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Besuch bei Talbot und Runhof: Zwei Designer, ein Hund: Cooper weiß genau, welche Mode er tragen möchte

Er macht jede Mode mit, solange sie von seinen zwei Herrchen stammt: Der Border Terrier Cooper hat bei den Designern Johnny Talbot und Adrian Runhof ein stilsicheres Zuhause gefunden.

Von Carla Woter

Die DOGS-Redaktion war zu Besuch bei einem ganz besonderen Hund

Die DOGS-Redaktion war zu Besuch bei einem ganz besonderen Hund

Seine Welt ist klar aufgeteilt: in "geht" und "geht nicht" , eine Mitte gibt es nicht. Das erleichtert den Umgang für alle. Der karamellfarbene Border Terrier mit der strukturierten Persönlichkeit trägt heute ausnahmsweise eine karierte Schleife in sanften Grüntönen, die ihm steht und ihn nicht weiter stört. Beides ist wichtig. "Als er noch klein war, wollte eine Freundin ihm einen Shetlandpulli schenken, von Ralph Lauren immerhin", erzählt Adrian Runhof. "Doch Cooper weigerte sich."

Johnny Talbot und Adrian Runhof, die auch als deutsche Antwort auf Dolce & Gabbana bezeichnet werden, führen amüsiert vor, wie Cooper damals ziemlich angewidert vor ihnen stand und keinen Schritt machen wollte mit dem Ding. Sie hatten verstanden. Ein Hund ist schließlich kein Model. Und sie wollten einen richtigen Hund, darin waren sie sich einig, aber einen, der gut aussieht bis ins hohe Alter. Adrian Runhof, von Haus aus kein Hundeliebhaber, wie er ehrlich einräumt, hegte anfangs seine Zweifel: "Was machen wir, wenn er später hässlich wird?", fragte er ernsthaft besorgt, bevor sie zum Züchter fuhren.

Ab 4. März im Handel: Die Ausgabe 2/2019 von Dogs.

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Johnny Talbot, ein Hundeversteher von Kind an, konnte ihn beruhigen. Wir treffen uns im Atelier im Münchner Glockenbachviertel. Cooper hatte hier gleich an seinem ersten Tag einen wertvollen Stoff ruiniert, indem er ihn gründlich markierte. Nach einem Jahr Hundeschule war er schließlich mehr als gesellschaftstauglich, inzwischen ist Cooper längst zu Everybody’s Darling avanciert und gehört mit seinen sechseinhalb Jahren zur Geschäftsleitung der Firma. Das erfolgreiche Modedesignduo wirkt ein bisschen wie Eltern, die Fremden stolz ihren gelungenen Sprössling vorstellen. Auch wenn sie privat schon länger kein Paar mehr sind, Cooper verbindet. Besonders Johnny Talbot ist in seiner Begeisterung für den Hund kaum zu bremsen. Der Amerikaner aus Nashville, Tennessee, ist sein Hauptherrchen und sein bester Freund, wie er in melodiösem Slang erklärt. "Alle anderen sind Wahlverwandtschaften", sagt Adrian Runhof in gewohnt lakonischem Ton.

"Er ist lustig, hat aber keinen Humor"

Johnny verrät derweil weitere Feinheiten über Coopers Charakter. "Unser Hund ist lustig, hat aber überhaupt keinen Humor. Er mag Spaß, nimmt sein kleines Leben aber sehr ernst. Alles muss seine Ordnung haben, gewisse Abläufe müssen eingehalten und Mahlzeiten zu bestimmten Uhrzeiten serviert werden."

Zweimal in der Woche besucht Cooper eine Spielgruppe, auch sonst sei er gut beschäftigt. Mit Joggen in den Isarauen beispielsweise, das macht Talbots Freund Sebastian, Adrian Runhof hingegen nimmt ihn gern mit dem Fahrrad mit, und wenn er seinen Freund Eric am Zürichsee besucht, wird Boot gefahren. Die Freude hat allerdings Grenzen: "wenn Coopers Feinde zufällig auch unterwegs sind". Sie zählen auf: "Rollerblader, Skater, unkastrierte Rüden und Pauli, sein Spezialfeind aus dem Haus."

Dann flippe Cooper aus. Der, um den es geht, hat es sich unterdessen auf dem Schoß seines Gegenübers bequem gemacht und döst anscheinend unbeteiligt, aber mit wachen Augen vor sich hin. Woher kommt eigentlich der Name? "Er stammt aus einem C-Wurf, aber Cäsar wäre ein bisschen übertrieben gewesen." Also überlegten die Männer weiter: Sie schauten aus dem Fenster, der Blick fiel auf ihren Mini Cooper … Cooper also. Frech, international, perfekt. Es ist ein eiskalter Tag, wir trinken Kaffee und verschieben den geplanten Spaziergang noch einen Moment. Johnny Talbot und Adrian Runhof, der Amerikaner und der Deutsche aus Mainz, stehen für elegante feminine Mode, vor allem Abendmode, ihre Leidenschaft gilt besonderen Stoffen, weichen, fließenden, aber auch mit Metallic oder Pailletten bestückten.

