische Bewohner gibt. Dann ist es auch noch sehr wichtig, dass der Tierhalter gut mit Molly und mir zusammenarbeitet.

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Sind Sie auch schon mal in eine gefährliche Situation geraten?

Bei der Suche nach einer Katze ist Molly mal von einer giftigen Natter gebissen worden. Ich wusste tagelang nicht, ob sie das überlebt. Das war eine furchtbare Erfahrung, doch die hat uns auch zusammengeschweißt.

Welcher Fall ist Ihnen besonders ans Herz gegangen?

Es geht mir eigentlich immer nah, wenn ein Tier verschwindet. Doch an eine Sache erinnere ich mich besonders gut: Ich bekam einen Anruf von einer sehr beunruhigten Dame. Ihr Nachbar hatte beobachtet, wie ihr Kater Tom von einem Auto angefahren wurde und weggelaufen ist. Mir war klar, dass dies ein Wettlauf mit der Zeit werden würde. Wir wussten ja nicht, ob und wie schwer Tom verletzt war. Bis zum nächsten Tag suchten wir erfolglos, doch dann konnte Molly seine Fährte aufnehmen. Sie führte zu einer Garage. Wir verständigten den Besitzer, der uns das Tor öffnete, und siehe da: Tom saß tatsächlich in der dunklen Garage. Er war unversehrt und genau wie seine Besitzerin überglücklich, befreit worden zu sein.

Nach einer geglückten Suchaktion gibt’s doch sicher auch eine Belohnung für Molly, oder?

Klar. Rohe Blutwurst oder Cheddar, das liebt sie beides. Und eine halbe Stunde Extraspielzeit gibt es natürlich auch.

Kommt es auch mal vor, dass Sie bei der Tiersuche keinen Erfolg haben?

Leider ja. Viele Katzen werden von Autos getötet und ihre Leichen von den Fahrern versteckt. Einige werden auch gestohlen und weit weg gebracht. Sie aufzuspüren, ist für Molly unmöglich. Drei von vier Katzen finden wir aber, und darüber sind wir sehr froh.

Was machen Sie und Molly, wenn Sie Feierabend haben?

Ich lese viel und erforsche das Verhalten von Katzen. Molly liegt dann bei mir und erholt sich von ihren Einsätzen. Bei schönem Wetter gehen wir gern am Strand spazieren. Und wir genießen es auch, an Schulen und in Altenheimen Vorträge über unsere Arbeit zu halten.

Nächstes Jahr werden Sie sechzig. Denken Sie schon übers Aufhören nach?

Nein, ich habe große Freude daran, Menschen und Tieren zu helfen. Molly und ich sind uns darin einig, dass es wohl noch viele Jahre dauern wird, bevor wir in Rente gehen.

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