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Psychologie Empathie: Vier Sätze, die mitfühlende Menschen nie sagen würden

Junge Frau sitzt mit einer Tasse Tee am Fenster und schaut raus
"Es könnte alles schlimmer sein" ist kein Spruch, der motiviert
© PIKSEL / Getty Images
Mitfühlend zu sein bedeutet, sich auf den anderen einzustellen und nicht die eigene Meinung in den Vordergrund zu stellen. Deshalb ist es so wichtig, diese Sätze zu vermeiden.

Dieser Text erschien zuerst an dieser Stelle bei brigitte.de.

1. Ich weiß genau, was du durchmachst. Ich habe das genauso erlebt.

Dieser Satz scheint auf den ersten Blick Mitgefühl auszudrücken, schreibt die amerikanische Website "Psychology Today". Aber er drückt das aus, was Mitgefühl nicht ist: das eigene Bedürfnis in den Vordergrund zu stellen. Woher wollen wir wissen, was der andere gerade durchmacht? Ereignisse sind zwar ähnlich, aber jeder Mensch nimmt diese anders auf. Und ist dieser Satz womöglich eine Einleitung, um die eigene Geschichte zu erzählen? Empathischer wäre zu fragen: Wie hast du es erlebt? Was fühlst du dabei?

2. Es könnte alles schlimmer sein.

Schlimmer geht immer, das ist richtig. Und manchmal ist es merkwürdig, dass sich andere über etwas aufregen, was "objektiv" gar nicht so dramatisch ist. Aber in der persönlichen Welt des anderen ist dieses Problem wichtig. Genau wie bei Kindern, die schreien, weil ihnen jemand eines von zehn Spielzeugen weggenommen hat. Aber sie erleben gerade im Hier und Jetzt einen Verlust. "Es könnte alles schlimmer sein" ist kein Spruch, der motiviert. Er signalisiert, dass die Probleme des Gegenübers nicht ernst genommen werden.

3. Sieh es positiv. Es wird schon seinen Grund gehabt haben.

Viele negative Dinge, die uns passieren, stellen sich später als Segen heraus. Aber das will niemand hören, der beispielsweise gerade verlassen wurde oder seinen Job verloren hat. Den Sinn dahinter verstehen kann nur derjenige, der das Problem selbst erlebt. Und das meist auch nur mit sehr viel zeitlichem Abstand. In der Situation selbst brauchen wir einen Menschen, der für uns da ist und einfach nur zuhört.

4. Meinst du nicht, es ist Zeit, um nach vorne zu schauen?

In unserer Gesellschaft wird uns wenig Zeit gelassen, um zu trauern. Sei es um Menschen oder Situationen. Das ist schade, denn Trauer passt in kein Zeitraster. Jeder Mensch trauert anders und braucht mehr oder weniger lange dafür. Manche Dinge scheinen auch überwunden und tauchen später wieder auf. Wir sollten nicht darüber urteilen, wann ein anderer Mensch mit seiner Trauer abschließen muss. Manchmal wird dieser Satz auch nur gesagt, weil die anderen selbst keine Schmerzen ertragen, nicht die eigenen oder die der anderen. Und das ist nicht sehr empathisch.


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