Begonnen haben sie mit einer einzigen Schneiderin, die damals Sorge hatte, wie Adrian Runhof erzählt, ihren Lohn nicht zu bekommen, und Vorschuss verlangte. Rosemarie Gehm arbeitet immer noch für sie, wie fast alle, die Teil des Teams wurden. Mittlerweile gehören rund siebzig Angestellte dazu, es gibt "Talbot Runhof" in London, New York, Paris, Los Angeles, Wien und Berlin.

Sie sind echte Quereinsteiger

Das Label gehört zu den wenigen deutschen, die es in die internationalen Top Ten geschafft haben, und das mit Gründern, die Quereinsteiger sind: Johnny ist von Haus aus Informatiker, Adrian hat Betriebswirtschaft studiert. "Unsere Mitbewerber sind die großen Marken. Wir sind schon wer und halten mit, aber das muss auch immer befeuert werden", erklärt Runhof seinen Motor, der nie ausgeht. An diesem Vormittag wirken die zwei so entspannt, als kämen sie direkt aus der Yogastunde und warteten nun auf ihren Ingwertee. Beides gibt es übrigens in ihrer Firma für alle, Gesundheitsförderung ist ihnen sehr wichtig.

Die Bosse sind Mitte fünfzig, schlank, lässig gekleidet, primär in Schwarz und Anthrazit, reden mit wohltemperierter Stimme und geben ihrem Gegenüber ein angenehmes Gefühl. Dass sie auch mal die Nerven verlieren und ausflippen, also all das, was man klischeehaft von Menschen in dieser Branche annimmt: kaum vorstellbar. "Wir sind jetzt in der nächsten Wintersaison, alles muss bis Mitte Januar fertig werden, und das versetzt uns in helle Panik", sagen sie dennoch seelenruhig. Sie haben es perfekt drauf, so zu tun, als wäre alles kinderleicht. Dabei handelt es sich um knallharte Arbeit, die sie sich aufteilen. "Ich bin der, der immer unterwegs ist", sagt Adrian Runhof. Pause. "Johnny geht ja wegen Cooper nirgendwo mehr hin." Kleiner Seitenhieb. Scheint zu stimmen, Talbot nickt. "Cooper bleibt nie länger als drei Stunden allein", sagt er leicht schuldbewusst, als wäre dieses Kapitel in der Hundeschule ein wenig zu kurz gekommen. Und ja, er liebt es, zu Hause zu sein, mit Cooper auf dem Sofa zu sitzen und Fernsehen zu schauen.

Das klingt nach andauernder Gemütlichkeit, die es in der Form gar nicht gibt. Vergangenes Jahr haben sie zum allerersten Mal Ferien gemacht. Die Namen Talbot und Runhof bilden seit 2000 die Marke. Sie arbeiten ausschließlich für weibliche Kunden, "moderne Göttinnen". Um einige zu nennen: Helen Mirren, Claudia Roth, Kristen Stewart, Iris Berben, Helen Hunt. Ihre Schnitte sind schmeichelhaft, von Größe 32 bis 48. "Unsere jüngste Kundin ist zwanzig, die älteste über achtzig." Der Look? "Diskret, aber mit einem kleinen Witz", so Talbot. Unverwechselbar, wie sie Stoffe um die Taille raffen.

Wer keine Silhouette hat, bekommt auf wundersame Weise eine, wer sehr kurvig ist, wird geschickt verpackt. "Johnny drapiert wie kein anderer", sagt Runhof bewundernd. "Adrian denkt dafür eher wirtschaftlich", meint Johnny. Der Ruhm kam Mitte Der Neunzigerjahre. Eine blonde, attraktive Frau betrat den Laden und sagte: "Ich brauche ein Kleid für die Bambi-Verleihung." Johnny Talbot erinnert sich. "Bambi … what?", fragte sich Johnny Talbot, damals relativ neu in München.

Ihm sagte die Auszeichnung herzlich wenig, aber er freute sich, ein Kleid verkaufen zu können, damit war die halbe Ladenmiete schon mal bezahlt. Wie sich herausstellte, war die Dame Maria Furtwängler, das Kleid hatte seinen entsprechenden Auftritt, der Rest ist Geschichte. Cooper wird jetzt munter, springt vom Schoß, begrüßt weitere Angestellte zu deren großer Freude. "Seitdem er in der Firma ist, wird eindeutig mehr gelacht", sagen Talbot und Runhof unisono.

