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Equal Pay Day: Der gar nicht so kleine (Lohn-)Unterschied

Frauen verdienen im Schnitt knapp ein Viertel weniger als Männer. Das ist leider nichts Neues. Doch hätten Sie gedacht, dass der Unterschied bei den Steuerberatern am größten ist?

Zum Beginn des Berufsleben ist der Gehaltsunterschied zwischen Männer und Frauen noch nicht besonders groß, doch er wächst über die Jahre stetig an

Zum Beginn des Berufsleben ist der Gehaltsunterschied zwischen Männer und Frauen noch nicht besonders groß, doch er wächst über die Jahre stetig an

Die Zahl erschreckt: Frauen hinken mit ihren Stundenlöhnen den männlichen Kollegen immer noch um 22 Prozent hinterher. Seit Jahren hat sich an dieser Zahl nichts mehr verändert. Der alljährlich Ende März begangene Equal Pay Day soll an den Missstand erinnern: Rein rechnerisch müssen Frauen über den Jahreswechsel hinaus genau bis zum heutigen Freitag arbeiten, um wenigstens auf das durchschnittliche Jahresgehalt männlicher Beschäftigter zu kommen.

Die Gründe dafür sind vielfältig und oft strukturell bedingt: Viele Frauen arbeiten in Berufen am unteren Ende der Einkommensskala, als Kindergärtnerin, Krankenschwester oder Putzfrau. Babypause und Pflege von Angehörigen - also familienbedingte Unterbrechungen - fördern weder Einkommen noch Karriere. Deutlich mehr Frauen als Männer arbeiten zudem in Teilzeit. Mit einer Beförderung belohnt wird aber oft nur, wer immer präsent ist.

Überraschendes rund um den Equal Pay Day

• Der größte Gehaltsunterschied findet sich laut einer Studie des Statistischen Bundesamtes bei Steuerberatern. Weibliche Steuerberater bekommen im Schnitt nur 56 Prozent des Bruttogehaltes ihrer männlichen Kollegen (Männer 5454 Euro, Frauen 3065 Euro). Ihr kleiner Vorteil: Sie wissen zumindest, wie man daraus möglich viel netto macht.

• Aber auch in der Medizin gibt es große Unterschiede: Weibliche Zahnärzte bekommen nur 69 Prozent des Bruttogehaltes ihrer männlichen Kollegen (Männer: 5245 Euro, Frauen: 3609).

• Die große Ausnahme: Bei den Postboten liegen die Frauen in der Statistik mit rund 100 Euro vorn (Männer: 2564 Euro, Frauen: 2663 Euro).

• Je älter die Beschäftigten, desto größer wird der Abstand: Bei den 15- bis 30-Jährigen unterscheidet sich der Bruttomonatsverdienst um rund 13 Prozent, in der Altersgruppe der 36- bis 40-Jährigen sind es schon 19 Prozent. Bei den 61- bis 65-Jährigen erreicht der Rückstand der Frauen ganze 28 Prozent.

• Frauen bekommen auch seltener Weihnachtsgeld: Während 50 Prozent der Männer im vergangenen Jahr einen Zuschuss zum Fest der Liebe erhielten, waren es laut des "Frauenlohnspiegels" lediglich 38 Prozent der Frauen.

• In keinem anderen großen Land Europas sind die Lohnunterschiede so ausgeprägt wie in Deutschland. Österreich, die Tschechische Republik und die Slowakei haben ebenfalls Unterschiede von mehr als 20 Prozent. In Italien sind es dagegen nur sieben Prozent. Unterschiede gibt es auch innerhalb Deutschlands: Die neuen Bundesländer haben ein Lohngefälle von lediglich acht Prozent.

• Der Arbeitgeberverband Gesamtmetall rechnet die Unterschiede fleißig weg: Berücksichtige man Faktoren wie Bildung, Alter, Berufserfahrung, Dauer der Betriebszugehörigkeit, Firmengröße und auch noch Babypausen, bleibe nur noch eine Entgelt-Differenz zu den männlichen Kollegen von knapp zwei Prozent. Auch das Statistische Bundesamt rechnete 2010 einmal die strukturellen Gründe heraus, kam dann aber noch immer auf einen Verdienstunterschied von etwa sieben Prozent.

vim/DPA/AFP / DPA

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