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Familie: Ein Kind mit Autismus, eines mit ADHS: "Es ist ein Minenfeld"

Janine Kaisers Sohn Leon leidet an Autismus, ihr anderer Sohn hat ADHS. Für die Mutter ist das eine oft überfordernde Situation. Jetzt sammelt sie Spenden, um einen Autismushund anschaffen zu können.

Janine Kaiser mit ihren Söhnen

Janine Kaiser (r.) mit ihren Söhnen

Für Janine Kaiser ist jeder Tag mit ihrer kleinen Familie eine Herausforderung. Die 33 Jahre alte Frau lebt in einem Dorf im Raum Hannover mit ihren beiden Söhnen Luca, 7, und Leon, 5. Der Alltag als Mutter mit zwei Kindern in diesem Alter ist bereits schwierig genug, Janine Kaisers Söhne aber brauchen beide eine spezielle Betreuung: Luca hat ADHS, Leon ist Autist.

"Es ist extrem anstrengend", sagt Kaiser dem stern. Besonders Leon braucht viel Zuwendung und ist kaum in der Lage, einfachste Dinge allein zu meistern. Um ihm zu helfen und selbst entlastet zu werden, will die Mutter einen Hundewelpen zum Begleithund für Leon ausbilden lassen. Das kann bis zu 25.000 Euro kosten – "eine Summe, die ich mir definitiv nicht leisten kann", so Kaiser. Von den Krankenkassen wird eine solche Ausbildung nicht gefördert. Deshalb sammelt sie auf der Crowdfunding-Plattform "GoFundMe" Spenden.

Kind mit Autismus: Mutter sammelt Spenden für Begleithund

Ein Hund, so die Hoffnung der Mutter, würde Leon helfen, sich beispielsweise in Menschenmassen besser zurechtzufinden oder diese zu umgehen. Außerdem solle das Tier darauf achten, dass Leon, der dazu neigt, schnell davonzurennen, außer Haus nicht verloren geht. Dafür hat die Familie bereits einen 18 Wochen alten Hundewelpen angeschafft. Dieser muss allerdings noch eingehend von Experten auf seine grundsätzliche Tauglichkeit untersucht werden, ein langwieriger und komplizierter Prozess.

Das würde den Alltag der Familie erleichtern – bisher ist es beispielsweise kaum möglich, mit Leon einkaufen zu gehen. Wenn er von vielen Menschen umgeben ist, igelt sich der Junge sofort ein. Zu groß ist die Reizüberflutung, Leon verhält sich "wie in Trance", berichtet Janine Kaiser. Nach dem Kindergarten will er kaum noch das Haus verlassen, was auch seine Mutter und seinen Bruder zunehmend isoliert. Auch Besuch überfordert das autistische Kind.

Leon

Da Leon so sensibel auf Geräusche reagiert, trägt er oft einen Lärmschutz

Mit zwei Kindern, die völlig unterschiedliche Bedürfnisse haben, steht Janine Kaiser permanent an der Grenze ihrer Belastbarkeit. "Zwei Welten prallen aufeinander. Es ist ein Minenfeld", erzählt sie. "Hier gibt es keinen Tag ohne Geschrei." Beide Kinder fühlen sich ständig voneinander gestört, die Stimmung schaukelt sich hoch. Das führt dazu, dass auch Kaiser mittlerweile psychisch angeschlagen ist. Arbeiten kann sie ohnehin nicht, da sie zu Hause gebraucht wird.

Probleme mit den Nachbarn

Lange Zeit brachte ihr Umfeld wenig Verständnis für ihre schwierige Situation auf – ganz im Gegenteil. Aufgrund des Lärms, der aus dem Haus der Kaisers drang, hatte sie viel Ärger mit den Nachbarn in ihrem Dorf: Es gab Aufforderungen, die Fenster geschlossen zu halten, anonyme Zettel an der Autoscheibe, es wurde mit dem Jugendamt gedroht.

So nehmen Autisten die Welt wahr

Gleichgesinnte findet sie immerhin im Internet. Auf ihrem Instagram-Kanal berichtet Janine Kaiser aus ihrem Leben und dem ihrer Söhne. Dort trifft sie auf Mütter, die ähnliche Probleme haben. Und seit kurzem sind auch die Nachbarn gnädiger, Kaiser geht jetzt offener mit den Krankheiten ihrer Kinder um. "Das hat sich auch wie ein Lauffeuer im Dorf verbreitet", kommentiert sie. "Es traut sich aber auch niemand, das persönlich anzusprechen."

Hier können Sie für Leons Autismushund spenden.


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