Eine Doppelrolle zur Feier des Tages

Zur Feier des Tages führt der nun eine Doppelrolle vor, dafür gibt es Lob und Leckerli, Letzteres immer mit Bedacht, auf die Linie wird geachtet. "Ein fetter Hund geht gar nicht, das ist Tierquälerei und außerdem hässlich", sagt Runhof unmissverständlich. Das erklärt die Sache mit den Gurken und dem Hüttenkäse, die Cooper gern isst, zudem hat er einen empfindlichen Magen. Zurück zu den Herrchen. Woher stammt ihr Bezug zur Mode? "Meine Mutter war Schneiderin, sie arbeitete für Countrystars wie Dolly Parton", erzählt Talbot. Adrian Runhofs Eltern besaßen ein Modegeschäft mit eigenem Label, spezialisiert auf Cocktailkleider und Abendmode, sie nahmen den Jungen früh mit nach Paris. Der wollte überall leben, London, Amsterdam, nur nicht in Wiesbaden, wo er in einer Villa streng behütet aufwuchs. Runhof ging nach München, frei sein, endlich leben, wie er wollte, und tun, was er wollte. Das ist ihm gelungen, ohne Unterstützung. Und darauf sind sie beide stolz, das haben sie gemeinsam: Sie sind Selfmademen.

Kennengelernt haben sie sich Anfang der Neunziger in München: Johnny Talbot hatte keine Lust mehr auf Amerika und auf seinen Informatikjob im Pentagon, er arbeitete als Softwareingenieur. Eines Tages liest er das Zauberwort "Radio Free Europe", ein US-Radiosender, der in München beheimatet war, und beschließt, nach Europa zu ziehen. Seit fast dreißig Jahren sind sie nun Partner, ein sich ergänzendes, gutes Team.

Zu Coopers Freude geht es nun hinaus, zunächst zum Gärtnerplatz, seinem eigentlichen Revier, am Jüdischen Museum vorbei. Unser Ziel ist der Flagship-Store in einem Rokokostadtpalais an der Theatinerstraße heute ohne Zwischenstopp am Viktualienmarkt, da bekommt Cooper oft Leckerlis. Keine Würstl, der Hund ist Vegetarier wie sein großer Freund Johnny. Unterwegs erzählt der von seiner Kindheit: "Ich bin groß geworden in einem Haus am See, mit Bruder und Schwester, die viel älter sind als ich, daher waren Hunde immer schon meine besten Spielkameraden. Mein erster hieß Buffy, dann kam Major, beide Collies, gefolgt von Buttons, halb Schnauzer und halb Pudel. Er wurde überfahren, als er seine Angebetete auf der anderen Seite der Straße besuchen wollte." Das wird Cooper kaum passieren. Er hat viele, die auf ihn aufpassen.

Cooper ist ein moderner Hund, ein Patchworkdog mit einem Hauptherrchen und vielen kosmopolitischen Nebenherrchen. "Wobei es ihm vollkommen wurscht ist, ob er mit gut situierten Modedesignern in Dachgeschosswohnungen in Paris oder am Zürichsee mit Knoll-Möbeln und Teppichen von Tai Ping residiert", sagt Adrian Runhof über Cooper, der überall mit hin dürfe. "Außer auf mein weißes Tweedsofa im Büro, auf das er mal gekotzt hat." Aber wirklich nur einmal. Wir versinken derweil in purpurfarbenen Fauteuils, Cooper nimmt seine Lieblingshaltung ein und liegt, den Kopf nach hinten gekippt, auf Johnnys Schoß. Urvertrauen könnte so aussehen. Kommen sie, wenn sie mit Cooper unterwegs sind, eigentlich mit anderen leichter ins Gespräch? Johnny Talbot findet, schon: "Ich will wissen, wie der andere Hund heißt, was es für einer ist und so weiter."

Adrian Runhof grinst leicht diabolisch und macht eine erstaunliche Aussage: "Ich rede nur mit Leuten, die Border Terrier haben! Mich interessieren keine anderen Hunde, ich sage das den Leuten auch." Wow. Talbot lacht sich halb tot. Man kennt sich. Cooper schaut kurz auf, stundenlang könnte es für ihn so weitergehen, aber es wird Zeit, schließlich müssen seine Herrchen arbeiten. Schlussfrage: Würden Sie gern Ihr eigener Hund sein? "Nicht immer", antwortet Johnny schnell. "Ohne uns ist er hilflos." Und Adrian Runhof meint: "Ich gern. Den ganzen Tag rumliegen und in die Luft gucken, das fänd’ ich schön."

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