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Rechtslage: Wer haftet, wenn Hunde sich im Streit verletzen?

Dass Hunde sich streiten kommt vor - nur selten verletzt sich einer der Raufbolde dabei. Wenn nach einem Biss allerdings doch mal das Blut fließt, stellt sich für den Halter die Frage: Wer bezahlt die Tierarztkosten? Rechtsanwalt Michael Schäfer kennt die Antwort.

Von Jesko Wilke

Wer haftet, wenn Hunde sich im Streit verletzen?

Wenn Hunde kämpfen, haben sich anschließend oft die Halter in den Haaren. Die Rechtslage zur Haftung bei verletzten Hunden ist nicht immer einfach. 

Getty Images

Streitigkeiten unter Hunden sehen oft schlimmer aus, als sie sind. Da werden die Zähne gefletscht, dem Kiefer entkommen angsteinflößende Geräusche und die Pfoten fliegen durch die Luft. Derlei Kämpfe sind innerhalb eines Rudels vollkommen normal und sogar wichtig, um Hierarchien deutlich zu machen und ein entspanntes Hundeleben zu führen. Deshalb sollte man sich auch schleunigst von der Idee verabschieden, seinen Vierbeiner von allen unbekannten Gleichgesinnten fernzuhalten. Je häufiger der Kontakt zu Artgenossen, desto mehr lernt der Hund sich innerhalb des sozialen Gefüges zu orientieren und wird Konflikten immer gelassener entgegentreten. Auch dann lässt es sich jedoch nicht verhindern, dass ein Streit mal blutig endet und einer der Raufbolde zum Tierarzt muss.

Unter den Haltern kann in diesem Fall eine brennende Diskussion aufkommen, wer für den "Schaden" haftet. "Aber dein Hund hat ja angefangen!", könnte es dann heißen. Tatsächlich ist die Rechtslage im Hundestreit nicht ganz einfach. Dennoch gibt es auf einige Fragen klare Antworten, wie Rechtsanwalt Michael Schäfer erklärt. 

Wer ist haftbar, wenn ein nicht angeleinter Hund einen angeleinten verletzt?

Der Halter des Aggressors haftet, da das Verhalten seines Hundes für den Schaden ursächlich ist. Den Halter des verletzten Hundes trifft keine Mithaftung, er hatte seinen Hund angeleint und konnte den Zwischenfall nicht vermeiden.

Wer ist haftbar, wenn ein nicht angeleinter Hund durch einen angeleinten verletzt wird?

In diesem Fall haftet der Halter des angeleinten Hundes, denn der Schaden wurde durch ihn verursacht. Das gilt selbst dann, wenn klar ist, dass es nur zu dem Schaden kommen konnte, weil der verletzte Hund nicht angeleint war.

Und wenn ein Mensch sich einem angeleinten Hund nähert und gebissen wird?

Haftbar ist immer der Halter, selbst wenn er davor gewarnt hat, den Hund anzufassen oder der Hund vor einem Laden angeleint war.

Wer haftet, wenn ein Mischlingsrüde eine prämierte Rassehündin deckt?

Der Halter des Rüden haftet. War der allerdings angeleint und die Hündin nicht, dann greift die Tierhalterhaftung möglicherweise nicht.

Kann man verantwortlich gemacht werden, wenn ein fremder Hund folgt und dieser etwa im Straßenverkehr zu Schaden kommt?

Nein. Selbst wenn es auf dem Weg zum Tierheim zum Unfall durch den Hund kommt, ist man nicht haftbar, da man weder Eigentümer noch Tieraufseher der „Fundsache“ ist.

Ist der Einsatz von Pfefferspray strafbar?

Der Einsatz ist durch das Notwehrrecht gedeckt. Aber: Wer einen Hund, der an einen Zaun uriniert, mit Pfefferspray vertreibt, handelt unverhältnismäßig, denn der Schaden durch das Spray ist weit größer als der durch den Urin.

Wird ein Hund verletzt, werden die Tierarztkosten nur anteilig ersetzt. Stimmt das?

Das hängt von Beweismöglichkeiten ab. Der Geschädigte muss den dafür nötigen Nachweis erbringen. Fehlen eindeutige Beweise, führt dies meist dazu, dass die Haftung geteilt wird.

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